Die Skisaison geht auf die Zielgerade, da wird es Zeit für Horst Linzmeiers zweites Steckenpferd. "Ich sehe mich als Entwickler und Erfinder, das macht mir einfach Spaß", sagt der Mediziner. In Konstanz führt er eine Praxis für Orthopädie, auf der Insel Reichenau wohnt er in einem Haus mit direktem Blick auf den Bodensee. Vielleicht fiel ihm auch dort, beim Beobachten der Wassersportler, die neueste Idee ein: Eine Kombination aus Fahrrad und Stand-Up-Paddelboard (SUP).

Bild: Actri

Es ist ein Sportgeräte-Hybrid, die aus einer bereits zuvor entstandenen Mischung zweier Sportarten hervorgeht. Bereits seit mehreren Sommern paddeln Frauen wie Männer mit den beliebt gewordenen SUPs auf dem See und surfen, ohne Wind oder Wellen zu benötigen.

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"Noch bin ich hier in der Entwicklungsphase, im Bereich eines weit gereiften Prototyps. Es gibt aber erste Anfragen, wann der Treddler zu kaufen ist", erklärt Linzmeier. Als Zielpreis für diese Fahrrad-SUP-Kombination ist bei Marktreife ein niedriger vierstelliger Preis angedacht.

Die Idee entstand durch skifahrende Patienten

Auf dem Markt angelangt ist bereits der erste gefederte Ski. "Da lag die Initiative genau genommen bei meinen Patienten", sagt der 60-jährige Orthopäde. Vor vier Jahren sei das gewesen. Immer wieder seien Ski-Fahrer in seine Praxis gekommen, die sich wegen stark in Mitleidenschaft gezogener Knie oder anderer Beschwerden nicht mehr auf die Piste wagten.

"Patente für Federungen in Ski liegen bereits seit 60 Jahren in den Schubladen der Hersteller", sagt Linzmeier, "umgesetzt hat das aber niemand bisher". Er schon. Nachdem er selbst eine unebene, harte Piste in Lenzerhalde hinabfuhr "und die Schläge bis ins Hirn gespürt habe", erinnert er sich.

Das Versprechen: Weniger Belastung der Gelenke, besserer Halt auf vereisten Pisten

Kurz darauf gründete er das Unternehmen Actri. 40 Prozent weniger Belastung auf die Gelenke verspricht die Federung, die unter der Bindung montiert wird. Außerdem sorge sie dafür, dass Ski-Fahrer eine bessere Kontrolle auf vereisten Pisten behielten, auch wenn sie mit scharfkantigen Modellen unterwegs seien. Horst Linzmeier: "Sie schneiden weniger in den Schnee und man bleibt leichter in der Spur."

Günstig sind die gefederten Ski aber nicht

Die möglichen Vorteile haben einen stolzen Preis: Das Komplettpaket – die Roh-Ski kauft Linzmeier ein – kostet knapp 1700 Euro. Das sind noch einmal mindestens 500 Euro mehr als für marktübliche Top-Ski. "Dafür ist der Verschleiß auch geringer und der Ski damit länger haltbar", verspricht der Reichenauer Arzt und Erfinder.

Federung macht ein Paar etwa 800 Gramm schwerer – das soll man aber nur beim Transport spüren

Die Zielgruppe sei jener Personenkreis, der ihn überhaupt erst auf die Idee gebracht habe: Ski-Fahrer mit Beschwerden. "Im Grunde sind sie aber für jeden geeignet", sagt Linzmeier. Für jeden zumindest, der bereit ist, zusätzlich Geld in sein Hobby zu investieren – und beim Gang zum Lift mehr Gewicht mit sich zu tragen.

"Die 800 Gramm mehr pro Paar durch die Federung aus Flugzeug-Aluminium spürt man dort natürlich", räumt der 60-Jährige ein. Den medizinischen Nutzen seiner Erfindung will sich der Orthopäde durch Studien bestätigen lassen.

Ex-Weltcupsieger Paul Accola ist angetan von Linzmeiers Erfindung

Positiv beurteilt wurde die Entwicklung von der Reichenau bereits, von aktiven Wintersportlern. "Von einem Olympia-Medaillengewinner und Weltcup-Sieger im Alpinski ein Lob zu erhalten war mir schon wichtig." Gemeint ist Paul Accola, der heute 52-jährige Schweizer holte 1992 die Kristallkugel im Gesamtweltcup und Bronze bei den Olympischen Winterspielen in Calgary in der Kombination.

Nach einer Testfahrt nannte Accola den Actri-Ski "Huereguet. Er macht genau, was ich will", wie ein Video auf YouTube zeigt. Auch Skilehrer oder -ausbilder seien laut Linzmeier nach Tests am Rande von Ausstellungen rund um Alpen-Pisten angetan von dem Konzept.

Von der Piste auf den See

Auch beim Treddler, jener Kombination aus Fahrrad und Paddelboot, standen die eigenen Bedürfnisse seines Erfinders im Mittelpunkt. Mit dem Rennrad sei es ihm irgendwann zu riskant geworden auf den Straßen. "Und das Stand-Up-Paddling war mir zu einseitig." Sprach's und ist wenige Monate später quasi radelnd auf dem Bodensee wiederzufinden.

Beim gefederten Ski hört Horst Linzmeiers Erfindergeist nicht auf. Hier ist er mit seiner zweiten Idee zu sehen, dem Treddler, einer Kombination aus Fahrrad und Stand-Up-Paddelboard. Bild: Actri
Beim gefederten Ski hört Horst Linzmeiers Erfindergeist nicht auf. Hier ist er mit seiner zweiten Idee zu sehen, dem Treddler, einer Kombination aus Fahrrad und Stand-Up-Paddelboard. Bild: Actri | Bild: Actri

Bei so vielen Ideen, wann wird der Arztkittel ab- und der dunkle Dreiteiler eines Geschäftsmanns angelegt? Gar nicht, kündigt Linzmeier an. "Actri ist zwar nicht nur ein Hobby, dafür ist der Aufwand zu groß", erklärt er, "aber ein einträgliches Geschäft, um davon leben zu können, ist es auch nicht". Im fortgeschrittenen Alter auf Banken zuzugehen und Geld von Investoren einzusammeln – daran habe er wenig Interesse.

"Mir macht das Tüfteln und Erfinden Spaß, ich bin aber kein geborener Verkäufer oder Marketing-Mensch", räumt Linzmeier ein.