Die durch die Corona-Pandemie beeinträchtigte Saison hat sich für die Hoteliers am Bodensee im vergangenen Jahr am Ende noch als recht gut erwiesen. Auch wenn sie einen Buchungsrückgang von 17,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr hatten verbuchen müssen, kamen die Betreiber am Ende der Saison noch mit einem blauen Auge davon. Ein Grund war nicht zuletzt die starke Nachfrage nach Unterkünften bis in den Spätsommer hinein.

Auf eine solche Entwicklung hoffen die Hotelbetreiber auch in diesem Jahr, denn die ersten Monate des Jahres seien aus ihrer Sicht bereits komplett verloren, wie zum Beispiel Christian Dreher vom Hotel Zur Schmiede in Radolfzell sagt. Eine insgesamt noch positive Stimmung fasst Nina Hanstein, Geschäftsführerin der Tourismus- und Marketing Radolfzell GmbH so zusammen: „Aufgrund der sehr guten Zahlen im Sommer 2020 wird Radolfzell sicher auch in 2021 als Urlaubsort gefragt sein“, sagte sie kürzlich bei der Vorstellung der Übernachtungszahlen für das Jahr 2020 im Gemeinderat.

„Aufgrund der sehr guten Zahlen im Sommer 2020 wird Radolfzell sicher auch in 2021 als Urlaubsort gefragt sein.“Nina Hanstein, Geschäftsführerin der Tourismus­ und Stadtmarketing GmbH
„Aufgrund der sehr guten Zahlen im Sommer 2020 wird Radolfzell sicher auch in 2021 als Urlaubsort gefragt sein.“Nina Hanstein, Geschäftsführerin der Tourismus­ und Stadtmarketing GmbH | Bild: Kuhnle und Knödler

Von einer solchen Entwicklung gehen die Radolfzeller Hotelbetreiber ebenfalls aus. Christian Dreher weiß aus Erfahrung: „Der Sommer ist eigentlich immer gut am Bodensee.“ Gleichwohl müsse er einige Einschränkungen hinzufügen. „Bisher spürt man noch nichts von der Saison“, lautet seine aktuelle Bilanz. Eine Veränderung erwarte er erst dann, wenn ein klarer Termin genannt werde, so seine Einschätzung.

Das sieht auch Carla Schaudt vom Radhotel am Gleis in Markelfingen so. „Das war 2020 ähnlich. Als alles geöffnet wurde, ging es richtig los“, erinnert sie sich. Im Moment hofft sie, dass sich die Gäste nicht abschrecken lassen und ihre Buchungen trotz der immer noch etwas unklaren Lage tätigen. Die Nachfrage sei aktuell bei ihr noch verhalten: „Es zieht langsam an, seit zwei Wochen haben wir vereinzelte Buchungen„, berichtet sie.

„Das war 2020 ähnlich. Als alles geöffnet wurde, ging es richtig los. Seit zwei Wochen haben wir vereinzelte Buchungen.“Carla Schaudt, stellvertretende Hotelleiterin im Radhotel am Gleis
„Das war 2020 ähnlich. Als alles geöffnet wurde, ging es richtig los. Seit zwei Wochen haben wir vereinzelte Buchungen.“Carla Schaudt, stellvertretende Hotelleiterin im Radhotel am Gleis | Bild: Schneider, Anna-Maria

Nicht zuletzt aus arbeitstechnischen Gründen wäre das Buchen zum aktuellen Zeitpunkt sinnvoll. Denn momentan habe sie noch ausreichend Zeit, sich um die Buchungen zu kümmern. Wenn – wie im vergangenen Jahr – die Gäste anreisten und gleichzeitig zahlreiche Buchungen eingingen, werde der Job schnell zu einer stressigen Angelegenheit. Durch die Möglichkeit einer Stornierung seien die Gäste ohnehin auf der sicheren Seite. Im Falle eines erneuten Lockdowns wären Stornierungen bis zum Reiseantritt kostenfrei möglich.

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Etwas anders empfindet Matthias Müller-Kraft vom Hotel Iris am See die aktuelle Situation: „Wir haben Buchungen und Anfragen wie immer in der Saison.“ Viele der Stammgäste hätten bereits gebucht, weshalb er davon ausgeht, dass die Saison ab Mai zufriedenstellend sein werde. „Im Sommer werden wir wieder ausgebucht sein“, ist er überzeugt.

Eine Frage, die auch neun Monate später noch gestellt wird. Ein Banner am Hotell K99 im Mai 2020, als die Hotelerie ebenfalls einer ungewissen Zukunft entgegensah. An dieser Situation hat sich bis heute nicht viel geändert. Bild:Gerald Jarausch
Eine Frage, die auch neun Monate später noch gestellt wird. Ein Banner am Hotell K99 im Mai 2020, als die Hotelerie ebenfalls einer ungewissen Zukunft entgegensah. An dieser Situation hat sich bis heute nicht viel geändert. Bild:Gerald Jarausch | Bild: Jarausch, Gerald

Im Hotel K99 hingegen herrscht aktuell noch eine große Ungewissheit. „Wir werden noch nicht mit Buchungen überrannt“, stellt Direktionsassistentin Cathrin Dietrich fest. Sie erwartet erst wenn die Politik etwas freigebe eine spürbare Veränderung im Buchungsverhalten der Gäste. Was sie in jedem Fall festgestellt habe, sei der Umstand, dass die Firmenkunden zurückhaltend geworden seien. „Die sind supervorsichtig“, sagt sie. Auch Tagungen wollten sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht gut verkaufen. Generell hofft die Direktionsassistentin auf einen guten Verlauf des Sommers. „Es wird wahrscheinlich wieder viel Inlandstourismus geben“, glaubt sie. Bis dahin freue man sich in ihrem Haus über jede einzelne Buchung.