Unter dem Motto #TraditionenRetten steht auf der Spendenseite geschrieben: „Da wir dieses Jahr und auch 2020 keine Einnahmen haben, stehen wir aktuell vor einem Scherbenhaufen. Wir wissen nicht, wie wir das Pandemiejahr 2021 überstehen sollen.“ Eine laute Sirene untermalt im Video die Situation, in der sich die Froschen offensichtlich befinden. Am Ende des etwa einminütigen Videos ist zu lesen: „Bitte helft uns.“

Die gute Nachricht ist, ganz so dramatisch sieht es aktuell dann doch noch nicht aus. „Die Geldnot kam zustande, weil im vergangenen Jahr kein Brunnenfest stattfand, wir unser Stüble nicht vermieten konnten und die Zunft trotzdem über das gesamte Jahr hohe Ausgaben hatte“, erläutert Annette Wrzeszcz, die Präsidentin der Froschenzunft.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch wenn die Zunft die aktuelle Flaute überbrücken könne, ein Dauerzustand sollte es trotzdem nicht werden. „Denn dann haben nicht nur wir schlechte Karten, sondern auch andere Zünfte und Vereine“, glaubt die Präsidentin.

Zur Spendenseite und dem Video

Zur Aktion kam es, indem sich ein Nicht-Zunftsmitglied bei Wrzeszcz meldete: „Wir kamen durch eine Privatperson auf die Idee, eine Spendenaktion zu starten.“ Sie sei begeistert von der Idee gewesen und habe keine Argumente gefunden, das Angebot abzuschlagen. Bis das Videomaterial dann schlussendlich zusammengestellt und die Spendenseite eingerichtet war, dauerte es einige Tage.

„Wir sind froh, dass wir es gerade noch rechtzeitig zum Ende der diesjährigen Fasnacht geschafft haben, das Video zu veröffentlichen“, freut Annette Wrzeszcz sich. Ihr Ziel sei es, mit den Spenden die laufende monatliche Kosten für die Zunft zu decken.

Die Froschenkapelle betrifft die Spendenaktion nicht. Kapellen-Manager Alexander Weidele erklärt: „Ich habe von der ganzen Sache selbst nur über eine Whatsapp-Gruppe erfahren.“ Die Froschenkapelle habe zwar bereits Absagen für anstehende Konzerte bekommen, stehe finanziell bis jetzt aber noch „einigermaßen stabil“ da.

Die Meinung der Alt-Präsidenten

Bernd Steinhäusler war von 1981 bis 1993 Präsident der Froschenzunft Radolfzell. Während seiner Amtszeit hat es noch keinen Spendenaufruf gegeben, sagt er heute. „Damals waren die Mitgliederzahlen und somit die Ausgaben noch überschaubarer als jetzt.“ Auch, dass jedes Mitglied zu allen Entscheidungen seine Meinung äußert, helfe nicht immer. Alt-Präsident Willy Cierpinsky war bis 2001 im Amt.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch zu dieser Zeit gab es keine Spendenaufrufe. „Im Jahr 1991 ist die Fasnacht zwar ausgefallen, aber da waren die finanziellen Gegebenheiten für Zünfte noch nicht so schwierig wie heute.“ Heute gebe es höhere Kosten für viele Aktivitäten. „Seit zehn Jahren etwa wird es so immer schwieriger für die Zünfte.“