Für viele Familien, die die Sommersaison im See- oder Strandbad sehnsüchtig erwartet haben, gab es in diesem Jahr eine Überraschung an der Kasse: Seit dieser Saison wird keine Familienkarte mehr verkauft. Stattdessen werden separate Saisonkarten für Erwachsene, für Kinder und Jugendliche sowie für Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren angeboten.

In diesem Jahr wurden die ursprünglich festgelegten Preise wegen der durch die Corona-Pandemie verspäteten Öffnungen reduziert. Trotzdem liegen die Ausgaben für einen Saisoneintritt für eine Familie nun deutlich höher als in den vergangenen Jahren.

25 Euro für Erwachsene, 15 für Kinder

Der Familienverband Radolfzell-Konstanz will sich dafür einsetzen, dass wieder eine Familienkarte eingeführt wird. Es seien mehrere Anfragen beim Verband eingegangen, berichtet Vorsitzende Karin Vögele: „Die Leute verstehen die Welt nicht mehr.“

Im vergangenen Jahr kostete eine Familienkarte 52 Euro. Mit der Karte hatte man Zutritt zu beiden Bädern. Auch was den Verbund der beiden Bäder angeht, wurde eine Änderung eingeführt. Karten, die an der Kasse des Strandbads gekauft werden, gelten nur dort. Ersteht man eine Saisonkarte im Seebad für einen etwas höheren Preis, hat man Zugang zu beiden Bädern.

Der Preis für eine Saisonkarte im Seebad beträgt in diesem Jahr für Erwachsene 25 Euro und für Kinder und Jugendliche 15 Euro. Eine Familie mit drei Kindern zahlt nun also 95 Euro (im Vergleich zu 52 Euro im Vorjahr).

Familien auf Saisonkarte angewiesen

Andrea Schäfer vom Familienverband gibt zu bedenken, gerade Familien seien in der Corona-Krise am meisten belastet worden, sowohl finanziell als auch physisch und organisatorisch.

Viele Eltern seien an ihre Grenzen gestoßen, mussten in Kurzarbeit gehen, verfügten über geringere Einnahmen. Geplante Sommerurlaube seien teils nicht mehr möglich, viele Familien würden die Ferien vor Ort verbringen und seien deshalb besonders auf eine Saisonkarte angewiesen.

Im Seebad kaum Familienkarten verkauft

„Mit dieser Entscheidung fördert man doch auch das Wildbaden“, befürchtet Susanne Schuhwerk vom Familienverband. Auf die Frage, wie es zum Wegfall der Familienkarte kam, sagt Pressesprecher Moritz Schade, die Entscheidung sei in zwei Schritten erfolgt: In den vergangenen Jahren seien im Seebad wenige Familienkarten verkauft worden – 2018 zwei Karten, 2019 nur eine Karte.

Aufgrund dieser Zahlen habe der Finanz- und Verwaltungsausschuss den Verkauf der Familienkarte im Seebad als unrentabel beurteilt und gestrichen. Im Strandbad wurden jedoch knapp 100 Familienkarten verkauft, gibt die Pächterin des Strandbads, Derya Yildirim, an.

Grund: „Gleichbehandlung“

„Die Familienkarte wurde immer gut angenommen und sie galt ja für beide Bäder“, so die Pächterin. Zur Abschaffung der Familienkarte kam es laut Moritz Schade folgendermaßen: „In einem nächsten Schritt hat der Ausschuss beschlossen, die Preise in dieser Saison wegen Corona anzupassen. Im Zuge dieser Anpassung wurden die Familienkarten durch Beschluss des Ausschusses auch im Strandbad gestrichen. Das ist vor dem Hintergrund der Gleichbehandlung geschehen.“

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Aufgrund der späten Öffnung in diesem Jahr werden die angebotenen Saisonkarten in etwa 25 Prozent günstiger verkauft. Eine Saisonkarte für einen Erwachsenen kostet nun 25 Euro statt der ursprünglich beschlossenen 35 Euro.

Familienverbund setzt sich ein

„Ich war zunächst sehr überrascht über die Senkung der Preise“, erklärt Derya Yildirim. Die Entscheidung des Verwaltungs- und Finanzausschusses über die Gestaltung der Eintrittspreise seien mit den Pächtern nicht besprochen worden. „Für uns kam das alles ganz schnell und spontan“, fährt sie fort. Dass im Strandbad keine Verbundkarte mehr verkauft wird, nennt sie eine „unglückliche Entscheidung“. Und dass sie keine Familienkarte mehr anbieten kann, habe sie überrascht. In der Vorlage der Ausschusssitzung ist vermerkt, dass die Eintrittsgelder im nächsten Jahr neu beschlossen und die Verbundkarte wiedereingeführt werden soll.

Die Familienkarte ist nicht erwähnt. Der Familienverbund will sich nun für die Wiedereinführung der Familienkarte einsetzen. Karin Vögele fordert: „Wir möchten eine Familienkarte für Familien mit zwei Elternteilen, die alle Kinder in der Familie mit einschließt. Der Tarif für Alleinerziehende sollte ebenfalls Familien zustehen, in denen nur ein Elternteil mit den Kindern schwimmen geht.“