Im Jahr 819 stand das Benediktinerkloster auf der Insel Reichenau am Anfang seiner Blütezeit. Und es ging um eine Klosterreform, als hier damals der so genannte St. Galler Klosterplan entworfen wurde, so der Historiker Helmut Fidler vom Tourismusverein Regio Konstanz-Bodensee-Hegau. Der Plan, der heute als älteste Architekturzeichnung Europas gilt, stellte das Ideal eines autarken Klosters dar.

Wenigstens Teile davon seien in St. Gallen und auch auf der Reichenau baulich umgesetzt worden, meint Fidler. Und seit 2013 gibt es das Projekt Campus Galli in der Nähe von Meßkirch. Handwerker und Ehrenamtliche versuchen dort, basierend auf dem Plan mit Methoden des neunten Jahrhunderts als Experiment ein solches Kloster aufzubauen. Immerhin rund 90.000 Besucher soll es dort bereits jährlich geben.

Mit einer inszenierten Wanderung wollen Touristiker aus Meßkirch und das Unternehmen Campus Galli Tours das Projekt bewerben. Als Wandermönch Bruder Angus ist der Schauspieler Michael Skuppin mit einigen Gefolgsleuten seit rund einer Woche unterwegs auf Marketingtour vom Campus Galli nach St. Gallen, wobei sich von Ort zu Ort noch einige Wanderer anschließen.

Am Samstag war mit der Insel Reichenau der Ursprungsort des Klosterplans Station. Fidler führte die Gruppe durchs Münster, die St. Georgs-Kirche und das Museum. Hier habe er den Klosterplan bekommen, mit dem er nun nach St. Gallen weiterziehe, um den Abt zu bitten, diesen kopieren zu dürfen, sagte Skuppin seiner Rolle gemäß. Von der Reichenau ging es im historischen Fischerboot Kathry weiter nach Ermatingen. Mit an Bord war Wolfgang Starke aus Konstanz.

Bruder Angus und der Wolf vom See (Wolfgang Starke) setzten von der Reichenau nach Ermatingen über. Der Historiker Helmut Fidler (von links) hatte ihnen auf der nsel den St. Galler Klosterplan erklärt und ausgehändigt.
Bruder Angus und der Wolf vom See (Wolfgang Starke) setzten von der Reichenau nach Ermatingen über. Der Historiker Helmut Fidler (von links) hatte ihnen auf der Insel den St. Galler Klosterplan erklärt und ausgehändigt. | Bild: Zoch, Thomas

Ziel sei, das Thema Kirchen und Klöster vor allem des Mittelalters für ein größeres Publikum interessanter und erlebbar zu machen, so Skuppin und Fidler. Fidler sagte, diese Tour komme ein Jahr zu früh, weil 2019 das 1200-Jahr-Jubiläum des Klosterplans begangen werden solle. In St. Gallen wolle man dann den Originalplan präsentieren.