Ein weit überdurchschnittliches Wachstum in allen wichtigen Geschäftsbereichen fürs Jahr 2019 bilanzieren die Direktoren der Bezirkssparkasse Reichenau, Günter Weber und Johann Roth: „Wir haben wirklich ein sehr gutes, erfolgreiches Jahr hinter uns – fast ein Rekordjahr, muss man sagen.

Mehr als 1000 neue Girokonten

2019 war noch mal ein Top obendrauf nach vielen guten Jahren.“ Einen absoluten Rekordwert habe man mit mehr als 1000 bei der Anzahl der neuen Girokonten verzeichnet, so Roth. Er führe das unter anderem darauf zurück, dass man als einzige Bank in der Region noch ein Girokonto online kostenfrei anbiete – und das Onlinebanking werde zunehmend genutzt. Damit führe man nun circa 16.000 Girokonten, davon 14.000 für Privatleute und 2000 Geschäftskonten. Allein an diesen Zahlen lässt sich ablesen, dass die selbstständige Sparkasse längst nicht nur in ihrem Geschäftsgebiet Allensbach und Reichenau Kunden hat.

Auf diesem Grundstück gegenüber von Lidl im Gewerbegebiet Göldern plant die Reichenauer Sparkasse eine neue Filiale mit Büroräumen zur Vermietung auf drei Etagen. | Bild: Zoch, Thomas

Bester Wert im Land bei Kundeneinlagen

Den mit Abstand besten Wert von allen Sparkassen in Baden-Württemberg habe man bei den Kundeneinlagen erreicht, so Roth. Diese seien um elf Prozent oder 72 Millionen und damit noch deutlicher als in den Vorjahren gestiegen. „Das kann damit zusammenhängen, dass wir keine Negativzinsen für unsere Kunden berechnen – auch im gewerblichen Bereich“, meint Roth. Andere Sparkassen in der Region würden dies ab einer bestimmten Größenordnung des Geldbetrags bereits tun.

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Kunden suchen andere Anlagen

Wobei die Kunden der Reichenauer Sparkasse aufgrund der Nullzinsphase auch verstärkt andere Anlagemöglichkeiten wie etwa Aktien zum Beispiel für ihre Altersvorsorge nutzten. Beim Wertpapiergeschäft habe man so ein Plus von 13,7 Prozent verzeichnet, so Roth. Weber merkt an: „Wir sind davon überzeugt, dass die Zinsen niedrig bleiben.“

So soll das neue Gebäude aussehen: Ein Entwurf der neuen Sparkasse im Gebiet Göldern. | Bild: Sparkasse Reichenau

Mehr Kredite auch für Firmen

Und ein kräftiges Wachstum um 9,1 Prozent habe es im Vorjahr zudem im Kreditgeschäft gegeben, berichten Weber und Roth: „Das ist ein super Wert und einer der besten Werte unter allen Sparkassen im Land.“ Der Zuwachs bei den Krediten habe auch damit zu tun, dass immer mehr Firmen im Gewerbegebiet Göldern-Ost bauen und Kunden bei der Reichenauer Sparkasse sind, so Roth. Die Bilanzsumme sei so insgesamt auf knapp 1,3 Milliarden Euro gestiegen. „Wir sind stolz auf dieses Wachstum und unseren Kunden sehr dankbar“, betont Roth.

Mehr Mitarbeiter für die Kunden

Parallel dazu sei auch die Zahl der Mitarbeiter auf rund 140 leicht gestiegen. Wobei man im Vorjahr fünf Auszubildende eingestellt habe, die bei guter Leistung übernommen würden, und auch 2020 plane, Azubis anzustellen, so Roth: „Wir bauen nicht ab, wir wollen weiter wachsen.“ Und ihrer Verantwortung für die Region sei die Sparkasse auch dadurch gerecht geworden, dass sie im Vorjahr wieder die mehr als 100 Vereine aus Allensbach und Reichenau finanziell unterstützt habe. 65.000 Euro habe man ausgeschüttet.

Direktoren loben den Geschäftsmix

Den seit vielen Jahren anhaltenden Erfolgskurs der Reichenauer Sparkasse führen die Direktoren auf einen Mix von Faktoren zurück. Zum einen biete man mit motivierten Mitarbeitern, auf deren stete Fortbildung man Wert lege, tolle, preiswerte Produkte, eine hohe Servicequalität und kompetente Beratung, so Weber und Roth. Das immer stärker genutzte Online-Angebot baue man weiter aus. Dennoch nennt Roth als einen ganz wichtigen Punkt: „Wir wollen keine Direktbank werden. Uns ist Kundennähe richtig wichtig.“

Eine Ansicht von oben, wie die neue Filiale aussehen soll. | Bild: Sparkasse Reichenau

Kein Rückzug aus der Fläche

Deshalb setze man nicht auf Ausdünnung und ziehe sich nicht aus der Fläche zurück, sondern baue im Gegenteil demnächst eine neue Filiale auf gut 300 Quadratmetern in Göldern-Ost. Man wolle damit den Kunden auf dem Festland ein Stück entgegen kommen und natürlich auch weitere Kunden gewinnen. „Wir gehen davon aus, dass wir bald die Baugenehmigung erhalten und Mitte Februar den Spatenstich machen können“, so Roth. Um keine bösen Überraschungen beim Bau zu erleben, habe man den schwierigen Baugrund gründlich untersuchen lassen und werde eine Pfahlgründung unter der Bodenplatte machen.

Neue Filiale im kommenden Jahr

Mit der Fertigstellung und dem Bezug rechne man im Februar oder März 2021, so Roth. Die Gesamtkosten beziffert er mit rund 6,5 Millionen Euro, was die Sparkasse aus Eigenmitteln finanzieren könne. „Damit hatten wir kalkuliert. Und so, wie es aussieht, werden wir das einhalten können.“ Einen kleinen Teil des Erdgeschosses sowie beide Obergeschosse werde man als Büroräume vermieten. Hierfür gebe es schon einige Interessenten. Mit dem Neubau in Göldern könnte sich allerdings auch die Frage nach der Zukunft der Filiale in der Waldsiedlung stellen.

Schließung anderer Filiale ist nicht geplant

Bisher gebe es keine Pläne, diese zu schließen, versichert Weber: „Es ist offen, was passiert. Aber wir werden das mit Sicherheit überprüfen müssen. Das ist auch unser Job als Geschäftsführung.“ Das hänge letztlich davon ab, wie stark die neue Filiale auch von Kunden aus der Waldsiedlung genutzt werde. Der Neubau werde natürlich eine bessere Ausstattung bieten.