Reichenauer, insbesondere jene, die Seegrundstücke besitzen, hadern seit jeher mit den Umweltschützern – und umgekehrt. Ärgerlich für einen Reichenauer wird es dann, wenn jemand, der sich für den Erhalt der Natur einsetzen müsste, Bäume fällen lässt. Der Frust steigt dann noch einmal zusätzlich an, wenn sie diesem gar nicht gehören.

So ging es Heito Huber. Er ist Miteigentümer eines 1200 Quadratmeter großen Grundstückes, das schräg gegenüber der Ruine Schopflen liegt. Von der öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform ist ein schöner Rundumblick über den Untersee möglich. Von dort beobachtet der Naturschutzbund auch die Vögel für das sogenannte Monitoring, also das Erfassen von Beständen.

Wenn statt stattlicher Bäume nur noch Stümpfe dastehen

Der gelernte Schreiner arbeitet bei einem Holzbaubetrieb in Allensbach. Um dorthin zu gelangen, nutzt er immer die Schiffsverbindung zwischen der Insel und dem Festland. Erst sonntags fährt er über den Damm, wenn er mit seinem Fahrrad unterwegs ist. Als er bei einer seiner Touren am Grundstück vorbei kam, staunte er nicht schlecht.

Dort fehlten drei stattliche Bäume. Drei Silberpappeln seien es gewesen, sagt Huber. Finden konnte er lediglich die drei Stümpfe, keine Stämme, keine Äste, schlichtweg nichts. Und er fand noch weitere Stümpfe von acht kleineren Bäumen, die bis vor kurzem dort wuchsen.

Der Stumpf der größten Silberpappel.
Der Stumpf der größten Silberpappel. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Zornig wie er war, erstattete er am darauffolgenden Montag Anzeige beim zuständigen Polizeiposten in Allensbach. Einige Tage später sei dann plötzlich Eberhard Klein daheim vor der Tür gestanden. Der Leiter des Bodenseezentrums beim Naturschutzbund (Nabu) habe ihm mitgeteilt, dass er die Fällung verlasst habe, weil die Sicht auf die Wasservögel beeinträchtigt war.

Etwas, wofür Huber wenig Verständnis aufbringt. Außerdem habe ihm Klein keine schriftliche Genehmigung vorweisen können. Dass er diese mündlich von der Oberen Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium Freiburg erhalten habe, glaube er ihm nicht, erklärt Huber.

„Ich habe einen doofen Fehler gemacht“

Und dazu kommt noch der Eingriff in fremdes Eigentum. Im Telefonat mit dem SÜDKURIER bedauert Eberhard Klein den Vorfall nachdrücklich. „Ich habe einen doofen Fehler gemacht und übersehen, dass es sich um ein Privatgrundstück handelt“, betont er.

Eberhard Klein, Leiter des NABU-Bodenseezentrums
Eberhard Klein, Leiter des NABU-Bodenseezentrums | Bild: Marinovic, Laura

Die Straßenmeisterei habe in diesen Tagen ihre turnusmäßigen Pflegearbeiten auf dem Damm ausgeführt. „Ich habe diese im Rahmen der Amtshilfe um Unterstützung gebeten“, ergänzt Klein.

Dass er sich mit der Oberen Naturschutzbehörde abstimmt habe, bekräftigt Klein nachdrücklich. Es sein kein formaler Befreiungsantrag gestellt worden. Die Fällungen seien wie üblich außerhalb der Vogelbrutzeit erfolgt.

„Die Bäume waren alle kernfaul“

„Die Bäume waren alle kernfaul, weil sie im Wasser standen“, erläutert er. Damit habe er Huber unbewusst einen Gefallen getan. Wegen deren Größe hätte es irgendwann die Verkehrssicherungspflicht geboten, die Bäume zu fällen.

Nur noch drei Stümpfe sind von den Silberpappeln zu sehen, die das Grundstück von Heito Huber zierten. Im Hintergrund ist die Ruine Schopflen zu erkennen.
Nur noch drei Stümpfe sind von den Silberpappeln zu sehen, die das Grundstück von Heito Huber zierten. Im Hintergrund ist die Ruine Schopflen zu erkennen. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Dass auch acht kleinere weichen mussten, erklärt Klein so: „Weil auch sie allmählich in den Sichtbereich wuchsen.“ Bereits früher seien wegen des Monitorings einige Alleepappeln beschnitten worden, ergänzt der Leiter des Bodenseezentrums.

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Dass irgendetwas mit der Fällaktion nicht stimmte, wurde Klein klar, als ihn jemand von der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt als zuständigen Gebietsbetreuer anrief. „Ich hätte das auch abwarten können. Aber auf diese Ebene wollte ich mich nicht runter begeben. Das wäre kein guter Umgang“, betont Klein.

Der Nabu pflanzt Ersatz

Er habe sich dann gleich bei Heito Huber gemeldet. Beide hätten sich darauf geeinigt, dass der Nabu einen Ersatzbaum pflanzt. „Es handelt sich um eine Schwarzpappel. Sie ist typisch für hier, aber mittlerweile sehr, sehr selten“, erklärt Klein.

Das Bäumchen steht inzwischen. „Ich habe die Anzeige gestoppt“, berichtet Huber. Daher zeigt sich Klein erstaunt, dass Huber das Geschehen in einer Gemeinderatssitzung öffentlich gemacht hat. Mit Heito Huber wolle er noch einmal reden, denn schließlich sei dem Nabu ein gutes Verhältnis zu den Reichenauern wichtig.