Bevor es in den Kindergarten geht: erst noch ein Teststäbchen in den Mund oder in die Nase – auch die Kleinsten haben in den vergangenen zwei Wochen bei Corona-Testungen mitgemacht. Drei städtische und zwei private Kindergärten beteiligten sich an einem Pilotprojekt der Stadt Radolfzell. Die Testung für die Kinder und Erzieherinnen war freiwillig. Der Gesamtelternbeirat der Kindertagesstätten (GEB Kita) unterstützte die Durchführung der Testphase. Sollte eine Testung für alle Kindertagesstätten vorgesehen werden, will er sich dafür einsetzen, dass für den Besuch der Kita nicht zwingend ein negatives Testergebnis erforderlich ist, sondern das Testen freiwillig bleibt und zu Hause durchgeführt werden kann.

Die Testphase lief in der Entdeckerkiste, in der Kinderkrippe Seepferdchen, im Kinderladen Seehund sowie in den Kindergärten Güttingen und Liggeringen. Die Tests für Erzieherinnen seien gut angenommen worden, berichtete Julia Birster, Vorsitzende des GEB Kita in der Mitgliederversammlung, die als Videokonferenz stattfand. Es sei ein symptomfreier positiver Fall aufgetreten. Von zugeschalteten Eltern, deren Kinder die Einrichtungen besuchen, die an der Testphase teilnahmen, kam ein überwiegend positives Echo.

Auf das Testergebnis musste etwa 15 Minuten gewartet werden

Viele Familien hätten die Tests an ihren Kindern vorgenommen. Kinder unter drei Jahren konnten zu Hause mit einem sogenannten „Lolli-Test“ untersucht werden. Dazu wird mit einem breiteren Stäbchen Speichel aus dem hinteren Mundbereich abgestrichen. Das Kind sollte das Stäbchen über eine Minute im Mund haben. Für die über Dreijährigen war ein Spuck- und Nasaltest vorgesehen, der von den Eltern im Foyer des Kindergartens unter Anleitung der Erzieherinnen durchgeführt wurde. Auf das Testergebnis musste etwa 15 Minuten gewartet werden. Bis dahin warteten die Eltern mit ihren Kindern im Auto oder sie drehten noch eine Runde um den Kindergarten.

Die Testung im Kindergarten sahen einige Eltern als kritisch an. Manchmal sei es im Foyer eng gewesen. Auch sei es nicht sinnvoll, dass sich mehrere Eltern mit ihren kleinen Kindern 15 Minuten in der Nähe der Einrichtung aufhalten. Die Situation verleite zu mehr Kontakten als aktuell erlaubt ist. Ferner befürchten berufstätige Eltern, nicht rechtzeitig an ihren Arbeitsplatz zu kommen, wenn sie 15 bis 20 Minuten für den Test investieren. Zum Abschluss des Projekts soll es Gespräche auf Stadt- und Landkreisebene geben, informierte Julia Birster.

Testung für die Kinder soll nur minimal invasiv durchgeführt werden.

Die Forderung, dass die Testung freiwillig bleibt, hat Birster bereits in einem offenen Brief an politische Entscheidungsträger im Landkreis formuliert. Den Besuch einer Kindertagesstätte ebenso wie den Besuch der Schule an eine Testpflicht zu knüpfen, sei „unredlich und unverhältnismäßig“. Für Arbeitnehmer bestehe lediglich ein Testangebot.

In dem Schreiben heißt es: „Die Koppelung eines negativen Testergebnisses als Zugangsvoraussetzung für die Kita ist eine Bürde, die Kindern nicht auferlegt werden darf! Der Erfolg der Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie hängt nicht von unseren Kindern ab und das sollte ihnen auch nicht suggeriert werden!“. Außerdem sollte die Testung für die Kinder minimal invasiv durchgeführt werden. Der GEB Kita fordert, dass allen Kindern, auch den über Dreijährigen, Lolli-Tests zur Verfügung gestellt werden, mit denen Eltern ihre Kinder zu Hause testen können, bevor sie sie in die Kita bringen.