Die Bilder von menschenüberfüllten Stränden an der Ostsee oder auf den Balearen während der Coronazeit sind längst um die ganze Welt gegangen. Nach einer Empfehlung möglichst im eigenen Land Urlaub zu machen, sind auch die Bäder rund um den Bodensee gut gefüllt. Dabei dürfen längst nicht mehr so viele Menschen in die Strandbäder wie zuvor.

So sind aktuell zum Beispiel im Strandbad auf der Mettnau, das eine Fläche von 19.500 Quadratmetern umfasst, gerade einmal 1950 Gäste gleichzeitig zugelassen. Rein rechnerisch sind für jeden Badegast also zehn Quadratmeter Liegefläche vorgesehen. „Unter den aktuellen Bedingungen hätten wir schnell ein überfülltes Bad“, sagt Pächterin Derya Yildirim angesichts des Ansturms an Badegästen.

Warteschlange vor dem Strandbad-Eingang: Eine digitale Info, wie viele Gäste gerade auf dem Gelände sind, gibt es mangels Internet-Anbindung nicht. Die Initiative „Mettnau für alle“ fordert denn auch ein W-LAN fürs Strandbad. Bild: Alfred Heim
Warteschlange vor dem Strandbad-Eingang: Eine digitale Info, wie viele Gäste gerade auf dem Gelände sind, gibt es mangels Internet-Anbindung nicht. Die Initiative „Mettnau für alle“ fordert denn auch ein W-LAN fürs Strandbad. | Bild: Alfred Heim

Dementsprechend werden die Gäste derzeit am Eingang nur kontrolliert auf die Anlage gelassen, was mitunter zu Warteschlangen führt. Zunächst einmal muss jeder Haushalt seine Adresse auf einem Vordruck hinterlassen und den Zettel anschließend in eine Sammelbox werfen.

Vier Wochen lang müssen diese Aufenthaltsbelege von den Strandbadbetreibern aufbewahrt werden, damit das Gesundheitsamt im Fall der Fälle die Infektionsketten zurückverfolgen und eindämmen kann. Schon allein dieser Vorgang sorgt bei den Badegästen an heißen Tagen für Aufregung: „Die Leute kommen mit Sack und Pack hier an und sind bereits gestresst. Man verliert dabei halt ein bisschen Zeit“, sagt Derya Yildirim.

Auch manche Stammgäste zeigen sich von Anti-Corona-Vorschriften genervt

Auch Stammgäste und Dauerkartenbesitzer müssen sich dem Prozedere unterziehen, „was nicht jedem einleuchten will“, berichtet sie. Und so wird der Erholungspunkt schnell zum Stressauslöser. Sind bereits zu viele Gäste in dem Bad, heißt es warten. „Wir haben zum Glück noch nie komplett schließen müssen“, sagt Derya Yildirim. Es seien immer mal wieder auch Gäste rausgekommen und neue Gäste durften dann rein.

Eine vorherige Online-Anmeldung oder eine digitale Information, wie viele Gäste gerade im Bad sind, wie es zum Teil Konstanzer Bäder praktizieren, sei im Strandbad nicht möglich. Denn: Es gibt kein Internet.

Besucher beschweren sich über mangelnde Vorsicht anderer Gäste

Auch für das kleinere Seebad gelten diese Einlassregeln. Vor Corona hätten dort rund 800 Besucher Platz gefunden, im Strandbad habe man sogar schon 4000 Gäste gehabt. Heute darf nicht einmal die Hälfte rein. „Der Vorteil beim Seebad sind die fehlenden Parkplätze, es kommen so schon weniger Touristen, sodass es nicht zu voll wird“, sagt Derya Yildirim.

Während das Einhalten der Corona-bedingten Vorschriften so manchem Gast schon zu viel sind, sorgen sich andere Gäste genau darum. Mit ihren Beschwerden werden sie bei den Strandbadbetreibern, dem Ordnungsamt oder auch beim SÜDKURIER vorstellig.

Darin beklagen sie die Nichteinhaltung der Hygienevorschriften. Sei es beim Anstellen in der Schlange, dem Tragen des Mundschutzes oder im direkten Umgang miteinander. So berichtet zum Beispiel SÜDKURIER-Leser Tonias Mühlbauer, dass „sich kaum einer an die Abstandsregel hält (egal ob Markierungen auf dem Boden sind oder nicht)“, wie er in einem Schreiben an die Redaktion bemerkt.

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Von Seiten der beiden Radolfzeller Strandbäder versucht man selbstverständlich sämtliche Vorschriften umzusetzen. „Das Ordnungsamt hat alles abgenommen. Aber trotzdem sind die Leute auf uns sauer“, berichtet Derya Yildirim. Auch das Tragen eines Mundschutzes für das Personal sei anfänglich nicht vorgeschrieben gewesen, mittlerweile sei klar, dass dies ebenfalls Pflicht ist.

Auch habe es Beschwerden beim Gesundheitsamt und anschließende Kontrollen gegeben, doch noch nie habe man Bußgeld bezahlen müssen, sagt die Bad-Pächterin. Das Problem seien im Grunde häufig die Gäste selbst. „Wir sind auf die Hilfe der Gäste angewiesen. Wir können viel tun, aber jeder Gast ist auch selbst in der Verantwortung.“

Wenn ein freundlicher Hinweis ärgerliche Reaktionen auslöst

Grundsätzlich verhalten sich die Touristen ihrer Erfahrung nach rücksichtsloser als andere Gäste des Bades. „Aber was sollen wir tun“, fragt die Betreiberin etwas hilflos. Schnell entwickele sich aus einem harmlosen und freundlichen Hinweis mitunter ein Streitgespräch, in dem so mancher seine gute Kinderstube vergesse. Dabei gehe es in den Bädern doch darum, dass „sich die Leute wohlfühlen“, wie Derya Yildirim betont.

Sie selbst befindet sich derzeit nicht gerade in einer Komfortzone. So konnte sie die beiden Bäder erst zwei Monate später öffnen, die Beschränkung der Besucherzahlen bedeuten ebenfalls geringere Einnahmen. Die Pachtgebühren an die Stadt wurden Corona-bedingt gestundet, müssen jedoch später entrichtet werden.