Die eigene CD auf den Markt bringen: davon träumen viele. Joachim „Jo“ Strate hat sich diesen Traum in und auch wegen der Corona-Pandemie verwirklicht, die Platte hat er „Quarantine“ getauft. „Was die Quarantäne so alles mit einem macht“, sagt Strate und lacht. Die Musik ist seine Leidenschaft, die Gitarre sein Instrument. „Egal, wo ich gerade wohnte, ich habe an jedem Ort eine Band gegründet und bin mit Coversongs aufgetreten“, sagt Strate, der seit 13 Jahren in Radolfzell lebt.

Seine Band „Miss Otis and friends“ kann derzeit coronabedingt nicht auftreten und macht daher unfreiwillig Pause. Der Stillstand brachte Jo Strate zum Nachdenken: „Ich wollte schon immer meine eigene Musik machen. Über die Jahre sind viele Songs in meinem Kopf entstanden“, erzählt er. Das sei für ihn ein wichtiger Gegenpol zu den Coversongs gewesen.

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Ob Riffs, Refrains, Textzeilen oder Themen – Jo Strate sammelte im Laufe der Jahre viel Material, doch ihm fehlte der Mut, seine Songs zu veröffentlichen. „Dann kam Corona und es gab nicht viel zu tun.“ Ende 2020 reifte der Gedanke heran, eine Auswahl an Liedern zu veröffentlichen. „Ich habe mir gedacht: wenn nicht jetzt, wann dann“, sagt Strate. Was fehlte, war die Erfahrung im Studio. „Ich habe zwar schon an Studioproduktionen mitgewirkt, aber noch nie den gesamten Prozess von A bis Z mitgemacht.“

Jo Strate spielt alle Instrumente selbst

Also rief er seinen Gitarrencoach Joe Reistle an, der die Musikschule samt Tonstudio Visions of Music in Radolfzell betreibt. „Als Profi konnte er mir hilfreiche Tipps geben. Wir kennen uns schon lange und er war gleich mit an Bord, als ich ihm von meiner Idee erzählt hatte.“ Von Anfang an war für Jo Strate klar: er möchte alle Instrumente auf seiner Platte selbst spielen.

„Die Gitarre war kein Problem, und auch das Keyboard habe ich mit meinen Klavierkenntnissen gut hinbekommen. Das Instrument ist nur im Hintergrund der Lieder zu hören, da hat das ausgereicht.“ Schwieriger war das Schlagzeug. „Ich habe festgestellt, ich bin ein schlechter Schlagzeuger. Ich kann gar nicht Schlagzeug spielen“, sagt Strate. Aber: „Das Schlagzeug kommt auch aus dem Computer, das war meine Rettung“, scherzt der Musiker.

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Und wer glaubt, Gitarristen könnten auch automatisch Bass spielen, der täuscht. „Das ist eine komplett andere Technik“, erklärt Strate, „das musste ich lernen, war aber kein Problem.“ Problematischer war hingegen das Singen. „Es ist ein seltsames Gefühl, mit Kopfhörern vor einem Mikrophon zu stehen und genau zu singen“, sagt Jo Strate.

Frustrierend sei es gewesen, wenn er sich hinterher die Tonspur angesehen habe und genau angezeigt wurde, wo der Ton eigentlich hätte sein sollen. Seine Frau Heike „Miss Otis“ Strate hat den Hintergrundgesang übernommen. „Sie ist Profisängerin und hatte deshalb keine Probleme mit der Intonation“, macht Strate seiner Frau ein dickes Kompliment.

Neben der Musik ist Jo Strate (links) auch als Pressesprecher für die Radolfzeller Feuerwehr im Einsatz. Im Bild ist er mit Tobias Oechsle, stellvertretender Fachbereichsleiter, zu sehen. (Archivbild)
Neben der Musik ist Jo Strate (links) auch als Pressesprecher für die Radolfzeller Feuerwehr im Einsatz. Im Bild ist er mit Tobias Oechsle, stellvertretender Fachbereichsleiter, zu sehen. (Archivbild) | Bild: Marinovic, Laura

Für die CD hat er sich für eine EP (Extended Play) mit vier Liedern entschieden. „Man merkt es ja, wenn man sich Alben mit zwölf Liedern kauft. Da sind immer ein paar Füllsongs dabei, die nicht so gut sind. Das wollte ich vermeiden. Die Länge von knapp 30 Minuten finde ich auch sehr angenehm“, sagt Strate. Alle Songs handeln von persönlichen Erlebnissen oder sind davon inspiriert.

Persönliche Erlebnisse lassen sich gut verarbeiten

So sei das erste Lied, Back on Track, ein autobiographischer Song, der von einer schweren Zeit in Jo Strates Leben handelt und wie er nach dem Verlust einer geliebten Person wieder auf die richtige Spur kam. „Persönliche Erlebnisse in Liedern zu verarbeiten, ist authentisch, denn man fühlt, was man singt und bringt diese Emotion auch rüber“, so der Musiker.

Das zweite Lied, Nothing Remains, ist eine Erinnerung an einen „wunderbaren Urlaub in Frankreich“, sagt Strate. „Es ist ein sehr sentimentales Stück. Was bleibt, ist die Erinnerung“, erklärt er. Lied Nummer drei gibt es schon seit vielen Jahren und heißt Let Love Shine. „Es ist das Hochzeitslied für meine Frau“, verrät Jo Strate. Die Hochzeit war 1994. „Ich habe das Lied nochmal überarbeitet, es schneller gemacht, Gitarrenspuren eingespielt und Chorgesang eingesetzt.“

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Das vierte und letzte Lied heißt Big Fish. „Dazu hat mich ein Marketing Direktor inspiriert, der bei mir Kunde war.“ Strate hat jahrelang für eine Werbeagentur gearbeitet. „Big Fish ist ein Anzugträger, jemand, der dicke Autos fährt und kein Nein akzeptiert. In dem Lied geht es darum, auch mal Gnade walten zu lassen. Auch wer Tag ein, Tag aus in dieser Rolle steckt, hat es nicht leicht“, glaubt Jo Strate.

Weiteres Projekt ist in Planung

Insgesamt vier Tage hat er im Studio verbracht. Das Schwerste beim schreiben und komponieren von Liedern sei es, einen Refrain zu haben, der im Kopf bleibt, sagt er. Die Erfahrung im Tonstudio hat ihm so viel Spaß bereitet, dass er Blut geleckt hat. „Ich möchte eine weitere CD mit vier Liedern auf den Markt bringen.“ Aber er möchte vorher noch ein kleines Training absolvieren. Und: „Ich möchte die Produktion professioneller vorbereiten. Jetzt weiß ich ja, was mich erwartet.“

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Das heißt, dass er ein Layout vorbereiten möchte, also jeweils eine Spur für Schlagzeug, Gitarre, Bass und Gesang. Eine Frage bleibt dann doch: warum auf englisch? „Von der Intonierung fällt es Musikern oft leichter, auf englisch zu singen. Außerdem lässt es sich besser vermarkten.“ Jo Strate hat zudem viele Jahre in Kanada gelebt und gearbeitet, für ihn ist englisch wie eine zweite Muttersprache. „Ich habe mit meinen Bands schon immer nur englische Songs gespielt.“ Das soll sich auch nicht ändern.