Ein vierzehnjähriges Mädchen wird nachts von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Sieben Menschen tragen Schuld an diesem fürchterlichen Unfall. Schuld und Sühne – wie gehen die Menschen damit um? Dieser Frage geht der Böhringer Autor Thomas Welte in seinem neuen Roman „Marie“ nach.

Durch seine Arbeit an der neurologischen Rehaklinik Hegau-Jugendwerk in Gailingen hat er ähnliche Schicksale schon oft hautnah erlebt. Wie in seinen anderen Romanen lässt er auch hier persönliche Erfahrungen einfließen. „Unsere tägliche Arbeit gilt dem Wohl der jungen Rehabilitanden“, berichtet der Pädagoge. „Aber auch Freunde und Angehörige leiden sehr unter der neuen Situation. Neben dem Schmerz ist die Frage nach dem Warum ihr ständiger Begleiter.“

Buch regt zur Diskussion an

Welte richtet seinen Blick nicht nur auf das Mädchen, sondern auch auf das Umfeld der jungen Schülerin. Da ist ein Chatpartner von Marie, der böse Absichten hat. Oder ein alkoholkranker Mann, dem sein Leben längst entglitten ist. „Das Buch ist sicherlich keine Lektüre für den Strand“, macht Thomas (Tom) Welte deutlich. „Die fiktive Geschichte wirkt noch sehr lange nach, wirft weitere Fragen auf und regt zur Diskussion an. Genau das möchte ich erreichen“, erklärt der Autor.

Er ist davon überzeugt, dass sich Maries Geschichte zu jeder Zeit in allen Teilen Deutschlands zutragen könnte. Dennoch fließen regionale Einflüsse in seine schriftstellerischen Arbeiten ein. „Radolfzell ist meine Heimat“, sagt er nicht ohne Stolz. „Wenn ich eine Situation beschreibe, dann orientiere ich mich an Orten, die ich gut kenne. Der Unfallort, etwas abgewandelt, ist eine kleine Straße, nicht weit von hier. Die Einheimischen kennen sie recht gut.“

Thomas Welte und der Papst

Insgesamt hat Welte sieben Jahre an dem Buch gearbeitet. Eine lange Zeit, in der er intensiv an dem Plot gefeilt hat. Ob auch Radolfzeller einen Gastauftritt haben? Welte überlegt einen Moment. „Ich würde mich nie am Charakter einer mir vertrauten Person bedienen“, betont er. „Aber manchmal leihe ich mir Namen aus. Auch die von Radolfzellern. Das sind dann meist die Guten!“

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Seit mehr als fünfzehn Jahren schreibt Thomas Welte Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Vor zwei Jahren sorgte er mit seinem Buch „Anton und der Papst“ für große Aufmerksamkeit, denn er erreichte eine Audienz beim Kirchenoberhaupt und durfte sein Buch persönlich überreichen.