Er ist als Leiter der Römischen Glaubenskongregation einer der aktuell wichtigsten Männer in der katholischen Kirche und ein Vertrauter von Papst Franziskus in Rom.

Beim Heilig-Blut-Fest auf der Insel Reichenau hat sich der Kardinal und Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, der offiziell als Eminenz angesprochen wird, aber schlicht als freundlicher und unkomplizierter Mensch erwiesen, wie zu hören war.

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„Wir freuen uns, dass wir ein Fest des Miteinanders haben.“

Allerdings hat er auch den Ruf bestätigt, sehr zurückhaltend gegenüber der Öffentlichkeit zu sein. Auf Nachfrage des SÜDKURIER meinte er nur kurz: „Es hat mir sehr gut gefallen. Alle sind sehr nett gewesen. Das Fest war wunderschön.“ Inselseelsorger Pater Stephan Vorwerk dankte dem Ehrengast für sein Kommen und seine Predigtworte, aber auch allen anderen, die mitgefeiert haben. „Wir freuen uns, dass wir ein Fest des Miteinanders haben.“

Im Mittelpunkt des Reichenauer Heilig-Blut-Festes steht Jesus Christus, der für die Sünden der Menschen gestorben sein soll. Eine Jesusfigur wurde bei der Prozession mitgetragen.
Im Mittelpunkt des Reichenauer Heilig-Blut-Festes steht Jesus Christus, der für die Sünden der Menschen gestorben sein soll. Eine Jesusfigur wurde bei der Prozession mitgetragen. | Bild: Zoch, Thomas

Deutung in verschiedene Richtungen

Mehrere hundert Gläubige nahmen bei diesem höchsten Inselfeiertag, sowie am Gottesdienst und der anschließenden Prozession teil,der aus der großen Klosterzeit herrührt. Seine Festpredigt, die er in recht gutem Deutsch hielt, gestaltete der hohe Würdenträger eng an der klassischen Lehre der Kirche orientiert. Er deutete das Heilig-Blut Jesu in verschiedenen Richtungen.

Mit Blick auf das Alte Testament erklärte er, dass dieses sehr viel wertvoller sei als das von Opfertieren, weil es ein für allemal für die Menschen gültig sei. Mit Blick auf die Kirche verwies er auf die symbolische Deutung des Lanzenstoßes gegen Jesus am Kreuz. Die Kirche lebe durch das Blut und das Wasser, das aus dem Körper floss, als Zeichen der Eucharistie und der Taufe, erklärte der Kardinal.

Der Kardinal und Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer (rechts) trug zum höchsten Inselfeiertag, die festliche Liturgie vor. In seiner Predigt deutete er das Blut Jesu nach der katholischen Lehre.
Der Kardinal und Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer (rechts) trug zum höchsten Inselfeiertag, die festliche Liturgie vor. In seiner Predigt deutete er das Blut Jesu nach der katholischen Lehre. | Bild: Zoch, Thomas

Jesus-Reliquie bei Prozession getragen

Etwas vom Blut Christi soll der Überlieferung nach auf einem seidenen Tüchlein in der Reichenauer Heilig-Blut-Reliquie sein, zudem Splitter des Kreuzes. Die Jesus-Reliquie ist in einem kleinen byzantinischen Abtskreuz, das im Jahr 925 in den Besitz des damals bedeutenden Reichenauer Klosters kam.

Im 18. Jahrhundert wurde für die Reliquie eine Barock-Monstranz geschaffen. Diese trug der 75-jährige Kardinal als Gastprediger zunächst bei der Prozession, übergab den recht schweren kirchlichen Schatz aber dann unterwegs an Pater Stephanos Petzolt von der Reichenauer Benediktiner-Cella. Dieser schätzte das Gewicht auf circa acht Kilogramm.

Auch einige Kindergartenkinder liefen bei der Heilig-Blut-Prozession mit, an der sich mehrere hundert Gläubige beteiligten.
Auch einige Kindergartenkinder liefen bei der Heilig-Blut-Prozession mit, an der sich mehrere hundert Gläubige beteiligten. | Bild: Zoch, Thomas

„Das war schon Gänsehautstimmung“

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer seien wohl von auswärts gekommen, schätzte Kulturchef Karl Wehrle. Aus Konstanz kam Walter Schneider – wie schon öfter an Inselfeiertagen. „Der Kardinal ist eine schöne Zugabe.“ Als Ehre für die Insel werteten die Reichenauerinnen Andrea Di Noro und Heike Schweitzer den Besuch.

Es sei gut, dass die Kirche in Rom damit die gelebte Tradition hier unterstütze, so Schweitzer. Als etwas Besonderes bezeichnete Christian Stegmann den hohen Besuch. Die Predigt sei sehr interessant gewesen und schön untermalt mit der Mozart-Messe, die Münsterchor- und orchester auf beeindruckende Weise boten. „Das war schon Gänsehautstimmung.“