Nina Hanstein, die Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing Radolfzell GmbH, richtet bei aller Sachlichkeit in der Analyse ihren Blick immer auch auf das Positive einer Situation. Natürlich kann ihr die Übernachtungsbilanz des ersten Tourismusjahrs unter den Vorzeichen der Corona-Pandemie in Radolfzell nicht gefallen. Die Stadt hat mit 373.019 Übernachtungen im Jahr 2020 deutlich weniger als 2019, da waren es noch 453.433 Übernachtungen. Das ist ein Abfall von 17,7 Prozent, „doch in Summe haben wir besser abgeschnitten, als erwartet“, sagt Nina Hanstein. Denn damit sei es Radolfzell deutlich besser als vielen anderen Orten in Baden-Württemberg ergangen. Laut Statistischem Landesamt seien die Übernachtungszahlen im Südwesten allein in den ersten neun Monaten um 36 Prozent unter den Vorjahreswerten gelegen.

Die Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing Radolfzell GmbH Nina Hahnstein. Bild: Kuhnle und Knödler
Die Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing Radolfzell GmbH Nina Hahnstein. Bild: Kuhnle und Knödler | Bild: Kuhnle und Knödler

Dennoch möchte Nina Hanstein nichts beschönigen: „Corona hat den Tourismus maximal getroffen, für Hotelerie und Gastronomie sind die Einschnitte eine Katastrophe.“ Hotels, Gasthöfe und Pensionen in Radolfzell haben im Schnitt 22,5 Übernachtungen weniger in ihren Büchern stehen. „Auch die Kur hat es hart getroffen“, sagt Geschäftsführerin Hanstein. Die Übernachtungen mit Kuranwendungen gingen von knapp 138.000 auf 108.000 Übernachtungen zurück, das ist ein Minus von 21,6 Prozent. Da Besucher nur zu einem Bruchteil des Jahres in der Mettnaukur erlaubt waren, ging diese Zahl wenig überraschend um 77,1 Prozent von 5400 Übernachtungen auf 1200 in den Keller.

Das könnte Sie auch interessieren

Dieser Sog nach unten ist vor allem durch die touristischen Übernachtungsverbote in den Corona-Verordnungen im März ausgelöst worden. Als diese Mitte Mai für „autarke Reisemobile“ wieder erlaubt waren und ab Anfang Juni auch alle anderen touristischen Übernachtungen möglich waren, zogen die Zahlen für die Wohnmobilstellplätze und Campingplätze stark an. Die Campingplätze hatten 2020 im Vergleich nur einen ausgesprochen geringen Rückgang von minus 1,5 Prozent zu verzeichnen. Bei den Ferienwohnungen ist der Einbruch wesentlich deutlicher ausgefallen, er ging von 65.790 in 2019 auf 56.384 Übernachtungen in 2020 herunter, das ist ein Minus von 14,3 Prozent.

Die Wohnmobile kommen

Nach der Eröffnung des Wohnmobilstellplatzes auf der Mettnau im Juli 2019 sind die Übernachtungszahlen auf den städtischen Stellplätzen im vergangenen Jahr geradezu explodiert, sie steigerten sich um fast 50 Prozent auf über 17.000 Übernachtungen. Davon fallen alleine 11.750 Übernachtungen auf dem neuen Mettnau-Stellplatz an. „Wohnmobilisten dürfen im Gegensatz zu Campingplätzen hier nicht länger als drei Tage hintereinander stehen bleiben“, erläutert Hanstein. Bei gezählten 4000 Ankünften heißt das, nahezu jedes Wohnmobil, das auf der Mettnau angekommen ist, hat die dreitägige Übernachtungsmöglichkeit dort ausgenutzt.

Bild: Schönlein, Ute

Der Andrang von „autarken“, also in ihrem Wohnmobil von der übrigen Infrastruktur unabhängigen Reiselustigen wird in der Region immer stärker. Diese Form des Reisens schafft am See und im Hinterland Unterbringungsprobleme, weil es nicht so viele Stelleplätze wie Wohnmobile gibt. „Wir sind geradezu überflutet worden, das wilde Campen war die Folge“, berichtet Nina Hanstein. Das sorgt für Unmut, insbesondere, wenn diese Wohnmobilisten ihre Gefährte einfach in Naturschutzgebieten oder auf nicht dafür vorgesehenen Parkplätzen abstellen. Die Tourismus- und Stadtmarketing GmbH will diese Nachfrage in diesem Jahr besser kanalisieren, um solche Auswüchse zu vermeiden: „Wir wollen versuchen, Wohnmobilstellplätze für eine Nacht auch auf privaten Grundstücken auszuweisen“, sagt Nina Hanstein. Erste Gespräche mit Landwirten habe es bereits gegeben. Wie Sabine Hellner vom Tourismusbüro ergänzt, arbeite man an einer Besucherlenkung für Wohnmobilisten in der Region: „Da wollen wir gezielt auf freie Plätze hinweisen.“

Mit Optimismus ins neue Jahr

Die Analyse des Krisenjahrs 2020 stimmt Geschäftsführerin Nina Hanstein, was die Aussichten angeht, zuversichtlich. Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen, weil die Zahlen von Juli bis Oktober die Vorjahreswerte übertrafen. Im August habe es viele Anfragen gegeben, die man nicht hätte bedienen können. Dazu kommt, dass im Pandemiejahr neue Gäste aus ganz Deutschland etwa aus dem Osten und Norden nach Radolfzell gefunden hätten. Das sei der beste Werbeeffekt für die Stadt, glaubt Nina Hanstein: „Die gehen nach Hause und sagen, wie schön es war. Der Saison 2021 blickt die Geschäftsführerin optimistisch entgegen: „Aufgrund der sehr guten Zahlen im Sommer 2020 wird Radolfzell sicher auch in 2021 als Urlaubsort gefragt sein.“