Es war ein abenteuerliches und kurioses Vorhaben: Im Frühjahr 2019 brach der ehemalige Steißlinger Peter Theismann von Südspanien aus auf, um rund 1500 Kilometer nach Deutschland zu wandern und dort nach einem Zwischenstopp in Radolfzell eine Festanstellung als Mitarbeiter im Liftbetrieb in Balderschwang anzutreten. Der Grund für den langen Fußmarsch: Seine beiden Esel Amparo und Sancho, die er in Spanien adoptiert hatte und die in Deutschland mit ihm zusammen ein neues Zuhause finden sollten. Der SÜDKURIER berichtete damals.

Seitdem ist mehr als ein Jahr vergangen. Im Oktober 2019 erreichte Peter Theismann schließlich Balderschwang – allerdings ohne wie ursprünglich geplant seine Eltern in Radolfzell zu besuchen. Es war nicht die einzige Sache, die anders lief als ursprünglich gedacht, wie Theismann heute erzählt: Statt mit zwei Eseln sei er nur mit einem in Deutschland angekommen, denn die Eselsdame Amparo habe er auf einem Hof in Spanien lassen müssen. Die lange Reise war zu anstrengend für sie. „Sie war zu alt.“

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Übrig blieben er und der Esel Sancho, der als Fohlen zu ihm kam – und nur noch ein Teil des Gepäcks, denn für Sancho wäre es zu anstrengend geworden, auch Amparos Anteil zu tragen. Und noch etwas war ganz anders geplant, als es schlussendlich kam: Eigentlich wollten Mensch und Esel in Deutschland auf einem Bauernhof leben, den Theismanns neuer Arbeitgeber in Balderschwang anmieten sollte – daraus sei aber schlussendlich nichts geworden. Stattdessen habe Sancho hauptsächlich auf einem Eselhof gelebt, etwa 80 Kilometer von Peter Theismanns Arbeitsstelle entfernt.

Esel Santo war mit Peter Theismann lange unterwegs.
Esel Santo war mit Peter Theismann lange unterwegs. | Bild: Peter Theismann

„Ich vermisse die Rumwanderei“

Allzu lange waren die beiden immerhin nicht getrennt: Nach dem Ende der Wintersaison lebten sie zunächst bei einer Bekannten im Allgäu, von dort aus wollten sie im Frühjahr eigentlich zu einer Wanderung nach Italien aufbrechen und weiter nach Griechenland oder Spanien laufen – denn Peter Theismann treibt es erneut in die Ferne. „Ich vermisse die Rumwanderei“, sagt er. „Mich zieht es immer weiter.“ Und außerdem gehöre Sancho nach Spanien. Das Gras in Deutschland sei im Vergleich zu dem in Andalusien, an das der Esel gewöhnt sei, zu proteinhaltig – das mache Sancho krank.

Das Problem: Aufgrund Sanchos gesundheitlicher Probleme habe sich die geplante Wanderung immer weiter nach hinten verschoben – und dann kam Corona, die Pläne fielen ganz ins Wasser. Peter Theismann zog vorübergehend bei seinen Eltern in Radolfzell ein, mittlerweile arbeitet er in der Lochmühle bei Eigeltingen und wohnt gemeinsam mit Sancho auf der dortigen Anlage. Über den Winter will er zu seiner alten Stelle nach Balderschwang zurückkehren – und dann im Frühjahr erneut entscheiden, ob und wohin er und Sancho wandern können.

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