Man kann auch mit dem Corona-Virus leben, indem man die Verhaltensregeln berücksichtigt. Dennoch braucht es Mut, eine größere Veranstaltung für mehrere Dutzend Kinder zu verantworten. Und wegen der geforderten Hygiene-Konzepte auch deutlich mehr Organisation. Der einfachere Weg wäre, den Kopf in den Sand zu stecken und das Trainingscamp für Kinder abzusagen.

Das erlebte Bernd Voss trotz der Lockerungen oftmals als Cheftrainer seiner Fußballcamps. Doch genau das wollte der BSV Nordstern seinen fußballbegeisterten Kindern nach den Einschränkungen der letzten Monate nicht antun. Die Verantwortlichen ermöglichten mit ihrem Erfahrungsschatz, einem Hygienekonzept und vielen Helfern das 13. Trainingscamp für 152 Kinder und sagten dem Trainer Bernd Voss zu.

Der Zugang auf das Sportgelände des BSV Nordstern war streng reglementiert und auf einen Zentraleingang beschränkt. Wer vor dem verschlossenen Eingangsgatter stand, konnte telefonisch um Einlass bitten. Die Laufrichtungen der Besucher wurden in Bahnen geleitet. Jeder Gast registrierte sich mit einem frisch desinfizierten Stift und erhielt eine Wäscheklammer, um die Anzahl auf dem Gelände zu begrenzen. Rund vier Kilometer an signalfarbigen Flatterbändern wurden auf dem Gelände für Wege, Spielflächen und Abgrenzung der Kinder untereinander wie auch im offenen Speisezelt gespannt.

Damit sich die Gruppen beim Mittagessen und während der Obstpausen nicht vermischen, signalfarbige Flatterbänder hinter jeder Bierbank gespannt.
Damit sich die Gruppen beim Mittagessen und während der Obstpausen nicht vermischen, signalfarbige Flatterbänder hinter jeder Bierbank gespannt. | Bild: Georg Lange

Pfeile auf dem Boden markierten die Laufrichtung, Kreide auf dem Gras die Aufstellung der Kinder zum Trainingsbeginn. Ein Team bestand aus zehn Kindern. Zwei Teams bildeten eine Trainingsgruppe, die nach der Verordnung untereinander näher in Kontakt treten durfte. Diese Gruppen aus zwei Teams mit einer Registrierung der Namen zur Rückverfolgung eventueller Infektionen bestanden den ganzen Tag über und konnten am darauffolgenden Spieltag neu zusammengestellt werden.

Voss verpflichtete durch die höhere Anzahl der Teams mehr Trainer. 18 Trainer achteten darauf, dass ihre Teams die Regeln einhielten und die Tagesgruppen sich nicht durchmischten. Bei jeder Essens- und Obstpause geleiteten sie ihre Teams zum Händewaschen. Für den sanitären Bereich stellte der BSV Nordstern zwei Helfer bereit, die den Zugang und die Einhaltung der Hygieneregeln in geschlossenen Räumen überwachten. Umkleidekabinen blieben geschlossen. Die Jüngsten kamen nach dem ersten Tag bereits im Trikot und mit ihren Fußballschuhen oder zogen sich auf dem Spielfeld um.

Neue Zeit neue Regeln – mit Adleraugen beaufsichtigen Trainer das Händewaschen ihrer Teams und sorgen dafür, dass die Abstände zu anderen Teams eingehalten werden.
Neue Zeit neue Regeln – mit Adleraugen beaufsichtigen Trainer das Händewaschen ihrer Teams und sorgen dafür, dass die Abstände zu anderen Teams eingehalten werden. | Bild: Georg Lange

Das Regelwerk erschien streng und wurde auch streng eingehalten. Jeder Helfer bei der Essensausgabe hatte einen Mund- und Handschutz und war mit gläsernen Folienwänden von den Kindern abgetrennt. Im Speisezelt waren die Teams mit Flatterbändern voneinander getrennt. Trotz dieses Reglements war große Freude in den Gesichtern der Kinder und der vielen Helfer abzulesen. Es wurde getröstet, verarztet, mitgefiebert und mitgefeiert, wenn Kinder sich einen der vielen Pokale ergattert hatten. Alle Trainingseinheiten und Wettkämpfe konnten stattfinden – bei mehr Teams und Gruppen auch mehr Auszeichnungen, Pokale und Urkunden als sonst.

Nach Rekord-Anmeldezahlen 1200 Absagen

Bernd Voss macht keinen Hehl über die Auswirkungen der Pandemie auf sein Trainingscamp und seinen Betrieb als Veranstalter größerer Events. Die Anmeldungen zu den Trainingscamps erfolgten bereits im Winter. Die Anzahl brach Rekorde. Doch von mehr als 3000 Anmeldungen musste er 1200 Kindern absagen, weil Vereine lieber das Trainingscamp stornierten. Mit den Gebühren finanziere sich der Betrieb für seinen Bedarf an Trikots, Fußbällen und Pokalen vor. Nun saß Voss auf je 1200 Einzelteilen, die durch die Stornierung keine Abnehmer fanden und überwies zusätzlich die Gebühren zurück.

Voss gibt mit seiner offenen Art einen Einblick in die wirtschaftliche Lage während der Pandemie. Man werde gezwungen, Hilfe anzunehmen und auch Wege außerhalb der Box einzuschlagen. Zu Beginn der Pandemie unterstützte er Bauern beim Spargelstechen.

BSV leistet jede erdenkliche Unterstützung

Als die ersten Lockerungen wieder ein Fußballtraining ermöglichten, bot er Trainingseinheiten in Kleingruppen an. Nun seien durch neue Verordnungen und mit Hilfe ausgefeilter Hygienekonzepte größere Veranstaltungen möglich. Jetzt bedurfte es nur noch der Vereine, die den Mut dazu hatten. Mit dem BSV Nordstern hatte Voss einen gefunden, der den Kindern etwas Positives mitgeben wollte. Mitte Juni war für den BSV klar: Das Camp muss stattfinden. Und er bot trotz großer logistischer Herausforderungen sämtliche Hilfe und Unterstützung für dessen Verwirklichung an.