Am Ende hat sich die Beharrlichkeit der Reichenauer Bürger gelohnt. Knapp eineinhalb Stunden lang mussten die Anwohner im Gemeinderat ausharren, ehe ihr Anliegen auf die Tagesordnung kam – und letztlich ihrem Wunsch entsprochen wurde.

Die Fährverbindung ins schweizerische Ermatingen wird so schnell nicht kommen, schon gar nicht an dem zuletzt vorgesehenen Ort, auf dem Gemeindevorland in Verlängerung der Straße „In der Abtswiese“ in Oberzell.

Schon vor Beginn der Sitzung war der Saal brechend voll, was wohl den einen oder anderen Gemeinderat überrascht haben dürfte, denn grundsätzlich sei die Fährverbindung mit dem historischen Hintergrund eine „charmante Idee“, wie nicht nur Ralf Blum (CDU) anmerkte. Er ergänzte jedoch: „So etwas kann man nicht gegen die Bürger machen.“

Letztlich waren die Bedenken durch alle Fraktionen hindurch zu groß, sodass Bürgermeister Wolfgang Zoll seinen Antrag zurückzog, den Untersee-Schiffsbetrieb für die Saison 2019 auf Probe zuzulassen. Die Frage ist nun: Wie geht es weiter?

  • Der Anlegeplatz: Der neuartige Schiffstyp für bis zu neun Personen verfügt über eine Bugklappe, sodass ein Steg nicht notwendig sei und die Fähre nahezu an jeder Stelle der Insel anlegen könne, heißt es in der Vorlage. In der Theorie mag dies stimmen, doch in der Praxis scheint es derzeit nahezu nirgendwo möglich zu sein. Die erste Idee im Bereich des Pumpenhauses in Oberzell wurde nach einer Fülle an Bedenken bereits verworfen, so wie nun auch die Alternative, die als privater Badeplatz genutzt wird und an der keinerlei Infrastruktur vorhanden ist. „Der direkte Zugang zum Ufer ist dort ohne Überschreitung von Privatgrund nicht möglich“, sagte ein Reichenauer im Namen der Anwohner. „Es ist viel zu wenig Platz vorhanden. Wie das da unten klappen soll, ist uns unklar.“ Ralf Blum brachte das Maurershorn als Alternative ins Gespräch, ebenso den Kirchensteg bei St. Georg.
  • Die Finanzen: Kosten entstünden der Gemeinde nur durch das Freischneiden von Sträuchern, doch wie sieht es mit einem künftigen Gewinn aus? Auch er sei „grundsätzlich dafür“, erklärte Matthias Graf (CDU), doch stellte er die Frage nach dem finanziellen Nutzen. „Wir bieten die Infrastruktur, aber die Einnahmen gehen an einen Betrieb in der Schweiz.“ Gabriel Henkes (Freie Liste Natur) sieht es ähnlich. „Ich würde mich schwertun mit einem Betreiber, der jetzt schon den Fahrplan im Internet angibt“, sagte er, „über den Tisch ziehen lassen müssen wir uns nicht.“
  • Die Solarfähre: Die Bootsverbindung zwischen der Reichenau und der Schweiz gebe es bereits, merkte Ines Happle-Lung (Freie Liste Natur) an. „Die Gemeinde sollte ihre Energie besser für die Solarfähre aufwenden, zumal sie klimaneutral ist“, sagte sie. „Wir sollten das fördern, was wir schon haben.“ Die Solarfähre allerdings fährt von der Schiffsanlegestelle nach Mannenbach, während die neue Fähre nach Oberzell fahren würde.
  • Der weitere Fahrplan: „Ich halte es für sinnvoll, dass dieser Bootstyp sich auf dem Untersee etabliert“, sagte Bürgermeister Zoll, der einen guten Ansatz darin sieht, „das Wassererleben und Seeerleben zu stärken. Wir können das aber nicht tun, wenn der Widerstand so groß ist.“ Er begrüße grundsätzlich die Fährverbindung nach Ermatingen. Nun soll geklärt werden, wie für diese die vorhandene Infrastruktur genutzt werden kann. Mit dem Verkehrsverein sowie mit dem Betreiber der Fähre soll nochmals gesprochen werden, auch in Bezug auf eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde. Anschließend wird es einen Vororttermin geben. Zehn Gemeinderäte stimmten dem zu, vier dagegen.
  • Die Fährverbindung: Der Schweizer Emil Bügler will mit seinem kleinen Unterseeschiffsbetrieb von Ostern bis Mitte Oktober eine regelmäßige Personenfährverbindung einrichten mit einem zirka 8,5 Meter langen Motorboot zwischen dem schweizerischen Ermatingen und der Insel Reichenau. Er plant zunächst stündliche Fahrten, möglichst auch als Anschluss an Kursschiffe, die in Ermatingen anlegen. Die Verbindung Ermatingen – Oberzell hat einen historischen Hintergrund. Es gab wohl schon im Jahr 1632 einen Fährbetrieb zwischen dem Reichenauer Kloster und der Schweiz. Karl Wehrle sagt beim Blick ins Archiv, dass es vermutlich bis zum Ersten Weltkrieg eine Linie gab.