Höhere Kosten und eine Elektrikerfirma, die die Gemeinde Reichenau eigentlich gar nicht auf der Liste hatte, sorgen für Ärger bei der Sanierung des Rathauses. Im Gemeinderat wurde dafür vor allem der beauftragte Fachplaner verantwortlich gemacht. Bettina Grathwohl vom Ortsbauamt erklärte, dieser habe es bei seiner Kostenberechnung im Jahr 2015 zum Beispiel versäumt, einen Teil der Flurbeleuchtung zu berücksichtigen. Diese solle nun 17.800 Euro kosten statt wie 2015 angesetzt nur 780 Euro. Und das ist nicht alles, was nun auch den Gemeinderat zornig macht.

Innerhalb weniger Jahre: Aus 22.270 Euro werden 72.110 Euro

Insgesamt liegen die Kosten für die Elektroarbeiten zudem wesentlich höher, weil der Gemeinderat zwischenzeitlich weitere Ausbaumaßnahmen und Änderungen beschlossen hatte. So werde nun ein weiteres Zimmer saniert, und eine ehemalige Haushälterinnenwohnung zu Toiletten und Büros umgebaut. Insgesamt liege die aktuelle Berechnung des Fachplaners bei 72.110 Euro gegenüber 22.270 im Jahr 2015. Darin inbegriffen seien aber zudem Sonderwünsche der Gemeinde bei der Ausstattung des Bürgerbüros, erklärte Grathwohl.

Für zusätzlichen Ärger in Verwaltung und Gemeinderat sorgt aber, dass der Fachplaner ohne Zustimmung der Gemeinde bei der beschränkten Ausschreibung ausgerechnet einen Betrieb aus Gaienhofen angeschrieben habe, der nicht auf der vom Gemeinderat beschlossenen Handwerkerliste stehe, so Grathwohl. Und just diese Firma sei dann mit einem Angebot über 76.330 Euro mit Abstand die günstigste gewesen. Zwei Mitbieter hätten dann aufgrund der großen Differenz Beschwerde eingelegt und eine Prüfung gefordert, berichtete Grathwohl.

Unterlegene Konkurrenten beschweren ist – und scheitern erneut

Das Ortsbauamt habe dann nach Rücksprache mit dem Rechnungsamt im Landratsamt eine eingehende Überprüfung vorgenommen und dabei auch einen unabhängigen Fachplaner für Elektrotechnik einbezogen. Mit dem Ergebnis, dass die Firma aus Gaienhofen als geeignet einzustufen sei und daher als günstigster Bieter den Zuschlag erhalten müsse, so Grathwohl. "Juristisch gesehen haben wir keine Handhabe." Und Bürgermeister Wolfgang Zoll meinte: "Wenn wir die Vergabe ablehnen, wird es vermutlich eine juristische Auseinandersetzung geben, und der Zeitplan wird nicht einzuhalten sein."

Gabriel Henkes (Freie Liste Natur) forderte die Verwaltung auf, zu prüfen, ob sich die Gemeinde von diesem Fachplaner trennen könne. Ralf Blum (CDU) und Britta Sauer-Böhm (Freie Wähler) meinten, diesen Planer dürfe man auf jeden Fall nicht noch mal beauftragen. Berndt Wagner (CDU) äußerte die Befürchtung, dass die Kosten weiter steigen. Ähnlich Armin Okle (Freie Wähler), der die Verwaltung deshalb aufforderte, "Daumenschrauben anzusetzen".