Die Neugestaltung des Yachthafens, die Sanierung des Schlosses Königsegg sowie des Südflügels des Rathauses oder die Umnutzung des Bauhofsgeländes in zentraler Lage für Wohnraum sind nur einige der Großprojekte auf der Insel Reichenau, die die Gemeinde insbesonde aus finanziellen Gründen lange vor sich herschob.

Nun hat der Gemeinderat, wie in einer Bürgerversammlung angekündigt, beschlossen, einen Antrag auf Aufnahme in die Städtebauförderung des Landes zu stellen für das hierfür definierte Sanierungsgebiet Kernort Mittelzell, das sechs Projekte umfasst. Die Laufzeit für die Umsetzung würde zehn bis zwölf Jahre betragen.

Darum geht es im Einzelnen

    Die Burgstraße mit dem Münsterl ist Teil der historischen Zentralachse. Bild: Thomas Zoch
    Die Burgstraße mit dem Münsterl ist Teil der historischen Zentralachse. Bild: Thomas Zoch | Bild: Zoch, Thomas
  • Historische Zentralachse: Planerin Bettina Nocke erklärte im Gemeinderat, für den Antrag müssten bestimmte Regeln eingehalten werden. Der Bürgermeister fügte an, daher sei als übergeordnete städtebauliche Grundidee von einer historischen Zentralachse die Rede, die gestärkt werden solle. Diese war vom Yachthafen bis zur Schiffsanlegestelle gedacht. Letztere habe das Regierungspräsidium als Zuschussstelle aber nicht akzeptiert, weil der Siedlungszusammenhang fehle. Die Achse ende damit beim Schloss Königsegg. Ziel sei aber eine Ertüchtigung der Wege für Fußgänger und Radfahrer, so Zoll. Kosten: noch offen.
  • Erheblicher Sanierungsbedarf: Schloss Königsegg. Bilder: Thomas Zoch
    Erheblicher Sanierungsbedarf: Schloss Königsegg. Bilder: Thomas Zoch | Bild: Zoch, Thomas
  • Schloss Königsegg: Laut Bauamt gibt es erheblichen Sanierungsbedarf im Innen- wie Außenbereich. Dabei geht es auch darum, das Gebäude in Teilbereichen und den Park für die Bevölkerung und den Tourismus zu öffnen. Kostenschätzung: 2 Millionen Euro.
  • Soll zum Feuerwehrhaus verlegt werden: <br />der Bauhof.
    Soll zum Feuerwehrhaus verlegt werden:
    der Bauhof. | Bild: Zoch, Thomas
  • Bauhofareal: Der Bauhof soll ins Gewerbegebiet Tellerhof zum neuen Feuerwehrhaus verlegt werden. Das Areal im Herzen von Mittelzell soll in jedem Fall mit Fördermitteln freigeräumt werden. Geplant ist dort bezahlbarer Wohnraum, wofür auch ein Investor gesucht werden könnte. Außerdem steht im Antrag der Wunsch nach einem Bürger- und Kulturzentrum, das aber aufgrund von unterschiedlichen Ideen im Gemeinderat auch anderswo denkbar wäre. Kostenschätzung: für den Abbruch 1 Million Euro, für das Bürgerhaus 2 Millionen Euro und für den Wohnungsbau 3 Millionen Euro.
  • Alte Sparkasse: Ralf Blum (CDU) regte im Gemeinderat an, auf dem Areal der alten Sparkasse (heute Tourist-Information) ein Bürgerhaus mit Tiefgarage zu bauen. Der Bürgermeister sagte zwar, das Projekt Bürgerhaus sei auch dort denkbar, doch er lehnte eine Aufnahme der alten Sparkasse in den Antrag ab, weil diese noch der Reichenauer Sparkasse gehöre. „Wir kümmern uns um kommunale Projekte.“
  • Soll im Südflügel (rechts) für 2,5 Millionen Euro saniert werden: das Rathaus.
    Soll im Südflügel (rechts) für 2,5 Millionen Euro saniert werden: das Rathaus. | Bild: Zoch, Thomas
  • Rathaus: Nach der derzeit laufenden Sanierung des Westflügels steht die des Südflügels an. Diese hat für den Gemeinderat bei all den Projekten Priorität, auch wenn man sich angesichts viel Diskussionsbedarfs noch nicht auf eine weitere Rangfolge festlegen wollte. Kostenschätzung: 2,5 Millionen Euro.
  • Wird von der Gemeinde für öffentliche Nutzung gekauft: das Haus Burgstraße.
    Wird von der Gemeinde für öffentliche Nutzung gekauft: das Haus Burgstraße. | Bild: Zoch, Thomas
  • Haus Burgstraße: Die Gemeinde kaufe das Haus gegenüber dem Rathaus, in dem der Laden am Kloster sei, den die Eigentümerin aufgeben wolle, so Zoll. Es solle eine öffentliche Nutzung erhalten. Auf Vorschlag von Britta Sauer-Böhm (Freie Wähler) wird das Gebäude neu ins Sanierungsgebiet aufgenommen. Kosten: noch offen.
  • Nur die Sanierung des Sanitärgebäudes (links) ist förderfähig: der Yachthafen.
    Nur die Sanierung des Sanitärgebäudes (links) ist förderfähig: der Yachthafen. | Bild: Zoch, Thomas
  • Yachthafen: Für die Erneuerung der Sanitäranlagen sei eine Förderung aus dem Städtebauprogramm möglich, nicht aber für ein neues Gastronomiegebäude, sagte der Bürgermeister. Außerdem soll das Areal neu gestaltet werden. Auf Nachfrage von Hubert Schmidt (FW) erklärte Karl-Christian Fock von der Landesbank, neue Stege für die öffentliche Fährverbindung als Entree der Insel wären unproblematisch bei der Förderung, nicht aber solche für Privatboote. Kostenschätzung: 5,5 Millionen.
  • Baurenhorn: Für die zunächst geplante Sanierung der Sportanlagen gebe es keine Förderung, so Zoll. Alternativ schlug die Verwaltung eine energetische Sanierung der Inselhalle für geschätzt 4,5 Millionen vor. Auf Antrag von Ralf Blum wurde dies zugunsten des Hauses Burgstraße aus dem Antrag herausgenommen. Zum einen liege es etwas abseits der Zentralachse, zum anderen könne die Gemeinde diese Sanierung schrittweise selbst machen.

Nach groben Schätzungen des Ortsbauamts geht es um ein Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro. Karl-Christian Fock von der Kommunalentwicklungs-Gesellschaft der Landesbank, der die Gemeinde betreut, schränkte ein, dass davon wohl nur etwa ein Drittel förderfähige Kosten wären (mit 60 Prozent Zuschuss).

Doch die Zuschüsse wären natürlich hilfreich für die Hausaufgaben, die sich der Gemeinde ohnehin stellen. Fock betonte aber auch, dass das Förderprogramm vierfach überzeichnet sei, weil zu viele Anträge eingingen. Doch man sollte die Chance nutzen, jetzt noch einen Antrag für 2019 zu stellen, um wenigstens schon einmal auf der Warteliste zu stehen.

Bürgermeister Wolfgang Zoll sagte: „Selbst wenn man es auf zwölf Jahre sieht, ist es eine ambitionierte Sache.“ Das hänge davon ab, wie sich die finanzielle, personelle und politische Lage entwickle. Doch es sei schwieriger, ein Projekt nachträglich aufzunehmen als eines aufzuschieben.

Und Gabriel Henkes (Freie Liste Natur) betonte zudem: „Wir können nicht alle Investitionsmittel in den kommenden Jahren in diesem Bereich verplanen.“