Für den Mut, neue Wege zu gehen, und die erfolgreiche Umsetzung des Projekts Gärtnersiedlung im Hegau sind nun die fünf beteiligten Reichenauer Gärtnerbetriebe und die Gemüse-Genossenschaft ausgezeichnet worden. Sie erreichten Platz zwei beim Landwirtschaftspreis für unternehmerische Innovation (LUI). Beim Singener Ortsteil Beuren produzieren die Gärtner Clemens Blum, Tobias Jörg, Matthias Keller, Mathias Rückert sowie David und Thomas Wehrle seit 2012 auf elf Hektar unter Glas Paprika, seit 2015 auf 1,8 Hektar zudem Auberginen. Mit Edeka Südwest haben sie hierfür einen festen Abnehmer und einen vertraglich fixierten Preis.

"Mit dieser Partnerschaft haben wir einen kompletten Wechsel vorgenommen", erklärt Genossenschafts-Geschäftsführer Johannes Bliestle. "Sonst tritt man als Kunde und Lieferant auf." Die Partnerschaft biete Vorteile für alle Beteiligten. Edeka und die Verbraucher bekämen regionales Gemüse und könnten sich auf Qualität und Mengen verlassen, und die Gärtner hätten einen sicheren Abnehmer und Erlöse. "Der Gärtner muss nicht auf den Markt gehen, Abnehmer suchen und Zugeständnisse beim Preis machen", so Bliestle. Das sei wichtig, weil der Markt bei Gemüse extrem schwankend sei. Matthias Keller fügt an, dass die finanzielle Sicherheit natürlich für die fünf Betriebe wichtig sei, die immerhin rund 15 Millionen Euro in das Projekt investiert hätten. Zugleich könnten er und seine Kollegen mit Edeka absprechen, was produziert werden soll. Bliestle erklärte, die Gärtnersiedlung habe auch ein Modfell geschaffen für andere. So habe der Biobauer Benjamin Wagner 2014 ein Drei-Hektar-Projekt bei Aach ebenfalls mit festem Abnehmer gestartet.

Der LUI wird seit 1997 vergeben. Träger sind die drei Landjugendverbände in Baden-Württemberg, die Landfrauenverbände und die beiden Bauernverbände. Finanziell gefördert wird der Preis von der Zentralgenossenschaft Raiffeisen und dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband.