Klassische Kammermusik im Freien – geht das überhaupt? Wie gut das geht, bewies das Aris Quartett, das bei den Höri Musiktagen Streichquartette von Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven spielte. Selbst die Hitze konnte Spiellust und gute Laune nicht mindern, obwohl alles anders ist in diesem Jahr.

Das Quartett spielte bei seinem Auftritt im Kirchhof der Stiftskirche Öhningen im Stehen, was im Barock üblich war, aber durchaus auch den klassischen Werken zugute kam. Und die beiden Damen traten barfuß auf, was man im Konzertsaal wohl nicht antrifft.

Erstaunliche Akustik

Das Kuppeldach des Bühnenzelts lieferte perfekte Klangqualität, was die Meisterschaft des jungen Ensembles noch unterstrich. Es ist von der BBC zu „New Generation Artists“ ernannt und mit dem „Echo Rising Stars“-Titel ausgezeichnet worden. Man durfte also gespannt sein auf das Aris Quartett (der Name bildet die vier Endbuchstaben der Vornamen ab).

Das geschah mit ganz eigener Note. Haydns D-Dur-Quartett aus seinem Opus 20 ist ein durchweg fröhliches Stück, das die jungen Streicher dynamisch fein gestuft, schwungvoll und breit, mal auch neckisch getupft mit großer Spielfreude angingen. Leise Melancholie klang im variationsreichen Adagio an, das Menuett entfaltete ein spritziges Feuerwerk, mit Akzenten gegen den Takt.

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Ludwig van Beethovens erstes Quartett in F-Dur aus seinem Opus 59 ging das Aris Quartett mit energischem Zugriff an. Den Kopfsatz mit seinen vielen Motiven und Themen-Variationen spielte es fast ruppig, setzte auf die Kontraste von leicht und schwer, von lyrisch und aggressiv.

Ein grimmiges Scherzo

Auch das Scherzo ist eher grimmig. Ein aufgewühlter Klageton dominierte den langsamen Satz, den das Quartett mit weiten, wogenden Bögen gestaltete. Die verzwickte Rhythmik des finalen Allegros wieder in ungeheurem Tempo zelebrierend und mit spannungsgeladenem Spiel aufwartend, stürmte das Quartett dann zum schwungvollen Schluss.

Die Höri Musiktage gibt es noch bis zum 16. August. Infos unter www.hoeri-musiktage.de

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