Reichenau – Mehrere große Projekte will die Gemeinde nach jahrelanger Diskussion, Planungen und Vorarbeiten im kommenden Jahr nun endlich abschließen: von der Abwasserdruckleitung mit Neugestaltung der Mittelzeller Straße über die Fertigstellung des Feuerwehrgerätehauses, die Rathaussanierung mit Einbau eines Aufzugs sowie den Abschluss und die Neueröffnung des Strandbads bis hin zu Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit wie den Zebrastreifen in Oberzell. Zudem werden im Gewerbegebiet Göldern-Ost die letzten Parzellen vergeben und nach und nach Leben einziehen.

Gleich zu Jahresanfang beginnt die Sanierung des Westteils des Rathauses. Neben Decken und Balken ist ein zentraler Baustein der Einbau eines Aufzugs, der über den Klosterhof zugänglich sein wird. Dann ist das Rathaus endlich barrierefrei zugänglich. Zunächst einmal – voraussichtlich bis Sommer – wird baubedingt der Zugang noch erschwert. Der Haupteingang müsse gesperrt werden, so Bürgermeister Wolfgang Zoll. Besucher müssen dann den Weg über den Klosterhof und die Wendeltreppe im dortigen Türmchen auf sich nehmen. Die Sanierung insgesamt werde wohl das ganze Jahr andauern, so Zoll, wobei man bei einem alten Gebäude wie dem Rathaus nie wisse, ob es böse Überraschungen geben werde.

Gleich nebenan gibt es demnächst die nächste größere Baustelle, wenn die Abwasserdruckleitung vom Seniorenzentrum bis Schloss Königsegg erneuert wird. Verkehrsteilnehmer müssen dadurch mit Behinderungen rechnen, man werde die Straßen – beginnend in der Burg – immer wieder abschnittsweise halbseitig sperren müssen, so Zoll, doch: "Die Befahrbarkeit soll gewährleistet sein. Und wir versuchen, in der Hauptsaison nicht die größten Einschränkungen zu produzieren." Im April soll der Gemeinderat noch entscheiden, wie die Kreuzung bei der Sparkasse künftig verkehrssicherer gestaltet werden könnte. Die Mittelzeller Straße wird neu mit breiterem Gehweg gebaut. Die Gesamtmaßnahme dürfte auch bis Jahresende dauern, schätzt Zoll.

Im Strandbad fehlen noch ein paar Möbel und Details im Innenbereich des neuen Gastronomiegebäudes. Im März sei die Eröffnung des Restaurants mit einem Fest geplant, so der Bürgermeister. Gut 60 Plätze innen und 100 auf der Terrasse werde es geben. Und der neue Pächter sollen ein ebenso breites wie modernes kulinarisches Angebot machen. Der Badebetrieb starte Anfang Mai, dann müssen die Badegäste auch wieder Eintritt bezahlen. Vor dem Abschluss steht ferner das neue Feuerwehrgerätehaus – aber wohl eher in der zweiten Jahreshälfte, schätzt Zoll. Der Carport an der Ostseite werde geschlossen und ein Schlauchturm gebaut. Die Feuerwehr und viele Helfer aus anderen Vereinen werden bereits Ende Juli gefordert sein: Dann findet das Kreisjugendfeuerwehrlager auf der Reichenau statt. Rund 800 Jugendliche werden erwartet, so Zoll. "Das ist ein Riesending, das wird sicherlich viel Energie und Aufmerksamkeit binden."

Weniger Verkehrsbehinderungen als in den vergangenen Jahren soll der weitere Ausbau der B 33 auf Reichenauer Gemarkung verursachen. Bis Jahresende will die Neubauleitung den Abschnitt bis zur Eisenbahnbrücke abschließen. "Dann kommt der Tunnel bei der Waldsiedlung", so der Bürgermeister. Doch das werde (von 2019 bis 2022) nicht so einschränkend sein wie bei der Kindlebildkreuzung. "Der Tunnelbau läuft parallel zur bestehenden Trasse." Ob sich derweil die Nachbesserung auf der Kindlebildbrücke bei der Einmündung des Verkehrs aus Konstanz bewähre, müsse man abwarten. Beim von vielen als zu schmal kritisierten Fuß- und Radweg habe die Neubauleitung zugesagt, die einengende Pflasterung an der Südseite zu entfernen. Wann sie das mache, sei noch offen, so Zoll, sinnvoll wäre vor Saisonbeginn.

Gleich nebenan wird im Gewerbegebiet Göldern-Ost Leben einziehen. "Da wird viel passieren", meint Zoll. Lidl und dm planten die Eröffnung noch vor Ostern. Das neue Nabu-Naturschutzzentrum solle im Herbst fertig sein. Die daneben von der Gemeinde zusammen mit der Integrations-Gesellschaft Indigo geplante Markthalle mit Reichenauer Produkten werde aber wohl erst 2019 kommen. "Wir sind dabei zu schauen, wie wir die Baukosten senken können." Denn nur wenn man ein betriebswirtschaftlich tragfähiges Konzept vorlege, könne man den erhofften Zuschuss von der Aktion Mensch bekommen. Derweil seien in Göldern-Ost fast alle Parzellen vergeben. "Ich gehe davon aus, dass im ersten Quartal 2018 alles verkauft sein wird."

Auch im Bereich Verkehr wird sich einiges verbessern. Bereits seit einigen Wochen fährt der SBG-Bus zwischen Bahnhof und Insel in den Stoßzeiten im Halbstundentakt – bis 2019 auf Kosten der Gemeinde. In Mittelzell soll noch in diesem Jahr der Baubeginn für einen neuen Parkplatz an der Wittigowostraße stattfinden, so Zoll. "Wir wollen das relativ zeitnah umsetzen." Denn der neue Platz sei der zentrale Baustein für ein neues Konzept für den ruhenden Verkehr im Inselzentrum. Im Laufe des Jahres soll auch endlich der Zebrastreifen in Oberzell an der Pirminstraße kommen, und die Radwegführung werde so geändert, dass ein sichereres Queren dieser Straße am Inselanfang möglich werde. Und ferner sollen im ersten Quartal E-Ladestellen in Oberzell aufgestellt werden.

Demnächst dürfte die Urteilsbegründung zum Maurer-Areal vom Verwaltungsgericht kommen, das den Eigentümern das Recht zugesprochen hat, dort Wohn- und Geschäftshäuser zu bauen. Zoll will darüber am 15. Januar im Gemeinderat diskutieren, denn die Gemeinde hätte dort gern ein Hotel. Die Zukunft der Museen soll geklärt werden, weil der Verein die Leitung abgeben möchte. "Wir als Gemeinde müssen in die Verantwortung gehen", ist Zoll klar. Bei der Verwaltung der Häuser sei das weniger schwierig als beim museumsfachlichen Teil. Klarheit solle es geben beim Welterbe-Thema Neugestaltung des Klostergartens. Der Investor habe sich mit dem Denkmalamt geeinigt, so Zoll, die Planung soll im Lauf des Jahres abgeschlossen werden, muss dann freilich noch in der Pfarrgemeinde und dem Gemeinderat diskutiert werden. Und ebenfalls im Laufe des Jahres soll das von der Welterbe-Stiftung initiierte Projekt Beleuchtung des Welterbes (nicht der Kirchen) etwas konkreter werden. Der Stiftungsvorsitzende Karl Wehrle erklärt, ein Studiengang der HTWG Konstanz arbeite an einem Gesamtkonzept, wie das aussehen könnte als Grundlage für weitere Diskussionen.

Auf schöne Konzerte können sich Reichenauer freuen. Das Early Bird mit Rock und Pop ist am 19. Mai geplant, die Inselklassik am 29. Juni, und das ganze Jahre über bietet die Augia-Reihe Konzerte der Kirchenmusik. Grund zu feiern hat der DRK-Ortsverein: im Juli steht das 50-Jahr-Jubiläum an.

2017 im Überblick

  • 20. Januar: Der Inselfotograf Theo Keller stirbt im Alter von 72 Jahren. In vielen Publikationen über die Reichenau sind seine Aufnahmen.
  • Februar: Der Siedler- und Kleingärtnerverein schließt die Sanierung des Siedlerheims ab; es ist das einzige Gasthaus in der Waldsiedlung.
  • 17. März: Spatenstich für den Neubau von Lidl und dm im Gewerbegebiet Göldern-Ost; die Eröffnung war für November geplant; wegen Schwierigkeiten mit dem Untergrund muss die Baumaßnahme mehrere Wochen unterbrochen werden.
  • 1. Mai: Die Gemeinde öffnet das halbfertige neue Strandbad, bei dessen Bau es Verzögerungen gab; das Sanitärgebäude wird erst nach und nach fertig gestellt, die Gastronomie fehlt noch, ein Kiosk bietet Kleinigkeiten. Dafür ist der Eintritt frei.
  • Mai: Die Bund-Ortsgruppe und die evangelische Kirchengemeinde führen das neue Angebot eines E-Carsharings ein.
  • 1. Juni: Vanessa Hurrle ist neue Rechnungsamtsleiterin. Sie folgt auf Tobias Schöll.
  • 10. Juli: Die Neubauleitung Singen gibt bei der Kindlebildbrücke auch die Auffahrt zur neuen Brücke aus Richtung Konstanz frei; damit ist die Kindlebildkreuzung ein kreuzungs- und ampelfreier Knoten; die Brücke war bereits einige Wochen zuvor für den Verkehr von der Insel nach Radolfzell und zum Lindenbühl freigegeben worden. Viele Verkehrsteilnehmer und Gemeinderäte halten schon bald einige Stellen auf der Brücke für schlecht gelöst. Ab Juli bis Jahresende erneuert die Neubauleitung noch den alten Fahrbahnbelag im Kreuzungsbereich und baut den neuen Kindlebildparkplatz.
  • 3. August: Spatenstich in Göldern-Ost für das neue Nabu-Naturschutzzentrum.
  • 15. August: Der Museumsverein feiert das zehnjährige Bestehen der drei Welterbemuseen zur Darstellung der großen Klosterzeit.
  • 15. August: Ein Bootsunfall auf dem Gnadensee vermiest die Feierlaune am Inselfeiertag; beim Zusammenstoß eines Motor- und Segelboots nahe der Nordküste der Insel wird ein fünfjähriger Junge verletzt. Viele Rettungskräfte – auch in Allensbach – sind im Einsatz.
  • Spätsommer: Die DRK-Ortsgruppe startet nach langer Vorbereitung mit den Gruppenstunden des neu gegründeten Jugendrotkreuzes.
  • 6. November: Der Gemeinderat beschließt die Einführung eines Schulsozialarbeiters – zunächst befristet auf zwei Jahre.
  • 8. November: Bei einer Verkehrsschau auf der Kindlebildbrücke sagen Vertreter von Neubauleitung, Straßenverkehrsbehörde und Polizei der Gemeinde ein paar Nachbesserungen für mehr Verkehrssicherheit zu.
  • 12. November: Bürgermeister Wolfgang Zoll wird mit knapp 89 Prozent der Stimmern wiedergewählt; die Wahlbeteiligung lag bei knapp 34 Prozent; Zoll war der einzige Bewerber.
  • 16. November: Gemeinde und Zentrum für Psychiatrie geben den Kunstrasenplatz frei. Darauf haben die Fußballer lange gewartet.
  • 31. Dezember: Mit Werner Keller legt der mit Abstand dienstälteste Gemeinderat nach 42 Jahren aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder; auf ihn wird Karin Blum folgen.