Lange war Veronika Fischer die Sprecherin der Flüchtlingshilfe Reichenau. Aber der Umzug von der Insel weg in Richtung Konstanzer Vorort hat ihr die Weiterarbeit auf der Reichenau mehr oder weniger unmöglich gemacht. Aus dem Versuch der verbliebenen Helfer, sich in einem lockeren Gespräch neu zu orientieren, wurde mit Hilfe des Reichenauer Flüchtlingsbeauftragten Stephan Wurz und Bürgermeister Wolfgang Zoll eine beinahe hochoffizielle – von Zoll moderierte – Gesprächsrunde im Sitzungssaal des Rathauses. Teilnehmen konnten aus zeitlichen Gründen an diesem Abend aber weder Fischer noch Wurz. Gekommen war jedoch Charlotte Ergang vom Caritasverband. Sie ist dort als Hauptamtliche sowohl für die Anschlussunterbringung der Flüchtlinge zuständig als auch für das Projekt "Nah an Menschen von weit weg". In diesen Funktionen arbeitet sie regelmäßig mit den vielen Flüchtlingshelfern im Landkreis Konstanz zusammen. Und obwohl einige der Anwesenden beim Reichenauer Treffen schon als "alte Hasen" in Sachen Flüchtlingshilfe bezeichnet werden können, sorgte Ergang mit ihrer kurzen Präsentation zum Thema "Konzepthilfe für Helferkreise" doch für den einen oder anderen Aha-Effekt. So empfahl sie, eine gut in sich aber auch mit anderen Helferkreisen vernetzte Lenkungsgruppe zu gründen, damit nicht die ganze Last der Organisation nur von einer Person zu tragen ist.

Ganz praktische Fragen, wie die nach den Sprachkenntnissen der Flüchtlinge, kamen da genauso auf wie zum Beispiel die nach dem richtigen Umgang mit den durch Krieg und Schrecken traumatisierten Menschen. Bei der Diskussion stellte sich heraus, dass die Verwaltung der Sachspenden nicht den größten Organisationsaufwand darstellt. Hauptsächlich geht es darum, die Menschen zu betreuen und zu begleiten. Herbert Twardy, der auch für die Akquise der Geldspenden verantwortlich zeichnet, erzählte von "seinen" beiden Paten-Familien, die er bislang in allen möglichen Belangen betreut hatte. Alfred Heizmann berichtete, dass das Helfen manchmal auch anstrengend und frustrierend sein kann.

Charlotte Ergang betonte, dass es hauptsächlich nicht darum gehe, den Flüchtlingen alles abzunehmen und sich selbst aufzuladen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die Helfer sollten klar definieren, wann und wie sie helfen wollten. Ob das nun das Miteinandersprechen sei, um so Sprachkenntnisse zu vermitteln, oder die unterstützende Begleitung beim Arztbesuch. Auch könne man sich entscheiden, ob man eine Patenschaft für einen ganz bestimmten Flüchtling, beziehungsweise eine ganz bestimmte Familie übernehme oder für die Alltagsbegleitung nach Bedarf bei unterschiedlichen Flüchtlingen zur Verfügung stehen wolle. Bürgermeister Wolfgang Zoll sagte die Unterstützung der Gemeinde zu. Auch wenn derzeit nur wenige Flüchtlinge kämen, so würde dies sich wohl bald ändern, ergänzte Zoll. Denn auch auf der Insel werde die Unterkunft Mittelzell 25 in den nächsten Monaten fertiggestellt werden.

Trotz des intensiven Meinungs- und Erfahrungsaustausches war es an diesem Abend noch nicht möglich, eine neu Organisationsgruppe zu benennen. Wolfgang Zoll nahm hier den Druck von den Beteiligten, eine sofortige Entscheidung fällen zu müssen und schlug vor, in der ersten Augustwoche zu einem informellen Treffen mit allen Interessierten einzuladen.

Flüchtlingsbeauftragter zieht weg

Die Flüchtlingshilfe Reichenau ist derzeit dabei, eine Lenkungsgruppe zu gründen und somit die Organisationsarbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. Mittelfristig wird wohl auch die frei werdende Stelle des Flüchtlingsbeauftragten von der Gemeinde neu besetzt werden. Sowohl die Gemeinde als auch der Helferkreis bedauern den Wegzug des bisherigen Amtsinhabers Stephan Wurz, der offenbar eine große Unterstützung für die Reichenauer Flüchtlingshelfer war.

Die Organisation im Internet: www.insel-reichenau-hilft.de