Als Belgien gegen England bei der Fußball-WM in Russland um Platz drei spielte, war für die Reichenauer Feuerwehr der Hauptaufbautag für das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager, das am 25. Juli beginnt. Doch der dauerte nicht wie der Kick in St. Petersburg nur 90 Minuten, sondern etliche Stunden. Und es waren auch nicht nur 22 Mann im Einsatz, sondern rund 60, berichten Kommandant Andreas Schlegel und Jugendwart Sebastian Böhler. Mitglieder der Feuerwehr Allensbach und des Technischen Hilfswerks Konstanz halfen mit. Sie bauten auf der Wiese östlich der Gemüse-Genossenschaft das große Festzelt auf, das der Kreisverband stellt und in das rund 1000 Personen passen.

36 Jugendfeuerwehren sind vertreten

Zudem wurden Materialcontainer aufgestellt. Und: „Wir haben den Platz vermessen, die ganzen Pfosten reingehauen, wo die Zelte hinkommen“, so Schlegel. 60 Stück werden es sein, jedes zehn mal sechs Meter groß, so Böhler. Denn rund 750 Jugendliche aus 36 Jugendfeuerwehren des Landkreises werden an den fünf Tagen erwartet. Besucher und Zuschauer seien jeden Tag im Festzelt ab 10.30 Uhr sowie bei den Abendprogrammen, aber auch bei den Aktivitäten des Zeltlagers wie der Lagerolympiade willkommen.

Es ist ein Großeinsatz der etwas anderen Art für die Reichenauer Feuerwehr – und eine Premiere. Erstmals findet dieses große Zeltlager auf der Insel statt. „Wir haben das nie machen können, weil die Gemeinde kein eigenes, so großes Grundstück hat“, erklärt Schlegel. Doch das Zeltlager drohte auszufallen. Daher machten er und Böhler sich auf die Suche nach einer geeigneten Fläche und fanden sie in der knapp einen Hektar großen Wiese, die zwischen Festzelt und Zeltlager auch noch viel Platz für Spiele biete.

Viele Gespräche waren nötig

Der Haken dabei allerdings: Diese gehöre elf verschiedenen Grundstücksbesitzern, so Schlegel. Also mussten er und Böhler viele Gespräche führen – mit erfreulichem Ergebnis: „Wir haben immer beim ersten Anklopfen eine Zusage bekommen“, berichtet Schlegel. Und dann waren die beiden noch Klinkenputzen bei Reichenauer Betrieben und sammelten Geld- und Sachspenden ein.

Auch die Reichenauer Jugendfeuerwehr packt mit an. Hier verladen die Jugendlichen im Gerätehaus gerade eingepackte Feldbetten auf eine Palette.
Auch die Reichenauer Jugendfeuerwehr packt mit an. Hier verladen die Jugendlichen im Gerätehaus gerade eingepackte Feldbetten auf eine Palette. | Bild: Zoch, Thomas

Doch klar war auch: „Ohne Helfer können wir es nicht machen.“ Und passend zum Motto des Zeltlagers „Alle in einem Boot“ fanden sich nach Aufrufen über 80 Helfer – Gruppen aus Vereinen wie dem Männerchor, dem Fanfarenzug, Elferräte oder eine Motorradfahrer-Clique. Böhler erklärt: „Die Hilfsbereitschaft ist schon da.“ Man sei ganz zufrieden.

270 Arbeitsschichten müssen organisiert werden

Zusammen mit den 63 Aktiven der Feuerwehr und 25 aus der Altersabteilung werden sich so über 170 Reichenauer um die Bewirtung der Gäste kümmern. Doch jeder konnte angeben, wann und was er arbeiten wolle, so Schlegel. Dies dann so zusammenzupuzzlen, dass alle 270 Schichten abgedeckt sind, sei eine Meisterleistung gewesen. Für die Jugendlichen sind weitere 30 Leute als Küchenteam des Kreisverbands im Einsatz; Letzterer ist der Veranstalter, die Reichenauer nur der Ausrichter.

Aber was heißt nur: Seit dem Hauptaufbautag seien fast jeden Abend rund 15 Mann im Einsatz gewesen, so Schlegel. Sie stellten Zäune auf, bauten eine Kabelbrücke für die Stromversorgung über die Straße, richteten Waschgelegenheiten ein und anderes mehr. Als Eingang wurde – passend zum Motto – ein kleiner Steg mit großem Rettungsring als Pforte gebaut – und daneben eine Straßenlaterne aufgestellt. Auch die Reichenauer Jugendwehr war schon im Einsatz, packte beim Gerätehaus Stangen, Planen und Feldbetten auf Hänger und baute ihr eigenes Zelt auf.

Man muss nicht jedes Rad neu erfinden

Doch man habe schon gewusst, dass es viel Aufwand sein werde, so Schlegel. „Weil das Zeltlager schon seit Jahrzehnten besteht, können wir auf die Erfahrung der anderen zurückgreifen. Da muss man nicht alles neu erfinden.“ Für die Reichenau werde es natürlich eine Mehrbelastung durch zusätzlichen Verkehr und die vielen Jugendlichen, die unterwegs sein werden. Doch: „Ich bin mir sicher, dass die Reichenauer damit leben können, und wir hoffen, dass sie Verständnis aufbringen.“

Und falls es Probleme geben sollte, seien ja die Reichenauer Kommandanten und viele weitere Jugendleiter vor Ort. Wenn es ausgerechnet an diesen Tagen allerdings zu einem Einsatz kommen sollte, werde man die Konstanzer Feuerwehr um Hilfe bitten, so Schlegel – vor allem, wenn es um einen Brand oder gar Menschenleben gehe.

Und wenn am Montag, 30. Juli, alles rum ist und die Gäste abgereist sind: „Dann wissen wir gar nicht, was wir machen sollen“, sagt Schlegel lachend. „Dann wird’s langweilig.“