Nein, der Kapellenweg wurde anlässlich des 250. Geburtstages der Stadtkapelle Radolfzell 1772 nicht in Stadtkapellenweg umgetauft. Aber das Stadtmuseum richtet zu diesem Anlass die Sonderausstellung „Musikstadt – Stadtmusik“ aus.

Die eröffnete OB Simon Gröger am Samstag auf dem Seetorplatz vor dem Stadtmuseum. „Aber im Herzen heißt der Weg schon so“, betonte er schmunzelnd. Er wies auf die lange Tradition und die vielen Aktivitäten in der Stadt hin und stellte fest: „Radolfzell ist Musik.“

Aktivitäten im Jubiläumsjahr

Und natürlich durfte die Stadtkapelle nicht fehlen: Unter ihrem Dirigenten Kuno Rauch spielte sie in traditioneller Uniform gut gelaunt auf. Pünktlich brach die Sonne durch die Wolken und sorgte für beste Stimmung bei den zahlreichen Besuchern und Passanten.

Thomas Späth, der erste Vorsitzende der Stadtkapelle, berichtete in seinem Grußwort von Aktivitäten im Jubiläumsjahr, angefangen bei der Foto-Session am frühen Samstagmorgen am See bei Graupel, Schnee und Kälte. Die Fotos sollen die neue Internetseite der Kapelle zieren. Auf das Festkonzert der Stadtkapelle am Sonntag, 10. April, verwies er ebenso wie auf die geplante Konzertreise nach Österreich, wo Jugendblasorchester und Stadtkapelle bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten spielen werden.

Weltkarte zeigt Reisen der Kapelle

Museumsleiter Rüdiger Specht schließlich stellte in seiner Ansprache die Höhepunkte der Ausstellung vor, die zusammen mit Kulturamt, Musikschule und Stadtkapelle konzipiert wurde. Auch eine Idee des Fördervereins wurde aufgegriffen, nämlich eine Weltkarte als Bodenbelag zu zeigen, die die zahlreichen Reisen der Stadtkapelle von 1969 bis 2019 dokumentiert: durch ganz Europa, in die USA, nach Russland, Kanada und China.

Eine Wandkarte zeigt 66 Musikgruppen in Radolfzell und seinen Stadtteilen. Sie kann ergänzt werden, falls es Gruppen gibt, die nicht erwähnt wurden. Auch können diese ihre Werbe-Flyer auf Notenständern aufstellen. Ein Blickfang ist eine Musik-Skulptur – eine in Instrumente verbaute Kugelbahn, die man gegen Entgelt bespielen kann.

Die in Instrumente verbaute Kugelbahn wartet auf ihren Einsatz.
Die in Instrumente verbaute Kugelbahn wartet auf ihren Einsatz. | Bild: Veronika Pantel

Zahlreiche Dokumente und Auszeichnungen zeigen die Erfolgsgeschichte der Stadtkapelle. Alte Instrumente aus ihrer Frühzeit sind ebenso zu bewundern wie bunte Karikaturen aus der Werkstatt von Udo Krummel, die die vielen Aktivitäten der Stadtkapelle humorvoll aufs Korn nehmen. In diesem Raum stehen auch lebensgroße Pappfiguren stellvertretend für jeweils eine Instrumentengruppe des Orchesters – Infos zum Instrument auf der Rückseite inklusive. Eine ganze Wand ist musikalischen Erfolgsgeschichten gewidmet.

Bekannte Namen und viel Tradition

Bekannte Namen aus der Musikwelt lassen staunen, dass sie alle ihren musikalischen Weg im Radolfzeller Jugendblasorchester und/oder in der Stadtkapelle begannen. In Videos kommen Dirigenten zu Wort, und die Entstehungsgeschichte der Komposition, die zum Jubiläum in Auftrag gegeben wurde, ist im Film dokumentiert.

Auch die Tradition der musikalischen Ausbildung von der Knabenkapelle 1896 bis zur Musikschule und Sommerakademie sind dokumentiert. Den Grundstein hierfür legte Lehrer Windbiehler im 18. Jahrhundert, als er von der Stadt monatlich drei Gulden erhielt, um Musikunterricht zu erteilen.