Eine Gewächshausanlage auf 7,5 Hektar wird es im südöstlichen Inntal im Zentrum der Insel Reichenau nicht geben. Dagegen sprechen schon die Eigentumsverhältnisse, berichten Bürgermeister Wolfgang Zoll und Johannes Bliestle, Geschäftsführer der Gemüse-Genossenschaft: „Das ist faktisch nicht möglich.“ Die vier jungen Gärtner, die hier in ihre Zukunft und damit auch in die des Gemüsebaus auf der Insel investieren wollten, haben mit den 49 Eigentümern der 65 betreffenden Grundstücke gesprochen. Stefanie Glönkler und Manuel Uricher berichten, die Reaktionen hätten von völliger Ablehnung bis zu großer Bereitschaft gereicht. Das Problem sei, dass die Grundstücke derer, die dafür bereit wären, sich wie ein Flickenteppich übers Areal verteilten. Glönkler betont: „Wir haben uns das Inntal nicht ausgesucht.“ Dieses ist im Entwicklungskonzept der Gemeinde als mögliche Schwerpunktfläche für den Gewächshausbau eingezeichnet. Und die Gemeinde hatte die Gärtner auch dazu aufgefordert, eine Maximalplanung vorzulegen.

Manuel Uricher würde gerne in einem großen, modernen Gewächshaus auf der Reichenau arbeiten.
Manuel Uricher würde gerne in einem großen, modernen Gewächshaus auf der Reichenau arbeiten. | Bild: Thomas Zoch

Nun will der Bürgermeister alternative Flächen suchen in den Bereichen, die im Entwicklungskonzept als Schwerpunktflächen für den Gewächshausbau ausgewiesen sind – zum Beispiel in Oberzell. Das Problem sei freilich, dass dort schon kleinere Glashäuser stehen, die noch zehn bis 15 Jahre genutzt werden sollen. Man müsse also Lücken suchen, wo größere und modernere Glashäuser in einer betriebswirtschaftlich sinnvollen Größe möglich seien. Er werde zudem mit den betreffenden Eigentümern sprechen. Wobei Glönkler anmerkt, die junge Gärtnergeneration könne nicht noch einmal zehn Jahre warten.

Es habe schon vor zehn Jahren einige junge Gärtner gegeben, die größere, moderne Glashäuser wollten. Diese seien damals von der Gemeinde vertröstet worden, sie sollten warten auf das große Entwicklungskonzept. Sie betont: „Wenn wir jetzt keine Optionen schaffen, kommt nach uns keiner mehr.“ Die Zahl der Gärtner werde sich noch drastischer verringern, womit sich auch das Landschaftsbild verändere.

Zoll und Bliestle betonen, selbst wenn viele Eigentümer im Inntal mitgemacht hätten, hätte es keinen Sinn gehabt, das Projekt angesichts der vielen Projektgegner zu realisieren. Mehr als 1000 Menschen unterschrieben bei der Aktion des in der Nachbarschaft wohnenden Florian Beck. Der Bürgermeister erklärt: „Damit muss man umgehen, eine Win-win-Situation finden.“ Er habe zugleich die Rückmeldung bekommen, dass der Gemüsebau erhalten werden soll. „Ich habe das Gefühl, dass die Leute mehr Verständnis dafür entwickeln, wie die Dinge zusammenhängen.“ Er betont: „Ich möchte keine Denkverbote.“ Er wolle nicht ausschließen, dass im Inntal etwas Kleineres entstehe. Er wolle noch mal mit Eigentümern sprechen. „Ich bin sehr daran interessiert, dass wir eine Lösung auf der Insel finden.“ Die Diskussion, die jetzt breit begonnen habe, müsse zu Ende geführt werden. Dabei geht es der Gemeinde um einen Teilflächennutzungsplan, mit dem die Bebaubarkeit des Außenbereichs über landwirtschaftliche Privilegierungen besser gesteuert werden könnte.

„Wir wollen nicht in Konfrontation treten mit der Bevölkerung“, betont Bliestle. Er finde es schade, dass die vier jungen Gärtner hier angeeckt seien. Schließlich gehe es im Entwicklungskonzept nicht nur um den Gemüsebau, sondern auch um den Tourismus und die Zukunft der Gemeinde. Er bemängelt, dass viele Bürger das übergeordnete Ziel nicht sähen – zum Beispiel, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten viele alte Glashäuser abgebaut werden sollen und welche Bedeutung der Gemüsebau für den Tourismus habe. Bliestle kündigte an, das Landwirtschaftsministerium werde eine Visualisierung bereitstellen, wie die Insel in etwa zwei Jahrzehnten aussehen könnte.
 

Aktion gegen das Projekt

Florian Beck, der Initiator der Unterschriftenaktion gegen die Gewächshauspläne im Inntal, erklärt in einer Stellungnahme: „Wir begrüßen es sehr, dass der Bürgermeister Plan B in Angriff nimmt. Dieser Plan muss sich jedoch gänzlich den jetzigen Bauplänen, einer Bebauung im Inntal, distanzieren. Diese Freilandflächen müssen gefördert und geschützt werden. Es sollte nach dezentralen Lösungen für bestehende Gewächshäuser, die eine Modernisierung und gegebenenfalls die Erweiterung eben dieser beinhalten, gesucht werden. Hierzu fordern wir einen echten Interessenaustausch, an dem nicht nur Bürgermeister und Vertreter der Wirtschaft, sondern alle teilhaben können/müssen.“ Ziel soll eine nachhaltige Strategie für den Gemüsebau sein, die im Einklang mit Bewohnern, Natur, Tourismus und Welterbe stehe. „Falls eine Bebauung des Inntals weiterhin Teil dieser Planung sein sollte, könnte als letztes Mittel die Möglichkeit eines Bürgerentscheids in Erwägung gezogen werden.“ (toz)