Größere Änderungen und neue Strukturen stehen im Reichenauer Museum an. Der Museumsverein, der die drei Häuser auf der Insel bisher allein und ehrenamtlich betreute, habe altersbedingt zunehmend Probleme, die immensen Aufgaben zu stemmen, erklärte der Vorsitzende Karl Wehrle vor rund 30 Mitgliedern und Gästen in der Mitgliederversammlung im Gasthaus Schiff: „Wir haben eigentlich nicht mehr die Möglichkeit, dass das in der jetzigen Form zu 100 Prozent so weitergeht.“ Sprich: Die Gemeinde müsste einsteigen. Gespräche mit Bürgermeister Wolfgang Zoll wurden in diesem Jahr bereits geführt.

Geschäftsführer Gert Zang erläuterte, der Verein wolle von den vier großen Tätigkeitsfeldern der Museumsarbeit nur die Betreuung und Erweiterung der Sammlung weiter übernehmen. Das umfasse die Beobachtung des Kunstmarkts, den Ankauf neuer Werke, konservatorische und Inventarsmaßnahmen sowie wohl auch das Museumsfest. Dieses ließ der Verein zuletzt ausfallen, könnte es aber in abgewandelter Form weiter machen, so Wehrle und Zang. Letzterer sagte: „Es ist zu entscheiden, welche Funktionen die Gemeinde übernimmt.“ Nach seiner Auflistung der vier großen Arbeitsfelder wären das die technische Betreuung und Aufsicht, die Besucherbetreuung sowie auch Sonderausstellungen, Veränderungen der Dauerausstellung und Veranstaltungen.

Der Bürgermeister erklärte, die reinen Verwaltungstätigkeiten seien für die Gemeinde wohl das kleinere Problem: „So nach und nach gibt es im nächsten Jahr sicher einen Übergang.“ Doch beim inhaltlich-didaktischen Bereich, bei den Sonderausstellungen, müsse man noch überlegen, wie das zu bewältigen sein werde. „Das ist der größte offene Punkt“, so Zoll. Denkbar wäre, dies auf der Basis von Projektarbeit zu lösen. Auch die verstärkte Kooperation mit Universitäten und Hochschulen wurde in der Versammlung angeregt. Zoll dankte dem Verein für die geleistete Arbeit: „Das war auf der Reichenau immer eine tolle Sondersituation." Und er betonte: „Der Verein wird weiter gebraucht.“ Wobei Zang zum Thema Sonderausstellungen anmerkte: „Wir werden uns nicht schlagartig zurückziehen.“ Wehrle kündigte an, 2017 werde weiter die Sonderschau zu 1200 Jahre Münster gezeigt, für die Zang und der zweite Vorsitzende Arne Luz immense Arbeit geleistet hätten. Da sei baulich nichts zu machen, so Wehrle: „2017 wird ein Übergangsjahr.“

Die Münsterausstellung besuchten 2016 rund 8000 Besucher, berichtete Wehrle: „Da war ich, ehrlich gesagt, etwas enttäuscht.“ So viele Besucher habe man im Museum in Mittelzell auch 2015 gehabt – ohne Sonderausstellung. Die große Hermann-Schau 2013 und 2014 lockte dagegen jeweils 11 000 Gäste an. „Ich hatte auf einen ähnlichen Schub gehofft“, so Wehrle. Doch der berühmte Mönch Hermann der Lahme sei natürlich für viele – gerade auch Besucher von außerhalb – attraktiver als die Baugeschichte des Münsters. In den beiden kleinen Museen seien per Lichtschranke aber wieder sehr hohe Besucherzahlen ermittelt worden: 30 000 in Oberzell und 33 000 in Niederzell.

Natürlich wisse man nicht, wie lange die Leute dort verweilten. Doch insgesamt über 70 000 Besucher, die sich zumindest ansatzweise mit der Geschichte der Reichenau befasst hätten, wertete Wehrle dann doch als Erfolg.

Die weiter laufende Münsterausstellung hat den Verein gut 10 000 Euro gekostet – unter anderem, weil ein drittes Multimediagerät angeschafft worden sei, so Wehrle: „Wir machen die Erfahrung, dass es viel mehr solcher Angebote braucht, um attraktiv zu bleiben.“ Für 2017 kündigte er an, der Vorstand werde sich etwas überlegen zum zehnjährigen Bestehen der drei neuen Museumsgebäude. Und Gert Zang werde sich nun an die Aufarbeitung der Bürgergeschichte machen. Zang berichtete zudem, der Verein habe für 500 Euro ein weiteres Gemälde des Reichenau-Malers Oswald Pötzelberger aus Berlin angekauft. Es zeigt den Blick auf einen blühenden Apfelbaum von der Hochwart herab.


Verjüngung ist nötig

Die Übernahme von Aufgaben der Museumsarbeit durch die Gemeinde Reichenau ist das eine Thema. Der Museumsverein brauche aber unabhängig davon eine Verjüngung im Vorstand, so der Vorsitzende Karl Wehrle. Aus dem aktuellen Team scheide aus gesundheitlichen Gründen das Beiratsmitglied Ernst Hansbauer aus, der jahrzehntelang der Haus- und Hofmaler gewesen sei. Und es sei abzusehen, dass weitere Beiräte aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr lange weitermachen könnten. „Wir werden versuchen, neue helfende Hände zu finden“, so Wehrle. Neu aufnehmen im Beirat als jüngeres Mitglied konnte er immerhin Birgit Berszin. Sie hat zusammen mit ihrem Partner Roy File schon für die Münsterausstellung ein Exponat angefertigt. Wehrle appellierte an die Versammlung und die Öffentlichkeit, sich ebenso einzubringen, das gehe auch unterm Jahr. „Ich habe ein Telefon“, so Wehrle.