Abstand halten und Mundschutz gehören zum Urlaub 2020 dazu. Die Tourismussaison steht unter verschärften Corona-Auflagen und dennoch ist man in der Tourismus und Stadtmarketing GmbH (TSR) mit dem Sommer zufrieden. „Im Prinzip ist die Saison bisher touristisch gesehen sehr gut gelaufen“, bilanziert TSR-Geschäftsführerin Nina Hanstein. Aber das Gästebild sei in diesem Jahr ein anderes gewesen: „Es gibt viele Kennzeichen, die wir in den Vorjahren selten hier bei uns in Radolfzell gesehen haben.“

Marc Rodenbücher (rechts) von der TSR gibt dem Gast Julius Schmidt in den neuen Räumlichkeiten in der Seestraße Tipps für seinen Aufenthalt in Radolfzell. Bild: Kuhnle+Knödler
Marc Rodenbücher (rechts) von der TSR gibt dem Gast Julius Schmidt in den neuen Räumlichkeiten in der Seestraße Tipps für seinen Aufenthalt in Radolfzell. Bild: Kuhnle+Knödler | Bild: Kuhnle+Knödler

Länger als sonst haben die Gaststätten und Hotels in Radolfzell aufgrund des Lockdowns auf die ersten Gäste warten müssen. „Aber die Touristen kamen, sobald wir wieder auf hatten“, sagt Nina Hanstein. Soll heißen: Radolfzell liegt bei Gästen hoch im Kurs. „Weniger beliebte Regionen profitieren vom Urlaub im eigenen Land. Die Bodenseeregion gehört da nicht dazu, denn hier ist es den Sommer über immer voll“, ergänzt Sabine Hellner, Marketingleiterin bei der TSR. Eine Steigerung vor allem in den Sommerferien sei deshalb kaum möglich gewesen, da man ohnehin mit Blick auf die Übernachtungszahlen an die Kapazitätsgrenze gestoßen sei. „Wir können die vorhandenen Betten ja nicht doppelt belegen“, so Hellner.

Camper zieht es auf die Mettnau

Im April sah dies ganz anders aus. In Radolfzell musste die Tourismusbranche einen Einbruch von 96,9 Prozent verkraften. Damit kam sie wie im Rest von Deutschland auch, beinahe vollständig zum Erliegen. Das Minus im Vergleich zum Vorjahr 2019 betrug satte 82,9 Prozent. „Was der Tourismus dort verpasst hat, wird er nicht wieder aufholen“, betont Hanstein.

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Und dennoch konnte der Tourismus in Radolfzell bei den Übernachtungen – ohne die Bettenbelegung auf der Mettnau-Kur und dem Carl Duisberg Centrum – sogar im Juli ein leichtes Plus erzielen. „Der Tourismus in Radolfzell erholt sich wie in ganz Deutschland langsam von der Pandemie“, so Hanstein. Beliebtestes Reiseziel in Radolfzell: der Wohnmobilstellplatz auf der Mettnau und im Herzen. „Beide Stellplätze waren ab dem 18. Mai durchgehenden super besucht“, sagt Hanstein.

Anlaufstelle für Touristen: Leonie Auer (links) von der TSR und ihr gegenüber Irmgard Langanki im Gespräch.
Anlaufstelle für Touristen: Leonie Auer (links) von der TSR und ihr gegenüber Irmgard Langanki im Gespräch. | Bild: Kuhnle+Knödler

Bei der TSR in Radolfzell hofft man nun auf einen goldenen Herbst. Vor allem mit Blick auf die Camper. Denn in diesem Jahr soll die Campingsaison verlängert werden. Diese endet normal am 15. Oktober. „Mit dem Kommen der Wandervögel“, erklärt Hanstein. Sie soll laut der TSR-Geschäftsführerin in diesem Jahr bis zum 1. November – und damit bis nach den Herbstferien – gestreckt werden. Dies werde zwar keinen Riesensummen mehr bringen, aber immerhin Umsatz, sagt sie. Geld, das die TSR dringend benötigt. Denn pandemiebedingt musste der Gürtel in der Tourismus und Stadtmarketing GmbH 2020 enger geschnallt werden. So wurde der städtische Zuschuss um 30 Prozent gekürzt.

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Dadurch seien auch bei den Veranstaltungen keine großen Sprünge machbar gewesen. „Wir haben nicht das Budget um alle Konzept auf die verschärften Regularien anzupassen“, so Hanstein. So musste gleich eine ganze Reihe an Veranstaltungen abgesagt werden. Darunter die Radolfzeller Sternfahrt, der Kräutermarkt, das Kinderfest in Markelfingen, die Abendmärkte, der Aktionstag „Herz für Kinder“ und das Altstadtfest. „Für viele Veranstaltungen brauchen wir abgesperrte Flächen, um die Besucherzahlen zu regulieren“, sagt Hanstein.

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Die Zeller Filmnächte und das Diner en blanc fanden unterdessen statt – mit einem überarbeiteten Hygienekonzept und unter strengeren Auflagen. „Die Resonanz auf beide Veranstaltungen war durchweg positiv. Es gab jedoch auch Kritik von Einzelnen, die nicht verstehen konnten, warum wir sie durchführen“, berichtet Hanstein.

Mit gemischten Gefühlen in den Herbst und Winter

Mit gemischten Gefühlen blicken Hanstein und Hellner in Richtung Winter. Hinter Aktionen wie dem Schokoladenmarkt, der Adventshütte oder dem Stellen des Weihnachtsbaumes stehen Fragezeichen. Auch der Christkindlemarkt bei dem Hanstein als TSR-Chefin mit im Arbeitskreis sitzt, ist noch nicht in trockenen Tüchern. Hier soll die Entscheidung demnächst fallen. „Alle Veranstaltungen ins Strandbad zu verlegen, weil wir dort die Besucherzahlen steuern können, wird nicht funktionieren“, erläutert Hanstein. Schließlich gehe es bei Festen und Aktionen auch darum, die Innenstadt zu beleben.

Das Wildcampen nimmt weiter zu

  • Wildcampen wird zum Ärgernis: Obwohl die beiden Wohnmobilstellplätze auf der Mettnau und im Herzen den ganzen Sommer über laut Nina Hanstein proppenvoll waren, gibt es auch Kritik von der TSR-Geschäftsführerin. Vor allem das Wildparken sei in diesem Jahr extrem gewesen. „Das Wildparken der Wohnmobile ab Ende Mai war ein großes Ärgernis“, sagt sie. Radolfzell habe nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen, sodass die TSR immer wieder die Nachricht raus geben musste, dass alle Wohnmobilstellplätze in Radolfzell belegt waren.
  • Wieder Kurzarbeit nach der Saison: Für die Mitarbeiter der Tourismus und Stadtmarketing GmbH geht es nach der Hochsaison wieder zurück in die Kurzarbeit. Dies bestätigt Nina Hanstein im Gespräch. „Die Kurzarbeit in der TSR wurde über den Sommer ausgesetzt“, sagt sie.
  • 80 Prozent deutsche Gäste: Von den Touristen, die den Sommer in Radolfzell verbracht haben, stammen laut Nina Hanstein rund 80 Prozent aus dem eigenen Land. Danach folgen Gäste aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien und den Niederlanden.
  • Neue Räume werden gut angenommen: Nach dem Umzug in die Seestraße hat die TSR laut Hanstein einen Anstieg an Laufkundschaft zu verzeichnenn. „Es kommen deutlich mehr als bisher. Die Nachfrage ist deutlich gestiegen“, sagt sie. (mgu)