Dorfhelferinnen oder Familienpflegerinnen springen ein, wenn Familien ihren Alltag aufgrund von Krankheit oder einer Behinderung nicht allein bewältigen können. Mehr als 250 Einsatzkräfte des Dorfhelferinnenwerks Sölden und der Sozialstation Radolfzell-Höri decken über 90 Stationsgebiete von Freiburg bis an den Bodensee ab. Beide Vereine sind so vernetzt, dass bei Einsätzen auf einen gemeinsamen Personalpool zurückgegriffen werden kann.

Melanie Dressnandt betreute als Einsatzleiterin bislang die Stationen Hegau West, Engen, Singen und die Höri. Seit Januar ist sie auch für Radolfzell zuständig. Zuvor koordinierte Sabine Wegmann, Leiterin der Sozialstation, die Einsätze der Dorfhelferin, die Radolfzell zugeteilt ist. Durch die Änderung kann Dressnandt nun auch für Einsätze in Radolfzell auf einen Pool von 13 Mitarbeiterinnen zugreifen.

Seit über 33 Jahren sind Familienpflegerinnen und Dorfhelferinnen in Radolfzell und Umgebung unterwegs. Seit 2010 unterstützt die Stadt die Einsätze. Fällt in einer Familie derjenige aus, der das „Familienmanagement“ in der Hand hat, in der Regel die Mutter, in manchen Fällen der Vater, kann mit einem ärztlichen Attest bei der Krankenversicherung eine Familienpflegerin beantragt werden. Gründe sind zum Beispiel ein Klinikaufenthalt, eine Risikoschwangerschaft, die erste Zeit nach einer Entbindung, wenn Geschwister zu betreuen sind, nach Mehrlingsgeburten, bei Erschöpfungszuständen oder bei Überbelastung, wenn ein behindertes Kind in der Familie zu versorgen ist.

Melanie Dressnandt hat selbst einmal die Hilfe gebraucht

Die Hilfe wird vorübergehend geleistet. Bewilligt werde sie meist zunächst für zwei bis vier Wochen, erzählt Melanie Dressnandt, selbst Mutter von vier Kindern. Kennen und schätzen gelernt hat sie die Dorfhelferinnen, als sie mit Zwillingen schwanger war. Da sie bereits zwei Kinder hatte, empfahl ihre Ärztin eine Familienpflegerin zu beantragen. „Ich habe ihre Arbeit als sehr wertvolle Unterstützung empfunden“, erinnert Dressnandt sich. Nun koordiniert sie selbst die Einsätze von 13 Mitarbeiterinnen. Im Bedarfsfall könne sie zusätzlich auf sogenannte fliegende Kräfte zurückgreifen, die keiner fixen Station zugeteilt sind.

„Die Koordination ist eigentlich immer ein Gepuzzel“, berichtet Dressnandt. Wieviel Zeit die Familienpflegerin im Haushalt verbringt, hängt von der jeweiligen Situation ab. Von zwei Stunden pro Woche bis acht Stunden täglich sei alles möglich. Dressnandt gibt ein Beispiel: „Bricht eine Mutter von kleinen Kindern sich beim Rodeln ein Bein, dann übernimmt die Familienpflegerin die Betreuung der Kinder, den Haushalt, die Einkäufe. In diesem Fall ist sie acht Stunden pro Tag für die Familie da.“ Einige Einsätze sind kurz, andere erstrecken sich über Wochen und Monate. Wenn etwa die Mutter bei einer Risikoschwangerschaft viel liegen muss. „Ich bin sehr beeindruckt von der Einsatzbereitschaft und der hohen Flexibilität, die die Pflegerinnen an den Tag legen“, meint Dressnandt anerkennend.

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Corona habe auch die Einsätze der Familienpflegerinnen verändert. In einigen Familien verbrächten sie aufgrund der Schließung der Kindertagesstätten und Schulen nun mehr Zeit, nachdem die Betreuung der Kinder am Vormittag wegfällt. Ist der gesunde Partner in Kurzarbeit, muss die Familienhelferin manchmal nur noch wenig aushelfen. In jedem Fall gingen die Einsätze trotz Corona weiter. Auch wenn Risikopatienten, zum Beispiel ein Krebskranker, in der Familie ist. Die Hygienemaßnahmen würden sehr ernst genommen. Viel Wert werde außerdem auf einen respektvollen Umgang mit der Familie und eine offene Kommunikation gelegt.