Bodenseefisch ist in vielen Restaurants eine beliebte Spezialität der Region. Doch für die Lieferanten, die Berufsfischer, wird es immer schwieriger, für ausreichend Nachschub zu sorgen. Seit 2015 seien die Fangergebnisse stetig rückläufig, berichten der Vorsitzende Stefan Riebel und sein Stellvertreter Werner Keller vom Fischereiverein Untersee und Rhein. Damals konnten sie noch einen Jahresfang von rund 139.400 Kilogramm bilanzieren.

Im Jahr 2019 fingen die aktuell 22 Berufsfischer von der Insel Reichenau und der Höri nur noch 97.735 Kilo, berichtet Keller. Gegenüber dem Vorjahr sei das ein weiterer Rückgang von 7985 Kilo. Wobei Riebel anmerkt, dass sie als Fischer immer den Zehn-Jahres-Schnitt als Maßstab nähmen, weil es natürlich jährliche Schwankungen bei den Fang­ergebnissen gebe. Und der Schnitt von 2009 bis 2018 liege bei 134.490 Kilogramm.

Geringer Fang von Januar bis Mai

Die Berufsfischer sind also Kummer gewöhnt. Und so meint Keller mit sarkastischem Unterton: „Wenn man nichts erwartet, ist man nicht enttäuscht.“ Wobei es gerade bei der wichtigsten und beliebtesten Fischart, dem Felchen, zunächst miserabel ausgesehen habe.

Von Januar bis Mai hatten die Berufsfischer gerade mal 5718 Kilogramm davon gefangen. Aber dann seien von Juni bis zum Beginn der Schonzeit Mitte Oktober über 41.000 Kilo Felchen in den Netzen gelandet, sodass die Fischer mit insgesamt 46.172 Kilogramm im Jahr 2019 nur 2840 Kilo hinter dem Vorjahresergebnis gelegen hätten. „Das hätte man nicht gedacht nach den ersten fünf Monaten“, so Keller.

Klimawandel lässt Wassertemperatur steigen

Erfreulich sei zudem gewesen, dass es bei einigen anderen wichtigen Fischarten, die teurer vermarktet werden können, Zuwächse gegeben habe. So haben die Berufsfischer mehr Aal, Hecht, Zander und Wels gefangen, berichtet Keller.

Fischer Berno Spicker hat einen 1.80 Meter langen Wels gefangen.
Fischer Berno Spicker hat einen 1.80 Meter langen Wels gefangen. | Bild: Darja Wintersig

Wobei der Wels zwar mit 1424 Kilogramm nur einen geringen Anteil am Gesamtfang ausmache. Gegenüber dem Vorjahr sei dies aber ein Plus von 894 Kilo, also 169 Prozent. „Früher hat man gedacht, der Wels sei fast am Aussterben“, so Keller.

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Für die jetzige Zunahme habe man keine Erklärung. Riebel vermutet einen Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die Wassertemperatur steige auch im Untersee. Gerade in diesem Winter habe es ja praktisch kein Eis auf dem See gegeben. Bei einer anderen wichtigen Fischart, dem Barsch oder Kretzer, hatte es vor rund zehn Jahren auch zeitweise sehr schlecht ausgesehen. 2018 habe es ein Zwischenhoch gegeben mit fast 11.300 Kilogramm, berichtet Keller. Nun seien es im Vorjahr immerhin 8010 Kilo gewesen.

Trüsche vom Aussterben bedroht

Ähnlich sehe es bei der edelsten Weißfischart, der Schleie aus. 2018 hätten die Berufsfischer mit gut zehn Tonnen ein Rekordergebnis erreicht, 2019 seien es immerhin noch 8891 Kilogramm gewesen. Offenbar aktuell am Aussterben ist die Trüsche. In früheren Jahren fingen die Berufsfischer einige hundert Kilogramm davon, 2019 waren es gerade noch 36 Kilo. „Diesen Rückgang kann man nicht erklären“, so Riebel. Wobei Keller anmerkt: „Ich als Fischer bin nicht traurig, weil die Trüsche ein riesiger Laichräuber ist.“

Damit die Fänge nicht noch schlechter ausfallen, betreibt der Verein auf der Reichenau seit Jahrzehnten eine eigene Fischbrutanstalt. Vor allem Felcheneier, die die Fischer beim Laichfang im Dezember gewinnen, werden dort ausgebrütet. Und so habe der Verein im Jahr 2019 vom Felchen wieder rund fünf Millionen schwimmfähige Brut sowie circa 25 Millionen angefütterte Brut im See ausgesetzt, berichtet Keller.

Vom Hecht seien es rund 400.000 schwimmfähige und circa 850.000 angefütterte Exemplare gewesen. Zudem habe man über 80.000 Aale in den Untersee und 10.000 Äschen in besondere Gebiete im Seerhein ausgesetzt. Aktuell tummeln sich mehrere Millionen Felchenbabys in großen Becken der Brutanstalt. Der dort beschäftigte Joachim Böhler, nebenbei Kassierer im Verein, füttert die Winzlinge alle zwei Stunden.

120 Kormoran-Brutpaare im Ried

Ihre Bemühungen sehen die Berufsfischer durch die zunehmende Anzahl an Kormoranen konterkariert. Riebel berichtet, dass es im Wollmatinger Ried seit 2018 eine neue Brutkolonie der großen Vögel gebe und die Zahl der Brutpaare im Jahr 2019 von 40 auf 120 gestiegen sei.

Keller berichtet, dass es laut offiziellen Zählungen im vergangenen Jahr am Untersee täglich im Schnitt 721 Kormorane gegeben habe. Wenn man dies multipliziere mit einer täglich verzehrten Fischmenge von im Schnitt 500 Gramm und dies mal 365 nehme, komme man auf 125.950 Kilogramm Fisch, den die Kormorane gefressen hätten – also erheblich mehr, als die Fischer fangen konnten. Riebel berichtet, er habe in Mägen von erlegten Kormoranen schon bis zu 70 kleine Kretzer gefunden.

Nahrungskonkurrent für kleinere Vögel

Der Verein fordert deshalb seit Jahren eine Reduzierung der großen Vögel. Immerhin sei die Ende April auslaufende Erlaubnis zur Vergrämung, also zum Abschuss, um vier Jahre verlängert worden, so Riebel, allerdings wie bisher mit einigen zeitlichen und räumlichen Einschränkungen.

Keller meint, wenn es immer weniger Bodenseefisch gebe, werde Fisch von weit weg hierher transportiert. „Wo ist da die Ökobilanz?“ Und Riebel betont, dass nicht nur der Fischbestand leide. Der Kormoran sei als größter und stärkster Vogel und ohne natürlichen Feind auch ein Nahrungskonkurrent für kleinere Wasservögel.

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