Die Männer der Familie Mastrocola aus Radolfzell eint eines: Sie stehen total auf Dreher, Heber und Kempa. Zu wenig Harz als Haftmittel am Ball gibt es für sie nicht. Und sie fühlen sich auf dem 40 auf 20 Meter großen Spielfeld mit seinem Sieben-Meter-Punkt und dem Kreis pudelwohl. „Meine Männer sind absolut handballverrückt“, gibt Mutter Diane Mastrocola, die als Sportlehrerin am Friedrich-Hecker-Gymnasium tätig ist, mit einem Lächeln zu.

Den Handball im Blut

Einer ihrer Jungs könnte nun vor dem ganz großen Wurf stehen. Luca Mastrocola ist 18 Jahre alt und wechselt im August zum deutschen Serienmeister THW Kiel. Aber auch ihr jüngster Sohn, der 14-jährige Matteo, hat vor zwei Jahren bei den Star-Exzellenzwochen des THW, einer Art Sichtungstraining, bereits auf sich aufmerksam gemacht.

Wenn Bälle durch die Wohnung fliegen

Begonnen hat für Luca und Matteo alles einen Steinwurf von ihrem Zuhause entfernt: in der Unterseehalle in Radolfzell. Ihre ersten Sprungwürfe und Körpertäuschungen erlernten sie beim HSC Radolfzell. Das Handballspielen haben sie von ihrem Vater Robert, der selbst aktiver Handballer war, in die Wiege gelebt bekommen. „Als ich ein Kind war, habe ich alles, was meine Eltern mir in die Hand gaben, durch die Wohnungen geworfen“, erinnert sich Luca. In die linke Hand, was unter Handballern die begehrtere Wurfhand ist, da sie nicht so häufig vorkommt. Vom HSC ging es im Anschluss dann zur HSG Konstanz. Dort spielte Luca bis zur nun abgebrochenen Saison. Allerdings nicht regelmäßig, denn eine Knieoperation zwang ihn zu einer längeren Pause.

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Beim den Radolfzeller Handballern ist man stolz, dass ein waschechter HSCler den Sprung zum THW Kiel geschafft hat, wie Karola Rösch vom HSC Radolfzell erklärt. Sie war bei den Minis mitunter die erste Trainerin der Mastrocolas. „Das Talent der beiden hat man schon früh gesehen. Handball hat Luca und Matteo einfach von Anfang an Spaß gemacht – das sieht man noch heute“, sagt sie. Die beiden Radolfzeller Brüder habe man eigentlich immer in der Unterseesporthalle gesehen. „Beim Sprungwurf oder Sieben-Meter-Werfen“, so Rösch weiter.

Wurfgewaltig aus dem rechten Rückraum: Bei der HSG Konstanz trug der Radolfzeller Luca Mastrocola die Rückennummer 18. Die hat aktuell beim THW Kiel Niklas Ekberg – ebenfalls wie Luca ein Linkshänder. Bild: Bernd Renner
Wurfgewaltig aus dem rechten Rückraum: Bei der HSG Konstanz trug der Radolfzeller Luca Mastrocola die Rückennummer 18. Die hat aktuell beim THW Kiel Niklas Ekberg – ebenfalls wie Luca ein Linkshänder. Bild: Bernd Renner | Bild: privat

Und nun also in den hohen Norden, nach Kiel in die Sparkassen-Arena. Den Traum vom Profihandballer leben. Doch Luca bremst: „Erst einmal steht mein Abitur an“, sagt das aussichtsreiche Talent. Bei diesen Worten huscht ein Lächeln über das Gesicht von Mutter Diane. Sie selbst ist davon überzeugt, dass ihr Sohn den Sprung in die Bundesliga schaffen kann, wenn er fleißig trainiert, hart an sich arbeitet und wenn er auch das nötige Quäntchen Glück besitzt, verletzungsfrei zu bleiben. Sie weiß: Nur die allerwenigsten schaffen es im Handball in den Profibereich. „Wir wurden vom THW Kiel super beraten, einen Vertrag gibt es dort im Juniorenbereich nicht. Und alle Verantwortlichen haben uns klar gemacht, dass Schule vor geht.“ Sie sei froh, dass Luca auch in eine andere Richtung schaue. „Es muss einen Plan B geben“, sagt sie.

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Und den hat Luca auch: Erst einmal wird er in der A-Jugend auf Punkte- und Torejagd gehen. Neunmal die Woche wird trainiert. Zwei Einheiten am Morgen, zwei am Mittag und jeden Abend. Zeitgleich beginnt der Radolfzeller beim THW ein freiwilliges Soziales Jahr. Danach soll studiert werden. „Was genau weiß ich noch nicht, aber irgendwas in Richtung Sport“, sagt er.

Erstligisten standen Schlange

Vor einem Jahr flatterte das Angebot von Kiel herein. Klaus-Dieter Petersen, ehemaliger Bundesliga- sowie Nationalspieler und aktuell Nachwuchskoordinator beim THW Kiel, überbrachte es. Aber die Mastrocolas schlugen aus – vorerst. „Erst Schulabschluss, dann Wechsel“, lautete ihr Plan.

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Und Angebote für den Linkshänder gab es reichlich: Der TVB Stuttgart und die HBW Balingen-Weilstetten waren ebenfalls an einer Verpflichtung interessiert. „Keiner dieser Vereine hat mir aber Flausen in den Kopf gesetzt und behauptet, dass sie aus mir einen Superstar machen“, erzählt Luca. Auch einen Vertrag hat er noch nicht unterschrieben. „Aber die Chance sich über die U23-Mannschaft für Höheres zu empfehlen, besteht.“

Mastrocola-Brüder haben viel vor

Einer, der ganz fest an den Erfolg von Luca glaubt, ist sein kleiner Bruder Matteo, der mittlerweile ebenfalls in der B-Jugend der HSG Konstanz auf Tore- und Punktejagd geht: „Luca ist schon ein kleines Idol von mir.“ Matteo hoffe, dass er in den nächsten Jahren einen ähnlichen Weg einschlagen werde. Aber Druck mache er sich keinen. Ähnlich wie Luca. „Wir sind keine Träumer. Eigentlich wollen wir beide einfach nur Handballspielen„, betont er. Um dann doch noch einen kleinen Wunsch hinter herzuschieben: „Aber es wäre der Wahnsinn wenn ich irgendwann einmal in der Zeitung lesen würde: Die Mastrocola-Brüder gewinnen die Meisterschaft.“ Sollte dies Realität werden, sind ihre Eltern Diane und Robert natürlich auf der Tribüne mit dabei und feuern ihre Jungs an.