Das Problem mit den Reisebussen auf der Insel Reichenau versucht die Gemeinde seit Jahren zu lösen und ist bisher kein Stück vorangekommen. Und das liegt offenbar vor allem daran, dass die Verwaltung lange braucht, bis sie Vorschläge vorlegt, die dann aber einer Mehrheit im Gemeinderat nicht gefallen.

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So auch in der jüngsten Sitzung, weshalb das Thema schließlich vertagt wurde. Dabei ist man sich einig, dass der Busparkplatz am Yachthafen mit drei Stellplätzen aufgehoben werden sollte, weil dort keine Busse wenden können.

Verwaltung lehnt eigenen Vorschlag ab

Diese müssen auf der schmalen Straße entlang der Klostermauer und dann über die Seestraße abfahren – eine Gefahr und ein Ärgernis für Fußgänger, Radfahrer und Anwohner. Außerdem will man den damit verbundenen Busverkehr in der Burgstraße am Münster vorbei nicht mehr.

Doch das Chaos auf den Straßen toppte die Verwaltung nun, indem sie ihre eigene Vorlage in der Sitzung komplett über den Haufen warf. Der Vorschlag, für den die Verwaltung fast ein Jahr gebraucht hatte, lautete nun, den Busparkplatz an der Oberen Ergat beim Hotel Mohren auszubauen und dafür eine Reihe Autostellplätze zu opfern.

Statt drei oder vier Bussen, je nachdem, wie geparkt wird, sollten dann sieben Platz finden, erklärte Hauptamtsleiter Mario Streib. Der Ingenieur Burkhard Raff habe dazu eine Planung gemacht.

Doch trotz der langen Vorlaufzeit lag die Kostenberechnung erst am Tag der Sitzung vor – und diese erschien der Verwaltung mit rund 226 000 Euro unverhältnismäßig hoch. „Es fällt mir schwer, eine Viertelmillion vorzuschlagen für die Asphaltierung eines Grünstreifens“, meinte Streib.

Den Busparkplatz am Yachthafen will die Gemeinde Reichenau eigentlich aufheben. Doch nun bleibt vorerst alles beim Alten. Es fehlen Alternativen.
Den Busparkplatz am Yachthafen will die Gemeinde Reichenau eigentlich aufheben. Doch nun bleibt vorerst alles beim Alten. Es fehlen Alternativen. | Bild: Zoch, Thomas

Stattdessen schlug er nun vor, auch ohne Ersatz den Busparkplatz am Yachthafen aufzuheben und dann abzuwarten, ob das in der nächsten Saison funktioniere. „Wer die Insel erleben möchte, muss sich auch etwas zu Fuß bewegen können“, meinte Streib.

Bürgermeister Wolfgang Zoll erklärte, er fände die Buslösung an der Ergat eigentlich gut, aber nicht zu diesen Kosten. Doch er gehe von einer Förderung des Landes aus, wenn die Gemeinde dies im kommenden Jahr beantrage.

Gemeinderäte kritisieren Verwaltung

Doch zunächst einmal monierten etliche Gemeinderäte das Vorgehen der Verwaltung.

Britta Sauer-Böhm (Freie Wähler) berichtete, die Inselführer des Verkehrsvereins hätten einige Räte auf einer Bustour auf verschiedene Punkte hingewiesen, wie Engstellen im Verkehr oder die Dauer von Fußpassagen.

„Das sollte man erst mal auswerten“, meinte sie und beantragte die Vertagung.
Der Bürgermeister erklärte darauf, die Verwaltung werde noch mal das Gespräch suchen mit Inselführern und betroffenen Gastronomen.

Karin Blum (CDU) meinte, man könnte auf dem bestehenden Busparkplatz an der Ergat Markierungen aufbringen, damit dort in jedem Fall vier Busse Platz fänden. Berndt Wagner (CDU) betonte: „Was für mich eine Katastrophe ist, ist, wenn man etwas verbietet, ohne was zu bieten.“

Manche Fahrgäste in den Bussen könnten einfach schlecht laufen. Er schlug einmal mehr vor, auf dem neuen Autoparkplatz an der Wittigowostraße nahe der Schule ein paar Busparkplätze einzuzeichnen.

Einigung bleibt auch bei Anwohnerparken aus

Kein Anwohnerparken: Um die Wittigowostraße und den Bereich Baurenhorn mit Schule, Inselhalle und Sportplatz ging es auch bei einem weiteren Verkehrsthema – und auch dies blieb wegen Differenzen ergebnislos. Einige Gemeinderäte hatten ein Parkverbot in der schmalen Wittigowostraße angeregt und im Gegenzug ein Anwohnerparken.

Letzteres sei im ländlichen Raum nicht üblich, meinte Streib, und hier auch nicht nötig. Und die Straßenverkehrsbehörde meine, Straßen seien auch zum Parken da und befürworte ein Parkverbot höchstens ab Hausnummer 20 abwärts.

Ralf Blum (CDU) monierte, im Begegnungsverkehr werde regelmäßig auf die Gehwege ausgewichen, wenn dort Autos parkten.
Sauer-Böhm erinnerte daran, dass es einen Beschluss gebe, langfristig die ganze Insel als Parkverbotszone auszuweisen, in der nur in eingezeichneten Flächen geparkt werden darf.

Gabriel Henkes (Freie Liste) schloss sich an, Parkflächen sollten reduziert werden. Statt Anwohnerparken regte Sauer-Böhm ein Monatsticket für den neuen Parkplatz an.

Der Bürgermeister griff Letzteres als gute Idee auf, das wolle er prüfen. Doch das Thema Parkverbotszone für die gesamte Insel müsse man Stück für Stück angehen. Wagner und Armin Okle (FW) nannten dabei als Problem, dass bei Parkverboten auf Straßen viele auf Feldwegen ihre Autos abstellen würden.

Keine Dauerzählstelle auf dem Inseldamm

Verkehrszählung: Eine Abfuhr erteilte der Gemeinderat zudem dem Vorschlag der Verwaltung, auf dem Inseldamm eine Dauerzählstelle sowohl für den motorisierten wie den Radverkehr einzurichten. Die hierfür nötigen Geräte sollten rund 21 000 Euro kosten, erklärte Streib. „Wir hätten sehr reelle Zahlen, was an Verkehr auf die Insel kommt und runter fährt“, meinte er.

Doch Henkes, Sauer-Böhm und Wagner äußerten Zweifel, dass sich mit diesen Daten viel anfangen lasse. „Irgendwann kennen wir die Zahlen“, so Sauer-Böhm. Wie andere Räte plädierte sie dafür, solche Geräte erst einmal auszuleihen und temporär an verschiedenen Stellen zu messen.

Henkes meinte zudem, nicht nur auf der Insel, sondern vor allem an der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Waldsiedlung und Lindenbühl wäre dies wichtig, wenn diese ab dem kommenden Jahr in beide Richtungen befahrbar sein wird.

Und Okle betonte, bei Verkehrszählungen sei es auch wichtig, den Zweck der Fahrten zu erfassen. Der Bürgermeister sagte, er wolle auch diese Aspekte nochmals prüfen.