Wieder eine Änderung in der Reichenauer Nahversorgung: Böhler Gemüse und Pflanzen in Niederzell auf der Insel wird es bald nicht mehr in der gewohnten Form geben. Der große Hofladen mit einem breiten Sortiment an Gemüse, Obst, Lebensmitteln aus der Region sowie vor allem Blumen und Pflanzen werde im Laufe des Sommers aufgelöst, erklärt Geschäftsführerin Silvia Zeiler.

Sie selbst wolle sich mehr ihrer Familie mit zwei kleinen Kindern widmen, das lasse sich zeitlich nicht vereinbaren. Und sonst gebe es keinen Nachfolger im Verkaufsgeschäft für ihre Eltern Hildegard und Egino Böhler, die bereits im Rentenalter seien. Ihre Schwester Birgit sei der Liebe wegen weggezogen.

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Veränderung statt Schließung

Für die Geschäftsleitung jemand von außerhalb der Familie zu suchen, sei zwar kurzzeitig angedacht gewesen, doch es habe keine Lösung gegeben, so Zeiler. Ihr Bruder Matthias Böhler werde aber die Gemüseproduktion weiterführen, und von diesen eigenen Produkten werde die Familie dann einen Teil als Selbstvermarkter an einem Selbstbedienungsstand im Vorraum des Ladens anbieten. „Im Moment ist das für uns die beste Lösung.“

Von einer Schließung des Ladens will Zeiler deshalb nicht reden. „Wir verändern uns, es wird kleiner. Und im Moment sind wir in der Übergangsphase.“ Das Sortiment werde nach und nach reduziert, indem keine neue Ware nachbestellt werde. Und die Öffnungszeiten seien bereits gekürzt, sonn- und montags geschlossen.

Eine große Auswahl an Blumen und Pflanzen wird es bald nicht mehr geben bei Böhler Gemüse und Pflanzen auf der Reichenau. Die Verkaufsglashäuser sollen dann für die eigene Gemüseproduktion genutzt werden.
Eine große Auswahl an Blumen und Pflanzen wird es bald nicht mehr geben bei Böhler Gemüse und Pflanzen auf der Reichenau. Die Verkaufsglashäuser sollen dann für die eigene Gemüseproduktion genutzt werden. | Bild: Zoch, Thomas

„Wir wissen noch nicht konkret, wie das aussehen wird“

Außerhalb der Öffnungszeiten gebe es aber bereits jetzt den Selbstbedienungsstand im Vorraum, denn diesen sehe sie in der Testphase. „Wir wissen noch nicht konkret, wie das aussehen wird“, erklärt sie dazu, wie die Kunden auf das kleinere Sortiment reagieren. In Stoßzeiten sei auch denkbar, dass jemand für den Verkauf anwesend sei.

Zudem plane sie im kommenden Jahr, Gemüsejungpflanzen wie Salate, Gurken, Tomaten oder Zucchini in der Pflanzsaison von Ende April bis Mitte Mai anzubieten. Aber die bisher als Ausstellungsfläche genutzten Glashäuser beim Geschäft werde ihr Bruder nach und nach für die Gemüseproduktion nutzen.

Hofladen bereits in dritter Generation

Den Hofladen in der jetzigen Form betreibt die Familie Böhler seit dem Jahr 2005. In Spitzenzeiten seien bis zu acht Mitarbeiter in Vollzeit sowie zehn Teilzeit- und Saisonkräfte beschäftigt gewesen, erklärt Silvia Zeiler. „Jetzt kehren wir zurück zu den Wurzeln“, sagt sie.

Ihre Oma habe in den 1950er-Jahren in einer Garage damit begonnen, Gemüse aus der eigenen Produktion anzubieten. Dies hätten ihre Eltern ab den 1990er-Jahren stetig weiterentwickelt. Damals sei in einem Produktionsgewächshaus eine Fläche von 80 Quadratmetern für den Verkauf umgebaut und eingerichtet und das Sortiment schon etwas erweitert worden.

Silvia Zeiler hält hier eine Amaryllis in der Hand, rechts sind Alpenveilchen zu sehen.
Silvia Zeiler hält hier eine Amaryllis in der Hand, rechts sind Alpenveilchen zu sehen. | Bild: Zoch, Thomas

Unterschiedliche Rückmeldungen erhalten

Von Kunden habe sie unterschiedliche Rückmeldungen auf die Entscheidung bekommen, berichtet Silvia Zeiler. Diese schwankten zwischen großem Bedauern bis hin zur Aussage, dass die Kunden künftig nicht mehr kommen wollten. Wie das Ehepaar Rühle mit Sankt Galler Autokennzeichen: „Das ist sehr bedauerlich. Wir sind einmal in der Woche gekommen. Das Angebot ist immer super“, sagt der Ehemann im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

Er und seine Frau wollten aber testen, ob der Selbstbedienungsstand für ihre Versorgung ausreiche. Auch das Ehepaar Rentsch aus dem Thurgau kam nicht nur wegen Gemüse aus eigener Produktion. „Es ist sehr schade. Die Vielfalt hat es ausgemacht“, meinte er. Er und seine Frau hätten stöbern können. „Das hat Spaß gemacht“, meinte sie.