Aus der Traum von einem neu gestalteten Klostergarten nördlich des Münsters auf der Insel Reichenau – zumindest vorerst. Die Firma Wala Heilmittel GmbH, die das Projekt umsetzen und geschätzt bis zu einer Million Euro investieren wollte, habe sich nun zurückgezogen, erklären Bürgermeister Wolfgang Zoll und Kulturchef Karl Wehrle, die zugleich Aufsichtsrat und Vorsitzender der Welterbe-Stiftung sind.

"Wir sind schon enttäuscht", so Zoll. Und Wehrle betont: "Das hat uns sehr viel Zeit gekostet. Das Fazit ist nicht gut." Die Stiftung müsse nun erneut auf die Suche gehen nach Sponsoren und Investoren. Das rund 7000 Quadratmeter große Areal zwischen Münster und Klostermauer, auf dem bisher nur Wiese ist, soll so gestaltet und bepflanzt werden, dass die frühmittelalterliche Situation des Klostergeländes erfahrbar werde.

Diese Hecken nördlich des Münsters sollen den Kreuzgang des mittelalterlichen Klosters andeuten.
Diese Hecken nördlich des Münsters sollen den Kreuzgang des mittelalterlichen Klosters andeuten. | Bild: Zoch, Thomas

Als Grund für den überraschenden Rückzug von Wala nennen Zoll und Wehrle, es habe sich in den vergangenen Monaten gezeigt, dass die Firma nicht nur Bedarf an einem Schaugarten habe, sondern an einem Garten, der auch der Herstellung diene.

Inzwischen sei für die Firma dadurch klar geworden, dass für die Präsentation der Eindruck zentral sei, dass es sich bei den gezeigten Pflanzen auch um diejenigen handele, die sich später in den Produkten von Wala wiederfinden – Naturkosmetik und natürliche Arzneimittel. Eine Produktion im Klostergarten sei aber auf Grund der räumlichen Begrenzungen und rechtlichen Beschränkungen sowie aufgrund der Besucherfrequenz nicht möglich, erklärte Zoll.

Fünf Jahre bis zum Ausstieg

Überraschend ist die Wende aber vor allem deshalb, weil die Stiftung bereits im Sommer 2013 bekannt gegeben hatte, dass Wala als Investor beim Projekt Klostergarten einsteige. Da stellt sich die Frage, wieso es fünf Jahre brauchte, bis die Vorstellungen von Wala klar waren.

Dazu erklärt die Pressesprecherin der Firma: "Es gab kein Missverständnis. Es war ein gemeinsamer Entwicklungsprozess, wobei die verschiedenen Ansatzpunkte und Konzepte sorgfältig geprüft und dann aufseiten aller Beteiligter bewertet wurden. So etwas braucht Zeit und erfordert langfristiges Denken, gerade bei einem Projekt dieser Art, wo es darum geht, die Geschichte und Traditionen eines ganz besonderen Ortes zu bewahren."

Ein kleiner Teil des Klostergartens wurde schon vor acht Jahren neu gestaltet. Diese Erdskulptur nördlich des Münsters soll den westlichen Gebäudeteil des mittelalterlichen Klosters andeuten.
Ein kleiner Teil des Klostergartens wurde schon vor acht Jahren neu gestaltet. Diese Erdskulptur nördlich des Münsters soll den westlichen Gebäudeteil des mittelalterlichen Klosters andeuten. | Bild: Zoch, Thomas

Auch Zoll meint zwar: "Es ist nicht so, dass wir aneinander vorbei geredet haben. Wala war ein guter Gesprächspartner." Und der Rückzug sei bedauerlich, weil das Grundverständnis weitgehend deckungsgleich gewesen sei, den historischen Aspekt im Klostergarten zu akzentuieren.

"Wir haben nicht aneinander vorbeigeredet" – oder etwa doch?

Doch genau hier hatte es offenbar zunächst schon ein Missverständnis gegeben, was die Länge der Planung mit erklärt. Denn Wala hatte bereits selbst eine Konzeption erstellt, bei dem das Landesamt für Denkmalpflege Änderungsbedarf gesehen habe, so Zoll und Wehrle: "Auch wir als Stiftung und Gemeinde waren nicht übertrieben glücklich damit. Wir wollen mehr den historischen Aspekt und keinen Erlebnisgarten." Und das bestehende Kräutergärtlein (Hortulus) sollte dort als neue Anlage zentraler präsentiert werden.

Und, so fügt Wehrle an: "Es war eindeutig so, dass der Klostergarten nie eine Produktionsstätte für Wala sein kann." Das habe die Firma vor ein paar Jahren selbst so formuliert. Zoll meint, das Thema sei offenbar nun bei Wala wieder aufgekommen und neu gewichtet worden.

Für 2020 war die Fertigstellung geplant

Nachdem die eigene Konzeption auf Kritik gestoßen war, habe Wala aber zugesagt, die Wünsche und Anregungen von Denkmalamt und Gemeinde aufzunehmen, so Wehrle. Die Firma habe dann im Rahmen eines Wettbewerbs auf ihre Kosten – die Pressesprecherin nennt zirka 25.000 Euro – von zwei erfahrenen Landschaftsplanungsbüros Entwürfe erstellen lassen für die Neugestaltung, die 2017 fertig geworden seien.

Mit dem Denkmalamt und der katholischen Kirche als Eigentümerin des Grundstücks seien diese auch schon besprochen. Zoll erklärt, dass die Entwürfe eigentlich bald öffentlich diskutiert werden sollten im Gemeinderat und im Pfarrgemeinderat. Wehrle meint, er sei nach der langen Vorgeschichte zuversichtlich gewesen. "Es gab einen angedachten Zeitplan: 2018 Detailplanung, ab 2019 Umsetzung, Fertigstellung 2020."

Ein Gutes hat die Sache

Immerhin müssen die Gemeinde und die Stiftung nicht noch einmal ganz von vorn beginnen. Sowohl die Pressesprecherin wie Zoll erklären übereinstimmend, dass Wala "die Planungsergebnisse mit allen Rechten der Gemeinde Reichenau für die weitere Beschlussfassung und Umsetzung zur Verfügung" stelle.

Wehrle meint: "Wir haben jetzt eine Planung, die Zustimmung finden kann bei allen Beteiligten." Und bei der Suche nach neuen Geldgebern wissen er und Zoll auch schon genau, wo sie anfangen werden: beim Land Baden-Württemberg. Denn, so betont Wehrle: "Das Land ist auch eine Verpflichtung eingegangen zur Förderung des Weltkulturerbes Reichenau."