In vielen Stunden Arbeit wurde jetzt von freiwilligen Helfern eine historische Schanzablage aus dem 30-jährigen Krieg in Güttingen wieder freigelegt. Über die Jahre ist der Verteidigungswall, der vermutlich im Jahr 1632 angelegt wurde, immer mehr zu einem Ablageplatz für Gartenabfälle und Müllablagerungen aller Art geworden. Zusätzlich sorgte Pflanzenbewuchs für ein unübersichtliches Terrain, das Laien so nie als ein historisch wertvolles Zeugnis aus der Vergangenheit aufgefallen wäre.

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Das soll und wird sich nun ändern. Auf die Initiative des Güttinger Bürgers Andreas Bohl haben er und Helfer aus dem Narrenverein der „Schimmelreiter“ den Bereich nun wieder freigeräumt, so dass der ursprüngliche Charakter des Ortes erkennbar ist.

Initiator Andreas Bohl an der freigelegten Güttinger Schanzanlage. Bild: Gerald Jarausch
Initiator Andreas Bohl an der freigelegten Güttinger Schanzanlage. Bild: Gerald Jarausch | Bild: Jarausch, Gerald

Für Andreas Bohl war die Aktion eine Herzensangelegenheit: „Ich bin mit dem Dorf verbunden. Viele wissen gar nicht, was dort ist. Die Anlage ist nicht mehr im Bewusstsein der Menschen“, sagte er auf dem Termin mit den beteiligten Behörden und Vertretern des Ortschaftsrates. Zusammen mit seinem Sohn Moritz Bohl, der als Landschaftsgärtner tätig ist, und dem befreundeten Bauunternehmen Nikifor hat Andreas Bohl unter Zuhilfenahme von Baggern den Verteidigungswall so freigelegt, dass er in etwa wieder die ursprünglichen Dimensionen aufweist. Dabei haben sie rund 240 Kubikmeter Material bewegt.

Anlage aus dem 30-jährigen Krieg

Auf rund 150 Metern Länge hat die Stadt Radolfzell im 30-jährigen Krieg einen etwa vier Meter hohen Wall errichten lassen, um sich gegen die von Norden heranstürmenden Truppen der Württemberger und Schweden zu verteidigen. Sie befindet sich oberhalb und nördlich des Güttinger Friedhofs, wo sich ein Waldparkplatz befindet.

Viel Lob vom Kreisarchäologen

„Die Stelle ist ideal gewählt“, befand Kreisarchäologe Jürgen Hald vor Ort. „Das ist die einzige Stelle, an der man nicht über einen Berg oder durch feuchte Auen musste“, führte er weiter aus. Noch mehr Lob hatte er für das Engagement und das handwerkliche Können von Andreas Bohl und seinen Helfern übrig: „Das war wirklich sehr gute Arbeit“, sagte er dem Initiator. Der Kreisarchäologe hatte die Arbeiten von Anfang an begleitet, allerdings keine neue Messungen vorgenommen, da die Anlage als solche bekannt ist.

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Allerdings habe er beim zuständigen Landesdenkmalamt einen höheren Status beantragt. Die Schanzanlage soll in Zukunft ein eingetragenes Kulturdenkmal werden. Das hat seinen Grund: „Das ist eine der wenigen, so gut erhaltenen Anlagen im Landkreis, an der auch Laien die Verteidigung nachvollziehen können“, sagte er. Damit verbunden ist auch ein Erhaltungsauftrag an die Gemeinde.

Tafel soll Informationen liefern

Die möchte zunächst mit einer Informationstafel vor Ort auf die Schanzanlage hinweisen und die Hintergründe erklären. Dazu soll auch der Hinweis auf den Narrenverein „Schimmelreiter“ gehören, die sich mit ihrem Namen auf ein Ereignis, dass sich an der Schanzanlage abgespielt haben soll, beziehen: Einer alten, mündlich überlieferten Sage nach soll dort ein schwedischer Offizier, auf einem Schimmel reitend, an der Schanz zwischen Güttingen und Stahringen im Kampf geköpft worden sein. Dieser Soldat soll der Sage nach dort begraben sein und des Nachts als Geist erscheinen. Der Wahrheitsgehalt dürfte beschränkt sein. Laut dem Historiker und Stadtrat Christof Stadler wurde „der Wall vermutlich nie gebraucht. Die haben vorher alle das Weite gesucht“, ließ er beim Ortstermin wissen.

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