Noch denken wohl nicht viele bereits an die nächste Fasnacht. Auf der Insel Reichenau ist das anders. Denn 2019 feiert der Narrenverein Grundel sein 125-jähriges Bestehen. Vom 8. bis 10. Februar soll das Gewerbegebiet Tellerhof zum Narrendorf werden, wobei auch am traditionellen Grundel-Festplatz Ergat etwas geboten werden soll. Der große Narrentag der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee (NVHB) findet aus diesem Anlass erstmals seit 1994 auf der Reichenau statt.

Ein Höhepunkt dürfte der große Jubiläumsumzug am Sonntag, 10. Februar, werden, zu dem die Reichenauer Grundel cirka 70 Vereine, Zünfte und Gruppen mit rund 5000 Hästrägern erwarten. Das SWR-Fernsehen hat sich für eine Übertragung des Narrenspektakels angekündigt.

Vorarbeiten für das närrische Großereignis laufen bereits

Im Elferrat und bei Präsident Berndt Wagner und Fasnachtsbetriebsleiter Ralf Blum steht das Thema heute schon auf der Tagesordnung. Immerhin erwarten sie weit mehr Besucher, als die Insel Bewohner hat. Um diese unterbringen zu können, habe man das Gewerbegebiet Tellerhof zwischen Ober- und Mittelzell gewählt, so Blum. „Die Gewerbestraße wird dann umgetauft in Grundel-Boulevard.“

Gut gelaunt trotz mächtig viel Arbeit fürs Jubiläum: Die Reichenauer Elferräte (von links) Johannes Hafner, Karl Wehrle, Matthias Graf, Ralf Blum und Berndt Wagner.
Gut gelaunt trotz mächtig viel Arbeit fürs Jubiläum: Die Reichenauer Elferräte (von links) Johannes Hafner, Karl Wehrle, Matthias Graf, Ralf Blum und Berndt Wagner. | Bild: Zoch, Thomas

Zwei Zelte für die 5000 Besucher – und viele Vereine machen mit

Auf einer Wiese gegenüber dem Markant-Supermarkt werde man ein 55 mal 31 Meter großes Zelt aufbauen, in das cirka 2500 Leute passen. Dankenswerterweise hätten sich die meisten Vereine, die beim Weinfest mitmachen, bereit erklärt, im Zelt Essens- und Getränkestände zu betreuen, berichtet Blum. „Das ist also ein Weinfest mit Überdachung. Allein könnten wir so ein Zelt nicht stemmen.“

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Daneben stelle der Fanfarenzug noch ein 25 mal 25 Meter großes Partyzelt auf für weitere 1000 Narren. Zusätzlich wollen die Grundel auf dem traditionellen Festplatz Ergat ein paar Stände aufbauen. Bei den Umzügen solle dort das Zentrum für Zuschauer sein. Besenwirtschaften darf es natürlich zudem geben. Und: „Wir zählen auch auf unsere Gastronomie“, so Blum.

Das Programm:Von Nachtumzug bis SWR-Übertragung

Los geht das Jubiläumsspektakel am Freitag, 8. Februar, mit einem Nachtumzug. Aktuell seien 34 Gruppen mit knapp 2000 Hästrägern angemeldet, so der Präsident. Er erwarte aber noch mehr Teilnehmer.

Am Samstag werde nachmittags der Narrenbaum aufgestellt mit befreundeten Zünften. Ab 20 Uhr sei im Zelt ein Jubiläumsabend mit närrischen Größen aus der Region geplant. Neben einer Jubiläumslaudatio soll es eher weniger Sprechnummern, sondern vor allem Musik und Tanzeinlagen geben.

Anders als sonst bei den Narrentagen der NVHB, plane man am Sonntag zudem parallel zum Zunftmeisterempfang, der voraussichtlich um 10.30 Uhr im Kapitelsaal für geladene Gäste stattfindet, einen musikalischen Frühschoppen im Festzelt, erklärt Wagner. Dies in der Hoffnung, dass Besucher früher auf die Insel kommen, was zum einen Einnahmen bringen und zum anderen den Verkehr entlasten soll, wenn nicht alle gleichzeitig zum Jubiläumsumzug anreisen, so Blum. Es gebe einen Nachtumzug und dann am Sonntag über 2,2 Kilometer den großen Umzug, bei dem der SWR übertragen wolle.

Logistik und Zelte kosten viel Geld – Sponsoren sind willkommen

Elfer Karl Wehrle erklärt: „Das ist für uns ein Kraftakt, der grenzwertig ist – sowohl finanziell wie personell.“ Doch Blum erläutert, dieser Aufwand sei nötig, weil der Verein, anders als beim 100-Jahr-Jubiläum 1994, diesmal nicht die Vermarktungshalle der Gemüse-Genossenschaft nutzen könne. Das gehe ins Geld, allein für das große Zelt ohne Inhalt zahle der Verein rund 20.000 Euro. Insgesamt schätze er die Kosten auf 70.000 Euro.

Blum sagt daher klar: „Sponsoren sind herzlich willkommen.“ Und Elfer Matthias Graf fügt an: „Wir hoffen auf die Unterstützung der Bevölkerung.“ Denn der Narrenverein selbst, so Blum, habe nur 40 bis 50 Aktive und Senioren, der Fanfarenzug eine personelle Stärke ebenfalls in dieser Größenordnung. Wehrle sagt: „Wir werden einen Aufruf machen, dass jeder Helfer willkommen ist.“ Grundel-Präsident Berndt Wagner meint schmunzelnd: „Zum einen brauchen wir die Reichenauer vor der Theke und zum anderen hinter der Theke. Aber es soll ja auch für die ganze Bürgerschaft ein Ereignis sein.“