Nichts ist unmöglich. Auch nicht Carsharing in einem Dorf mit weniger als 1000 Einwohnern wie Möggingen. Dort gibt es seit dem 1. August für die Bürger das Angebot, gemeinschaftlich ein Elektro-Fahrzeug zu nutzen. Treibende Kraft für die Anschaffung eines elektrisch betriebenen Renault Kangoo, der bei der Kirche stationiert ist, war die in Möggingen ansässige Hauptgeschäftsstelle des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg. Sie sichert die Basisauslastung und somit die Finanzierung des Fahrzeugs – ein Modell, das sich für die Stadtwerke Radolfzell seit einigen Monaten bereits in Moos mit dem Rathaus als erfolgreich erweist.

„In Gang kam das Ganze, weil wir vor der Frage standen, wie wir unseren alten Toyota Hybrid ersetzen können. Wir wollen als Umweltverband mit gutem Beispiel vorangehen und das Autoteilen, das in den Städten längst etabliert ist, als wichtigen Teil der Verkehrswende auch hier vor Ort bekannt machen“, hob BUND-Hauptgeschäftsführer Ralf Stolz in der Eröffnungsfeier den vielfachen Nutzen hervor.

„Ohne Auto geht es auf dem Land oft nicht, aber jeder ist gefordert darüber nachzudenken, eventuell seinen Zweit- oder Drittwagen abzuschaffen“, bekräftigte Ralf Stolz. Das E-Fahrzeug in Möggingen steht dann der Bevölkerung zur Verfügung, wenn es vom BUND nicht für eigene Zwecke benötigt wird, vorrangig somit abends und am Wochenende, aber auch häufig unter der Woche tagsüber.

Dass die Stadtwerke Radolfzell ihr Carsharing-Angebot mit Elektrofahrzeugen etablierten, begrüße der BUND sehr, so Stolz. Denn die Abkehr vom Verbrennungsmotor und eine Elekromobilität auf Basis von erneuerbar erzeugtem Strom sei eine wichtige Voraussetzung, um die Klimaschutzziele zu erreichen und die Erderwärmung auf 1,5 Grad einzudämmen.

Und der Strom für die E-Flotte der Stadtwerke stamme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen, versicherte Andreas Reinhardt, Geschäftsführer der Stadtwerke Radolfzell. Er sieht das E-Carsharing ein Stück weit als Ergänzung zum Stadtbus und zum Anruf-Sammel-Taxi, wodurch die Bürger mehr mobile und spontane Flexibilität genießen können.

„Die Stadtwerke als ökologischer Dienstleister wollen die E-Mobilität vorantreiben. Die neue Car-Sharing-Station in Möggingen, das auch Ziel vieler Touristen ist, sehen wir als ideale Möglichkeit vermehrt Leute dafür zu gewinnen, das Fahren mit einem Elektroauto einfach einmal auszuprobieren und ihnen damit Ängste und Vorbehalte zu nehmen. „Es ist eine Win-Win-Geschichte für alle“, unterstrich Andreas Reinhardt.

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Ortsvorsteher Ralf Mayer strahlte übers ganze Gesicht und lobte das neue Angebot. Bereits im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft„ sowie bei der Dorfwerkstatt 2018 sei über Carsharing diskutiert worden. Für einen kleinen Ort wie Möggingen sei so etwas bisher noch ungewöhnlich. „Wieder einmal geht Möggingen voran“, freut sich Ralf Mayer. Er hoffe, dass das Angebot gut angenommen und sich so vielleicht auch eines Tages die innerörtliche Parksituation entspannen werde.

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