Der dreijährige Finn hatte sichtlich Spaß beim großen Dreierkonzert in der Inselhalle. Vergnügt rutschte er vor der Bühne sehr zur Erheiterung des bestens gelaunten Publikums hin und her oder er tanzte vergnügt zur Musik im Kreis umher. In der ersten Pause schnappte er sich das Euphonium von Papa Florian Glück, Musiker beim Musikverein Allensbach, und versuchte dem Instrument einen Ton zu entlocken. Es brauchte mehrere Versuche, aber schließlich gelang ihm doch ein wohlklingender Ton, was die Zuschauer mit einem anerkennenden Ruf belohnten. "Wenn er will, kann er gerne ein Instrument erlernen, dann kommt Leben in die Bude", erklärte der stolze Papa Florian.

"Das ist ein kleines bisschen Kräftemessen. Aber dafür ist jedem ein Podestplatz sicher", sagte Bürgermeister Wolfgang Zoll bei der Begrüßung. "Der Zusammenhalt wird gepflegt. Das ist, was uns auszeichnet und zeigt die Verbundenheit zur Musik, die Freude daran und diese zu teilen", ergänzte er. Dass die Allensbacher Musiker dabei sind, mache ihn stolz und freue ihn. "Das ist ein schönes Zeichen über den Gnadensee, diese historisch gewachsene Verbindung zu pflegen", erklärte er und vergaß nicht zu erwähnen, dass Dank der Wollmatinger auch eine gute Beziehung nach Konstanz bestehe.

"Das mit dem Kräftemessen sehe ich nicht so, wenn ich es mit dem Fußballspielen vergleiche, wo man gegeneinander antritt", sagte Quirin Kissmehl, Dirigent des Musikvereins Wollmatingen. "Das war ein völlig tolles Erlebnis. Das ist eine super Tradition. Sehr dynamisch. Das ist eine super Zeitspanne, dieses alle zwei Jahre zu veranstalten", sagte er über sein erstes Dreierkonzert in seiner noch jungen Dirigentenkarriere. "Ich bin erschrocken, dass wir 76 Leute auf der Bühne haben", berichtete er.

Da die Bürgermusik ähnlich viele Mitwirkende hatte, und obwohl die Allensbacher zahlenmäßig nicht so stark waren, wäre es für ein gemeinsames Spiel viel zu eng geworden, erläuterte Benedikt Wehrle, Vorsitzender der Bürgermusik. Daher begnügten sich die Vereine, für die abschließende Zugabe der Bürgermusik die Posaunisten der beiden anderen Vereine auf die Bühne zu holen. "Als Symbol", erklärte Kissmehl.

Quirin Kissmehl hatte zu Jahresbeginn das Dirigentenamt übernommen. "Das war ein hoch spannendes Jahr. Ich habe so viel gelernt. Menschlich fühle ich mich angekommen. Wie es musikalisch weitergeht, werden wir zeitnah besprechen. Das ist ein riesen Spagat zwischen symphonischer Blasmusik und Unterhaltungsmusik", berichtete er. "Als die erste Welle der Feste vorbei war, kam der Höhepunkt mit dem Reichenauer Weinfest. Danach hatte ich das Gefühl, dass so etwas tatsächlich machbar ist", erläuterte Kissmehl.

Thomas Umbscheiden, der in Leipferdingen wohnt und in Engen als Schulleiter arbeitet, hat als Dirigent einige Jahre mehr Erfahrung als sein Wollmatinger Kollege. Er hatte zu Jahresbeginn die musikalische Leitung der Bürgermusik übernommen. Aber auch für ihn sei es das erste Dreierkonzert seiner Laufbahn gewesen, erzählte er. "Ganz phantastisch, tolle Atmosphäre, unglaublich abwechslungsreich. Das ist alles dabei gewesen. Der Wetteifer und die Kameradschaft sind wunderbar", schwärmte er.

Auf die Frage, ob er sich angekommen fühle, antwortete Umbscheiden noch zurückhaltend mit "Wir haben gemeinsam ein Probejahr vereinbart" um gleich darauf seine Befangenheit abzulegen: "Ich fühle mich hier recht wohl. Ich habe viel zum hiesigen Brauchtum gelernt. Mein Sohn hatte hier seine Firmung. Ich habe einen Draht hierher entwickelt. Manchmal bin ich fünf Mal in der Woche hier und mache das sehr gerne. Ich habe mich eingelebt und kenne bereits viele Leute beim Namen, auch aus dem Publikum. Es war ein sehr schönes Jahr."

Der Musikverein Allensbach unter Leitung von Harry Kucharz hatte das Programm eröffnet. Mit "The Olympic Spirit" von John Williams, den Fanfaren der Olympischen Sommerspiele in Südkorea im Jahr 1988, gab es gleich zu Beginn einen echten Knaller. Nach drei weiteren Stücken forderte das Publikum die verdiente Zugabe, die es mit der Polka "Böhmische Liebe" von Mathias Rauch auch bekam. Die Wollmatinger durften schließlich um "The Blues Factory" ihr Programm um ein Stück verlängern. Alexander Weltin, Vize-Dirigent der Bürgermusik, erhielt die Ehre, die abschließende zu Zugabe dirigieren.

Der Marsch "Zum Städtele hinaus" von Georg Meissner hinterließ eine so große Erwartungshaltung auf eine weitere Zugabe beim Publikum, dass Weltin mit den Worten "Das war's" das endgültige Konzertende verkünden musste.

Die Dreierkonzerte

Die Bürgermusik Reichenau und die Musikvereine Allensbach und Wollmatingen veranstalten alle zwei Jahre ein gemeinsames Dreierkonzert und wechseln dabei die Aufführungsorte. So muss ein Verein nur alle sechs Jahre den Aufwand stemmen und es bleibt zwischendrin ausreichend Gelegenheit bei einem Konzert ein abendfüllendes Programm selbst zu gestalten. "Musiker hocken gerne zusammen und reden", erklärte Benedikt Wehrle. Vor sechs Jahren habe daher die Bürgermusik den Hock nach dem Konzert eingeführt, da bis dahin alle gleich weggegangen seien. Es habe sich schnell gezeigt, dass sich die Idee bewährt. "Es wurde spät", berichtete anderntags Thomas Völkle, Vorsitzender des Bezirks Bodanrück im Blasmusikverband Hegau-Bodensee und Mitglied des Musikverein Wollmatingen. (nea)

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