Können Weihnachtsgottesdienste stattfinden? Wenn ja, wo? Und wie? Vor diesen Fragen stehen Gläubige wenige Tage vor Heilig Abend. Ein weiteres Mal kann das christliche Fest aufgrund der Pandemie nicht im üblichen Rahmen gefeiert werden, dicht an dicht gedrängte Menschenmengen sind undenkbar. Fest steht für die Kirchengemeinden in Radolfzell dennoch: Es soll auf jeden Fall etwas angeboten werden.

Gemeinschaft erleben

„Weihnachten findet statt“, betont der katholische Pfarrer Heinz Vogel. Selbst für Menschen, die nicht persönlich einen Gottesdienst besuchen, könne das Wissen tröstlich sein, dass sich eine Gemeinschaft trifft, „dass man da eine Verbundenheit spürt“. Laut der Gemeindereferentin Franziska Shumba sei es zudem wichtig, dass etwas angeboten werde für Menschen, die ansonsten an Weihnachten alleine seien. Und auch Christian Link, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde sagt: „Es ist so wichtig, dass wir uns immer wieder vergewissern, wir sind nicht alleine und werden nicht alleine gelassen.“ In Gottesdiensten lasse sich Gemeinschaft erleben. „Wir nehmen etwas mit fürs Herz“, ist sich Link sicher.

Sowohl in der katholischen, als auch in der evangelischen Kirche soll es darum an Heilig Abend und den Weihnachtsfeiertagen Gottesdienste geben. Die Planungen dafür laufen bereits – auch, wenn eine kleine Unsicherheit mitschwingt, ob alles schlussendlich so möglich ist, wie vorgesehen. „Wir hoffen, dass die aktuellen Corona-Regeln dann noch gelten“, sagt Christian Link. Auch Heinz Vogel betont, es sei „alles ohne Gewähr“. Über mögliche kurzfristige Änderungen können Gläubige sich auf den Internetseiten der Kirchengemeinden informieren.

Keine Anmeldung bei katholischen Gottesdiensten

Nach der aktuellen Corona-Verordnung müssen in Gottesdiensten zwar Masken getragen und Abstände eingehalten werden, geimpft oder getestet muss dagegen keiner sein. Dafür kann auch die Gemeinde mit Masken wieder singen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr will die katholische Seelsorgeeinheit dieses Mal sogar auf Anmeldungen für die Christmetten verzichten. Der Andrang sei 2020 gar nicht so groß gewesen wie im Vorfeld gedacht, sagt Pfarrer Vogel. Pastoralreferent Clemens Trefs ergänzt: „Wir hatten letztes Jahr Gottesdienste mit Anmeldungen, um in Nachhinein festzustellen, dass das fast nicht nötig war.“

Weil aber die Abstände in den Kirchen eingehalten werden müssen, kann es sein, dass durch die fehlende Anmeldepflicht in diesem Jahr bei einem zu großen Andrang Personen abgewiesen werden müssen, sobald die Kapazitäten erschöpft sind. Franziska Shumba bittet um Verständnis. „Wir möchten keinen heim schicken“, sagt sie. Aber der Platz ist begrenzt.

Keine Krippenfeier – aber Offene Kirchen

Die katholische Krippenfeier in der Kernstadt kann außerdem wegen Corona zum zweiten Mal nicht stattfinden. „Das ist schade“, bedauert Gemeindereferentin Sigrid Billi. Alternativ lädt die Seelsorgeeinheit am 24. Dezember nachmittags in die Kirche St. Meinrad und ins Münster ein. Dort können dann etwa Kerzen angezündet werden, es soll Licht und Musik sowie Impulse zum Nachdenken geben, erklärt Billi. Und Franziska Shumba lädt ein: „Man kann gerne in jeder Kirche die Krippen anschauen kommen.“

Ein gemeinsames Singen vom Balkon, wie es an Heilig Abend 2020 stattfand, ist in diesem Jahr laut Heinz Vogel nicht geplant. „Das war eine schöne Erfahrung“, sagt der Pfarrer. Allerdings sei die Aktion aus der Not heraus entstanden, weil in der Kirche nicht gesungen werden konnte.

Anmeldungen zum Teil für evangelische Gottesdienste

Die evangelische Kirchengemeinde will wie schon im vergangenen Jahr in der Kernstadt am Konzertsegel feiern – nach vorheriger Anmeldung. 400 Personen haben laut Pfarrer Christian Link Platz. Damit die Abstände eingehalten werden, werden für die Gottesdienstbesucher mit Sprühkreide feste Bereiche auf den Boden gezeichnet.

Im Rahmen des Gottesdienstes um 16.30 Uhr ist sogar ein Krippenspiel geplant. Außerdem hat sich der evangelische Pfarrer wie im vergangenen Jahr auch schon etwas ganz Besonderes für Gläubige überlegt, die nicht an den Veranstaltungen teilnehmen können: Bereits im Vorfeld hat er auf dem Linsenbühlhof oberhalb von Böhringen in einem Stall einen Gottesdienst auf Video aufgenommen, dieses soll ab dem 24. Dezember auf der Internetseite der Christusgemeinde zur Verfügung gestellt werden.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag soll zudem ein Baustellengottesdienst in der Christuskirche stattfinden. Es stehen keine Toilette und keine Stühle zur Verfügung. Im Gegensatz zu den Angeboten am Konzertsegel sei dafür aber keine Anmeldung geplant. 100 Personen können teilnehmen.

Am Bauzaun neben der Christuskirche sind Bilder der Weihnachtsgeschichte angebracht. Über einen QR-Code können dazu Texte gelesen werden.
Am Bauzaun neben der Christuskirche sind Bilder der Weihnachtsgeschichte angebracht. Über einen QR-Code können dazu Texte gelesen werden. | Bild: Marinovic, Laura

Stationenweg und Bauzaun-Bilder

Zudem gibt es auch in der Vorweihnachtszeit in Radolfzell schon einiges zu erleben: Im Münster wurde ein adventlicher Stationenweg aufgebaut. Und am Bauzaun vor der Christuskirche wurden Bilder von der Weihnachtsgeschichte aufgehängt. Über einen QR-Code können dazu Texte gelesen werden. Wie Christian Link erklärt, soll dies als Ersatzangebot dienen, weil durch die Baustelle die Christuskirche selbst nicht besucht werden kann. „An Weihnachten sind die Leute gerne gekommen und haben die Krippe und den Christbaum angeschaut. Das ist erst wieder im nächsten Jahr möglich“, so der Pfarrer.