Im Foyer der Inselhalle war erst einmal Fieber messen angesagt, sonst durfte man nicht hinein. Auch für den Reporter des SÜDKURIER, der deutlich unter 37 Grad blieb.

Nicole Peter, Bereitschaftsleiterin des Reichenauer Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), hielt bei der Blutspendeaktion den Spendewilligen ein Laserthermometer vor die Stirn – selbst mit Mundschutzmaske und Schutzschildhelm abgesichert gegen eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus, weil sie nah an die Spender heran musste. Nur zwei Freiwillige habe sie wegen erhöhter Temperatur wieder wegschicken müssen, so ihre Bilanz.

42 Erstspender sind dabei

182 Blutspender habe man am Ende registriert, so Peter. „Das ist eine sehr gute Zahl. Wir sind sehr zufrieden.“ Angesichts der Krisenumstände, denn sonst wäre die Zahl eher durchschnittlich, meinte sie. Erstaunlich hoch gewesen sei jedoch mit 42 die Zahl der Erstspender, berichtete Peter.

„Wir waren uns nicht sicher, ob viele kommen, wegen der Krise.“ Nicole Peter vom DRK Reichenau.
„Wir waren uns nicht sicher, ob viele kommen, wegen der Krise.“ Nicole Peter vom DRK Reichenau. | Bild: Thomas Zoch

Sonst gebe es davon auf der Reichenau zwischen zehn und zwanzig bei den zweimal jährlich abgehaltenen Blutspendeaktionen. „Wir waren uns nicht sicher, ob viele kommen, wegen der Krise.“ Aber das DRK habe schließlich die Aktion mit allen Vorsichtsmaßnahmen gemacht, weil Blutspenden einfach gebraucht werden, so Peter.

Ein Zeichen der Solidarität

Sie habe den Eindruck, dass die recht große Zahl der Spender ein Zeichen der Solidarität in der Krise sei, so die Bereitschaftsleiterin. „Die meisten waren positiv gestimmt“, berichtete Peter. Und hätten es gut gefunden, dass das Blutspenden trotz Corona nicht vernachlässigt werde und so viele sich trauen.

„Die meisten waren rücksichtsvoll und verständnisvoll.“ Die empfohlenen Sicherheitsabstände seien im Allgemeinen gewahrt worden. Und: „Viele haben gesagt, ich sitze sowieso zu Hause rum. Da kann ich auch hier warten“, so Peter.

Bürgermeister ist beeindruckt

Bürgermeister Wolfgang Zoll hat selbst auch Blut gespendet. „Ich war beeindruckt und fand es toll, wie viel Leute gekommen sind.“ Er sei – natürlich mit Abstand – neben einem Mann mittleren Alters gelegen, der zum ersten Mal Blut gespendet habe. Er habe gesagt, dass er beim Spazierengehen an der Halle vorbei gekommen sei und sich spontan entschlossen habe, weil er helfen wolle.

Zoll sagte: „Ich denke, viele haben sich aufgrund der jetzigen Situation entschlossen.“ Im Vorfeld sei er skeptisch gewesen, ob viele Leute kommen würden, ob die Angst oder die Hilfsbereitschaft größer sei. Er habe auch mit dem DRK gesprochen, ob die Aktion überhaupt stattfinden könne, aber es sei ja alles durch Schutzmaßnahmen gut abgesichert gewesen. Denn nicht nur Fieber messen vor dem Einlass in die Halle und die vielen Erstspender – auch sonst war angesichts der Corona-Krise manches anders dieses Mal.

Aktion bis 21 Uhr verlängert

Schon um 14 Uhr, zu Beginn der Aktion, bildete sich eine Schlange von Spendewilligen vor der Halle. Man habe immer nur fünf Leute gleichzeitig hineinlassen dürfen ins Foyer und zur Anmeldung, die diesmal auf der Bühne der Halle und nicht bei der Garderobe stattfand, erklärte Peter. Dabei habe es wegen der vielen Erstspender zudem Verzögerungen gegeben. Diese mussten zusätzliche Fragebögen ausfüllen.

Wegen des großen Andrangs gleich zu Beginn habe man schließlich die Wartenden in die Aula der Schule nebenan geschickt, damit sie nicht in der Kälte stehen mussten. Doch letztlich habe dieser Stau zum Auftakt dazu geführt, dass die Aktion nicht um 19.30 Uhr beendet war, sondern bis 21 Uhr verlängert wurde, so Nicole Peter, die am Ende auf die Frage, wie es ihr gehe, lächelnd meinte: „Alles gut. Kaputt.“ Und das DRK danke allen Spendern – auch für ihr Verständnis wegen der Wartezeit.

„Wir trotzen dem Virus„

Zwei, die gleich zu Beginn in der Warteschlange standen, waren der langjährige Spender Marc Schmidt-Ströbele aus der Waldsiedlung und der Allensbacher Rekordspender Martin Motz, der bereits zum 173. Mal einen halben Liter seines Blutes opferte, um anderen zu helfen. Er sei eine halbe Stunde vor der Halle gestanden, berichtete Motz.

Und insgesamt habe das Blutspenden diesmal länger gedauert als sonst. Aber das sei ihm vorher schon bewusst gewesen. Und er finde es toll, dass es den Termin überhaupt gegeben habe und dass so viele Freiwillige in der Kälte draußen ausharrten.

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Zum Thema Coronavirus meinte Motz: „Es wäre ein größerer Schaden, wenn kein Blut da ist.“ Er habe viele neue, junge Gesichter gesehen, bestätigte der 58-Jährige. Und: „Das Solidaritätsgefühl hat man gespürt“, sagte Martin Motz. Viele hätten sich wohl gedacht: „Jetzt erst recht. Wir trotzen dem Virus.“

Gegen dieses könne man sich ja durch Vorsicht schützen, Bedenken habe er deshalb keine gehabt. „Bevor ich mich bei so etwas infiziere, habe ich mir das Virus vielleicht schon woanders geholt.“

In diesen Zeiten „besonders wichtig“

Ähnlich äußerte sich Marc Schmidt-Ströbele, der wie Motz bereits seit seinem 18. Lebensjahr regelmäßig Blut spendet. „Ich persönlich hatte keine Bedenken. Einkaufen muss ich auch. Das muss halt sein, das gehört dazu.“ Und: „Ich habe mir gesagt, in diesen Zeiten ist es besonders wichtig, weil vielleicht manche nicht gehen, weil sie Angst haben.“

Er vermute, dies sei auch anderen so ergangen und deshalb seien so viele gekommen. „Vielleicht war auch mancher froh, mal wieder Kontakt zu Menschen zu haben.“ Freilich mit dem gebotenen Sicherheitsabstand. Die Atmosphäre habe er schon als etwas angespannter als sonst empfunden, sagte der 46-Jährige. Seine zwei kleinen Kinder, die sonst am Maltisch beim Blutspenden mit dabei seien, habe er zu Hause gelassen.

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Er meinte zum Erfolg der Blutspendeaktion: „Vielleicht ist das ein positiver Aspekt, dass aus diesem Krisenmodus das Menschliche zum Vorschein kommen könnte und sich die Ellbogengesellschaft nachhaltig zu einer Gemeinschaft entwickelt.“