1400 Maultaschen, 450 Liter Milch zum Frühstück und 65 Kilogramm Ziebeln stehen schon auf dem Einkaufszettel. Auf dem großen Grundstück inmitten der Insel sind die Stellplätze für dutzende Gruppenzelte festgelegt. Und die Gastgeber knobeln bereits, welche Fragen über die Gemeinde Reichenau sie bei der Rallye stellen können, ohne dass man die Antwort einfach mit dem Smartphone googeln kann.

Zum ersten Mal überhaupt gastiert das Groß-Zeltlager auf der Insel

Vier Wochen vor dem Beginn des Kreisjugendfeuerwehrzeltlagers sind die Vorbereitungen in vollem Gange, und zum ersten Mal überhaupt findet es auf einer Insel statt. Denn der Ausrichter ist in diesem Jahr die Feuerwehr Reichenau, deren Kommandant Andreas Schlegel sich ebenso auf schöne Tage mit vielen Gästen freut wie Jugendfeuerwehr-Chef Sebastian Böhler.

Organisationstalent und Kameradschaft braucht es schon bei der Vorbereitung

Auch er freut sich schon auf das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager auf der Reichenau: Kreisjugendfeuerwehrwart Alexander Dietrich.
Auch er freut sich schon auf das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager auf der Reichenau: Kreisjugendfeuerwehrwart Alexander Dietrich. | Bild: Jörg-Peter Rau

Los geht es am Mittwoch nach der Zeugnisausgabe: Rund 700 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren kommen am Nachmittag auf die Insel und starten in ein fünftägiges Programm, bei dem Teamgeist und Kameradschaft im Vordergrund stehen. So erklärt es Alexander Dietrich aus Öhningen, der Chef der Kreisjugendfeuerwehr. Sie ist der Veranstalter des Zeltlagers, die Ausrichtung liegt erstmals bei der Feuerwehr Reichenau. Da ist auch schon im Vorfeld eine gute Zusammenarbeit gefragt, und die Stimmung ist bestens. Ob Nachtwanderung oder Lagerolympiade mit Dorfspiel, ob Verpflegung mit der eigenen 30-köpfigen Küchencrew oder Abstimmungen mit der Logistikgruppe des Kreisfeuerwehrverbands Schwarzwald-Baar: Läuft, wie die Organisatoren einhellig sagen.

Viele Ehrenamtliche nehmen extra Urlaub, um als Betreuer mitzumachen

Mit etwa 35 Abteilungen sind so gut wie alle Jugendfeuerwehren im ganzen Landkreis dabei, im Gepäck haben sie ihre sechs mal zehn Meter großen Mannschaftszelte und einen ordentlichen Erfahrungsschatz. Denn für viele Punkte gibt es eingespielte Abläufe, erklärt Alexander Dietrich, vom Aufbau über Gemeinschaftsaufgaben bis zum Abbau nach ereignisreichen Tagen am Montag. Und überall steckt viel Ehrenamt drin: Viele der erwachsenen Betreuer nehmen sich eigens für das Zeltlager Urlaub, und nicht alle nutzen ihr Recht, sich vom Arbeitgeber dafür freistellen zu lassen. Und sie nehmen in Kauf, dass auch für sie während der Zeltlager-Tage der Dienstplan das Wecken für 6.30 Uhr vorsieht.

Verzicht auf eine Ernte: Reichenauer Grundstücksbesitzer ziehen mit

Der Reichenauer Kommandant Andreas Schlegel freut sich aber noch aus einem anderen Grund. Dass das Zeltlager einmal auf der Insel ausgerichtet werden könnte, schien lange Zeit unmöglich. Weil die Gemeinde einfach kein ausreichend großes und geeignetes Grundstück hat. Nun engagieren sich private Eigentümer und Pächter und verzichten ein Jahr lang auf die Ernte, die sie sonst auf dem großen Gelände nahe der Gemüse-Genossenschaft erzielen könnten. Das, sagt Schlegel, "ist alles andere als selbstverständlich und macht uns sehr, sehr dankbar".

Nicht nur die Familien der Teilnehmer sind willkommen, sondern alle Gäste

Er hofft, dass viele Reichenauer aktiv dabei sind, wenn die Zahl der Jugendlichen auf der Insel für einige Tage um das Mehrfache wächst: Sebastian Böhler, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Reichenau und Leiter der Jugendfeuerwehr
Er hofft, dass viele Reichenauer aktiv dabei sind, wenn die Zahl der Jugendlichen auf der Insel für einige Tage um das Mehrfache wächst: Sebastian Böhler, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr Reichenau und Leiter der Jugendfeuerwehr | Bild: Jörg-Peter Rau

Auf der anderen Seite will die Feuerwehr den Reichenauern und allen anderen Interessierten im Landkreis etwas zurückgeben. Nicht nur Eltern und Geschwister können beim Familientag mit Feldgottesdienst und Frühschoppen Zeltlager-Luft schnuppern. An den Abenden steht auch das auf 1000 Gäste ausgelegte Festzelt allen Besuchern offen. Ab Donnerstag, 27. Juli, ist an drei Abenden ein buntes Programm mit Musik und Feuerwehrbezug geboten. "Wir hoffen, dass viele kommen und so auch ihre Verbundenheit zur Feuerwehr zeigen", sagt Andreas Schlegel. Denn bis das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager mit seinen über 800 Teilnehmern wieder auf einer echten Bodenseeinsel gastiert, könnten immerhin viele Jahre vergehen.