Der Präventionsrat hat eine Online-Umfrage unter Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren durchgeführt, um zu erfahren, wie es ihnen in der Corona-Zeit geht. Fast 500 Kinder haben sich daran beteiligt. Das entspricht etwa einem Drittel der Kinder in diesem Alter, die in Radolfzell leben. Sie wurden zu vier Bereichen befragt: Wie fühlen sie sich in ihrer Familie und in der Schule? Was tun sie in ihrer Freizeit und welche Veränderungen wünschen sie sich in der Kommune?

Das Ergebnis: Kinder genießen die gemeinsame Zeit mit ihrer Familie, empfinden fehlenden Termindruck als angenehm, viele von ihnen sind sportlich und kreativ. Andererseits steigen auch die Ängste der Kinder, sie vermissen ihre Freunde und die Konflikte in den Familien nehmen zu. Auf Grundlage der Antworten wurden Vorschläge erarbeitet, wie Kinder unterstützt werden könnten.

Möglicherweise sind Kinder aus bedürftigen Familien in Studie unterrepräsentiert

Die Umfrage unter Kindern ist die erste dieser Art, die die Stadt Radolfzell durchgeführt hat. Befragung und Auswertung erstreckten sich über die Monate Februar und März. Stadträtin Susann Göhler-Krekosch dankte: „Ein Lob an alle – in den Arbeitskreisen wurde viel Zeit in die Befragung gesteckt.“

Zu ihrer Familiensituation gaben 82 Prozent der Kinder an, mit beiden Eltern zu leben. 18 Prozent leben mit nur einem Elternteil. Über die Hälfte von ihnen wohnt in einem Haus mit Garten und 72 Prozent haben ein eigenes Zimmer. Mit Blick auf diese Angaben stelle sich die Frage, ob an der Umfrage vor allem Kinder gut situierter Familien teilgenommen haben, erläuterte Psychologin Antje Wappler, die die Auswertung der Ergebnisse im Hinblick auf die Familie präsentierte.

Kinder wünschen sich mehr Ruhe

Insgesamt zeigten die Antworten der Kinder, dass der Stellenwert der Familie groß sei, unter Corona werde er noch größer. Drei Viertel der Kinder gaben an, Freizeit mit ihrer Familie zu verbringen. Die Kinder begrüßen auch, dass sie durch Homeschooling und gemeinsames Mittagessen mehr Aufmerksamkeit ihrer Eltern bekommen. Es lasse sich aus der Umfrage ableiten, dass sich Kinder mehr Ruhe, weniger Termine und weniger Schulstress wünschten.

Erstaunlicherweise habe kein Kind angegeben, unter Langeweile zu leiden. Viele hätten eigene Projekte realisiert, wie ein Buch zu schreiben oder ein Baumhaus zu bauen. Allerdings müsse es bedenklich stimmen, dass 36 Prozent angaben, seit Corona nehme der Stress in der Familie zu, 40 Prozent fühlen sich einsam und 41 Prozent machen sich mehr Sorgen, so die Psychologin.

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In Sachen Schule sei der Mehrheit der Kinder Präsenzunterricht lieber, erklärte Sabrina Restle, Lehrerin am Friedrich-Hecker-Gymnasium. Über zwei Drittel gaben an, die Schule zu vermissen und 60 Prozent wird das Homeschooling manchmal zu viel. 20 Prozent sagten, sie lernten zu Hause besser, doch über die Hälfte findet es schwerer, zu Hause zu lernen.

3,3 Prozent haben kein mobiles Endgerät fürs Homeschooling

Vier Prozent haben keinen Rückzugsort und 3,3 Prozent verfügen über kein mobiles Endgerät, um am Online-Unterricht teilnehmen zu können. Als positiv werteten einige Kinder, dass der Unterricht digital anders aufbereitet wird und sie neue Fähigkeiten wie Skypen gelernt haben.

Axel Tabertshofer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Sport, stellte vor, wie die Kinder und Jugendlichen ihre Freizeit verbringen. Sein Fazit: „Insgesamt geben sie ein aktives und beschäftigtes Bild ab.“ Die überwiegende Mehrheit verbringe einen Teil ihrer Freizeit draußen mit Freunden, viele gaben an, Sport zu machen. Fahrradfahren und Fußball stehen hoch im Kurs.

Wunsch nach mehr Tempo bei Digitalisierung der Schulen

Andererseits beschäftigen sich die Kinder auch drinnen, mit Malen, Basteln und Musik. Wer Fernsehen und Zocken angab, nannte auch Beschäftigungen draußen. Nur vereinzelt hätten Kinder mitgeteilt, sie hätten keine Kontakte oder wüssten nichts in ihrer Freizeit anzufangen.

Dazu befragt, was sie als Oberbürgermeister anders machen würden, antworteten die Kinder sehr heterogen. Die einen hätten gern strengere Corona-Maßnahmen, die anderen gar keine, berichtete Susann Göhler-Krekosch. In puncto Digitalisierung herrscht Einigkeit: In die digitale Ausstattung der Schulen, Kinder- und Ferienzeit sollte mehr investiert werden. Busse sollten weniger überfüllt fahren und Masken kostenlos verteilt werden.