Nachdem viele Häfen am Bodensee ihre Sanitärgebäude erneuert haben, möchte auch Gaienhofen seine Hafenmeisterei umbauen und erweitern. Zeitgemäße sanitäre Anlagen seien ein Qualitätsmerkmal und Aushängeschild einer Seegemeinde, so Bürgermeister Uwe Eisch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats von Gaienhofen.

Hierbei sei es erforderlich, die sanitären Anlagen der Übernachtungsgäste im Hafen von denen der Gastronomie zu trennen. Ganz einig war sich der Rat jedoch nicht: Es gab massive Kritik an der Kostenhöhe, am Ende gab es neben elf Ja- auch vier Nein-Stimmen.

Sanitäranlagen für Liegeplatznutzer und Lagerfläche für den Kiosk

In dieser Saison wurden der Öffentlichkeit bereits neue Anlagen im Erdgeschoss mit behindertengerechten Toiletten übergeben. Nun soll das Dachgeschoss über den Winter hinweg mit einem separaten Zugang für die Liegeplatznutzer am Hafen umgebaut und Duschen sowie Toiletten-Anlagen eingebaut werden.

Das Hafengebäude am Landungssteg von Gaienhofen: Die sanitären Anlagen im Erdgeschoss sind saniert, nun soll das Dachgeschoss der Hafenmeisterei mit Duschen für die Liegeplatzinhaber erweitert werden.
Das Hafengebäude am Landungssteg von Gaienhofen: Die sanitären Anlagen im Erdgeschoss sind saniert, nun soll das Dachgeschoss der Hafenmeisterei mit Duschen für die Liegeplatzinhaber erweitert werden. | Bild: Georg Lange

Gleichzeitig soll die Lagerfläche für den Kiosk erweitert werden. Für die zweite Bauphase stellte der Rat 122.000 Euro bereit. Die vom Gemeinderat angemahnte Obergrenze in Höhe von 240.000 Euro an Gesamtkosten sollen nicht überschreiten werden.

Gebäude ist 30 Jahre alt

In der Aussprache der Gemeinderäte lag Heinz Burkarts (UBL) Interesse bei der Statik und dem Brandschutz des über 30 Jahre alten Hafengebäudes. Das Obergeschoss der Hafenmeisterei sei einst als Lagerraum für hohe Lasten konzipiert worden, erklärte Architekt Jörn Thamm.

Und da die Nutzungseinheiten unterhalb eine Fläche von 400 Quadratmetern lägen und sich im Hafengebäude nicht ständig Menschen aufhalten würden, seien die Brandschutzauflagen nicht so hoch wie für die neue Tourist-Information der Gemeinde.

„Die Aussicht auf den See zieht ebenso die Männer an das Geschirrspülbecken“

Eine Gaube mit Blick auf den See hat für den Gemeinderat Ingo Bucher-Beholz (UBL) sowohl sakralen Charakter als auch emanzipatorischen Nutzen: „Die Aussicht auf den See zieht ebenso die Männer an das Geschirrspülbecken“, so der Gemeinderat.

Ingo Bucher-Beholz (UBL): „Die Aussicht auf den See zieht ebenso die Männer an das Geschirrspülbecken.“
Ingo Bucher-Beholz (UBL): „Die Aussicht auf den See zieht ebenso die Männer an das Geschirrspülbecken.“ | Bild: privat

Er zeigte sich irritiert, dass die Gaube in der neuesten Planung entfallen sei. Optisch betrachtet seien Walmdächer für Bucher-Beholz eine Art von „Schlumpf-Mütze, die zu tief sitzen würden“. Mit der neuen Gaube zum Eingang hin würde sich dieser Charakter radikal brechen, der auch auf der Seeseite fortgesetzt werden könnte. Dadurch könne die Veränderung des Gebäudes spürbar werden.

„Ein Ferrari unter den Klohäusern„

Die Gaube sei wegen der hohen Kosten erstmal gestrichen worden, so der Architekt. Er wolle bei einer Weiterbeauftragung Varianten mit Dachfenstern und einer Gaube vorstellen.

Für Felix Lang (UBL) ist die Höhe der Baukosten ein Problem: „Das ist eine wahnsinnige Summe, um eine Art Ferrari der Klohäuser umzusetzen“, so Lang. Den Vergleich zum Hafen von Langenargen durch Bürgermeister Eisch konterte er mit dem Hinweis, dass dieser deutlich mehr Liegeplätze habe.

Felix Lang (UBL): „Das ist eine wahnsinnige Summe, um eine Art Ferrari der Klohäuser umzusetzen.“
Felix Lang (UBL): „Das ist eine wahnsinnige Summe, um eine Art Ferrari der Klohäuser umzusetzen.“ | Bild: Jahnke

Mechtild Bichele (CDU) wollte wissen, in welcher Höhe Kosten im Vergleich zum ersten Entwurf eingespart wurden. Der Ausbau des Dachgeschosses wurde ursprünglich mit knapp 150.000 Euro beziffert, so der Architekt: Nun liege er bei rund 120.000 Euro. Durch die Verringerung des Raumvolumens hätten sich die Kosten minimiert. Eine detaillierte Kostenberechnung werde er nach der Auftragsvergabe nachreichen.

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Bürgermeister Uwe Eisch erinnerte an die Vielzahl von Beschwerden, die in dieser Saison eingegangen seien. Sie seien ein Zeichen dafür, dass ein Hafen nach der Qualität der sanitären Anlagen beurteilt werde. In dieser Saison entfiel die separate Anlage für Liegeplatznutzer. Es sei unzumutbar, wenn frühmorgens jemand in verschmutzen WC-Anlagen Zähne putzen und Geschirr abzuwaschen habe, so Uwe Eisch.

Dass eine Anlage gewissen Anforderungen entsprechen solle, darin sei man sich einig, so Mechtild Bichele (CDU): Doch zwischen ordentlicher Anlage und einer Ferrari-Version gebe es noch eine gewisse Spannbreite.

Stefan Riedmann (Freie Wähler) verwies auf den in seinen Augen „katastrophalen Zustand“ des Hafens in Hemmenhofen und pochte auch auf dessen Erneuerung. „Ich bin sofort dabei“, fügte Eisch hinzu: Man solle an solche Dinge herangehen, wenn sie in die Jahre gekommen seien. Es liege nun am Rat, da er den Haushalt berate, spielte Eisch den Ball zurück.

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