Was ist der Mensch ohne die Tiere? Eine Frage, die der Tierschutzverein in Radolfzell auf seiner Internetseite stellt. In genau jenem Tierheim hätte man diese Fragestellung bis vor ein paar Tagen aber auch genauso gut ein wenig umformulieren können: Was sind die Tiere ohne Berthold Keller? Denn der Tierliebhaber und Vorsitzende des Tierschutzvereins steckte sein ganzes Herzblut in diese Aufgabe.

Ein „herzensguter Mensch“

Doch am vergangenen Samstag ist der 64-Jährige „aus heiterem Himmel“ verstorben, wie das Tierheim in den sozialen Netzwerken schreibt. Der ehemalige Mitarbeiter der Sparkasse in Radolfzell hinterlässt eine Lebensgefährtin und Familie. „Worte können nicht beschreiben, welche Lücke du in unserem Team hinterlassen wirst. Wir sind unendlich traurig“ – mit diesem emotionalen Eintrag verabschieden sich die Mitarbeiter des Tierschutzvereins von ihrem Kollegen. „Er war ein herzensguter Mensch und hat sich nie unterkriegen lassen“, erzählt Julia Bierbach. Und die stellvertretende Vorsitzende erinnert sich mit einem lachenden und weinenden Auge: „Wir Kollegen haben ihm sogar mal ein Schlafsofa angeboten, weil er so wahnsinnig viel Freizeit für die Tiere geopfert hat. Er war so gut wie immer präsent.“

Emotionale Gedanken und Worte

Die Anteilnahme in den sozialen Netzwerken ist riesig. Hunderte Menschen sind schockiert, viele davon drücken ihre Gedanken aus. „Ein so toller Mensch, der für die Tiere und den Verein schon so viel bewegt hat und noch bewegen wollte. Ich werde sein humorvolles und tatkräftiges Wesen vermissen“, schreibt ein Facebook-Nutzer. „Ein Mann mit einem großen Herzen, mit großem Tatendrang und ganz viel Liebe für die ihm anvertrauten Tiere“, teilt ein anderer Nutzer mit. Und ein weiterer formuliert: „So ein lieber, engagierter und wertvoller Mensch, der immer alles gegeben hat und noch ein bisschen mehr.“

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Vorsitzender seit Dezember 2017

Berthold Keller war einer, der verschiedenste Aufgaben und Projekte beim Tierschutzverein in Radolfzell in die Hand nahm: „Vom Unkraut jäten an Wochenenden bis zu den Formulierungen unserer Wünsche im Gemeinderat hat Berthold alles gemacht,“ erzählt Julia Bierbach. Er habe immer gesagt: „Wir schaffen das.“ Im Jahr 2012 hat „Berti“, wie er häufig genannt wurde, als damaliger Beisitzer das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Tierschutzheims übernommen. Zum Vorsitzenden wurde er im Dezember 2017 gewählt. „Seit 2017 hatten wir diese gewünschte Konstellation. Wir waren zusammen eine richtige Tierheimfamilie, ein tolles Team“, sagt Julia Bierbach.

Viele verschiedene Aufgaben

Mit vollem Elan sei er in sein Amt gestartet. Sehr am Herzen lag ihm, das Tierheim in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Kinder und Jugendliche wollte er für den Tierschutz und die Arbeit des Heimes begeistern. „Er kannte sehr viele Menschen, der Bezug zu den Leuten war ihm sehr wichtig“, so die stellvertretende Vorsitzende. Aber auch Verhandlungen mit dem Veterinäramt und den Kommunen habe er geführt. Zudem habe er sich von Beginn an darum gekümmert, das „wir finanziell nicht mehr mit dem Rücken zur Wand stehen“, erzählt Bierbach und ergänzt: „Mit viel ehrenamtlicher Arbeit haben wir das geschafft. Berthold hat da einen Riesenanteil dran.“

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Einer, der für die Tiere gelebt hat

Julia Bierbach, die nun kommissarisch das Amt des Vorsitzenden übernehme, schätzte seinen Eifer. Für nichts sei er sich zu schade gewesen: „Bei handwerklichen Aufgaben sagte er meist, er sei doch Bänker und habe zwei linke Hände. Er hat des aber dann doch immer in die Hand genommen und ist in seiner Aufgabe, für die Tiere da zu sein, richtig aufgeblüht. Er hat da draußen im Tierheim gelebt“