Die Stadt Radolfzell möchte nachhaltig etwas gegen den Klimawandel tun. Seit dem vergangenen Spätsommer hat man das Aktionsprogramm „10.000 Bäume für Radolfzell„ ausgerufen. Der Großteil, etwa 9000 der 10.000 Bäume, soll bis 2021 im Stadtwald neu gepflanzt werden. Zudem werden 1000 Bäume in der Kernstadt und den Ortsteilen auf städtischem Grund gesetzt.

Bäume, die im Rahmen des Aktionsprogramms gepflanzt werden, sind ausschließlich Neupflanzungen. Ersatzpflanzungen und Bäume von bereits geplanten Maßnahmen sind nicht enthalten. Nun wurden in Liggeringen an einem Waldrand zusätzliche 1200 Bäume im Rahmen einer ersten Umsetzung von Revierförster Gerhard Heizmann gepflanzt. „Der Klimaschutz muss weitergehen“, sagte Oberbürgermeister Martin Staab bei dem Termin. Mit dem Aktionsprogramm sieht man sich in Radolfzell in der Tradition von Bundespräsident Theodor Heuss, der vor 68 Jahren im Bonner Hofgarten einen Baum pflanzte und damit ein jährlich wiederholtes Ritual begonnen hat.

Erfolg lässt sich erst in Jahrzehnten erkennen

Auf dem rund 0,3 Hektar großen Gebiet in Liggeringen, auf dem sich zuletzt eine Wiese befunden hat, hat Gerhard Heizmann sieben verschiedene Baumarten gesetzt, die in den kommenden Jahrzehnten ihren Beitrag gegen den Klimawandel leisten sollen. Dabei hat man bewusst auf Baumarten zurückgegriffen, die hoffentlich den sich ändernden klimatischen Verhältnissen in unseren Breitengraden trotzen können. Sie stammen aus einer Empfehlungsliste der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt, die 20 Baumarten aufführt.

Für den Standort in Liggeringen hat sich der Revierförster für Spitzahorn, Kirschbaum, Esskastanie, Roteiche, Tulpenbaum, Elsbeere und Eberesche entschieden. Sie alle sollen mit der zu erwartenden Trockenheit, die in der Zukunft erwartet wird, besser zurechtkommen als viele der heimischen Baumarten. „Das ist ein Versuch, den meine Nachfolger dann in späteren Jahrzehnten beurteilen können“, sagte Gerhard Heizmann.

Trockenheit bedroht jetzt auch die Rotbuchen

Besonders erschrocken sind die Förster nach seiner Angabe über die Reaktion der Rotbuchen in den Wäldern der Region auf die anhaltende Trockenheit. Während man in der Vergangenheit davon ausgegangen war, dass die Bäume damit relativ gut zurechtkommen, sorgen sich die Fachleute mittlerweile über den Fortbestand.

Angesicht dieser Tatsache geht es Martin Staab gar nicht schnell genug mit der Umsetzung des Aktionsprogramms. „Wir sind noch nicht so weit wie gewünscht“, stellte er fest. Aktuell sorgen mehrere Faktoren für eine verzögerte Umsetzung. So mussten die Pflanzaktionen, zu denen sich bereits zahlreiche Bürger freiwillig gemeldet hatten, aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden.

Interessenskonflikte bei Umnutzung von Flächen

Zudem verzögern behördliche Hürden das schnelle Aufforsten: „Man glaubt nicht, auf wie vielen Flächen Restriktionen liegen“, erklärte dazu der Liggeringer Ortsvorsteher Hermann Leiz. Er hat sich in den vergangenen Monaten stark für die Aktion eingesetzt und um Flächen bei Privatpersonen geworben. Doch vielfach hatte das zuständige Landwirtschaftsamt laut OB Martin Staab abgewunken und eine Umnutzung als Waldgebiet damit ausgeschlossen. „Wir würden auch Flächen tauschen“, warb er weiter um Unterstützung.

Trotz dieser kleinen Rückschläge will sich Herman Leiz nicht von seiner positiven Meinung abbringen lassen. „Ich finde, dass die Aktion einfach gut ist“, sagte er. Das sehen auch viele Radolfzeller Bürger so: Laut Teresa Tewes von der Abteilung Strategische Steuerungsunterstützung, Klima- und Umweltschutz war das Interesse an der Aktion bisher groß. Das liegt ihrer Meinung nach unter anderem an der Sichtbarkeit der Aktion: „Das ist für alle greifbar“, erklärte sie.