Der nächste Schritt ist geschafft – die Stahringer Ortschaftsräte beschlossen in der jüngsten Sitzung die Offenlage des Bebauungsplans „Hofvariante„ für das Gebiet „Unterm Freiwiesle“. Zur Abstimmung standen zwei Beschlussvorschläge: Zum einen der Beschlussvorschlag „Der Entwurf des Bebauungsplans ‚Unterm Freiwiesle‘ und die Begründung werden gebilligt“ – dieser wurde mit vier Ja-Stimmen bei drei Nein-Stimmen und einer Enthaltung angenommen. Der zweite Beschlussvorschlag „Die Offenlage des Bebauungsplans ‚Unterm Freiwiesle‘ wird beschlossen“ wurde mit fünf Ja-Stimmen und drei Enthaltungen angenommen.

Über 30 Bürger folgten in der Sitzung den Ausführungen von Rita Nassen von der Stadtplanung, Gerold Honsel von der Fachabteilung Tiefbau sowie Waltraut Fuchs vom beauftragten Planungsbüro. Die rund 40-minütige Zusammenfassung der bisherigen Planungschritte zeugte von dem zähen Ringen um einen Bebauungsplan, der sowohl den von Bürgern in einem Workshop formulierten Kernaussagen als auch den Vorgaben des Arten- und Naturschutzes gerecht wird. Die von Waltraut Fuchs vorgestellte Hofvariante stellte einen erneuten Versuch dar, einen Konsens zu finden.

Gewünschte Ringstraße kann nicht gebaut werden

Aus Sicht der Verwaltung bringt die von Oberbürgermeister Martin Staab zum Offenlage-Beschluss freigegebene Variante unter anderem den Vorteil, dass sie eine kostengünstige Variante darstellt, die meisten Streuobstbäume erhalten kann und verschiedene Kernaussagen der Bürger berücksichtigt.

Die Hofvariante sieht neben einem Mehrfamilienhaus sieben Einfamilienhäuser und 14 Doppelhaushälften vor. Die Zufahrt soll durch die Verlängerung der Römerstraße und der Straße Schloßhaldenstraße erfolgen, würde aber jeweils in einer Sackgasse enden. Verschiedene Ortschaftsräte und einige Bürger sehen unter anderem aus diesem Grund die Hofvariante kritisch. Eine der Kernaussagen der Bürger war der Wunsch nach einer Ringstraße. Laut Fuchs ist dies aufgrund des Erhalts von Streuobstbäumen nicht möglich.

Im Gebiet „Unterm Freiwiesle“ sollen unterschiedliche Wohngebäude entstehen. Der Stahringer Ortschaftsrat spricht sich für die sogenannte Hofvariante aus. Erreichbar ist das Gebiet über die Straßen Im Freiwiesle und die Römerstraße. Im linken Bereich des Entwurfs ist ein fünf Meter breiter Schutzwall gegen Regenwasser vorgesehen, das von der Homburg herunterfließt. Entwurf: Planungsbüro Fuchs
Im Gebiet „Unterm Freiwiesle“ sollen unterschiedliche Wohngebäude entstehen. Der Stahringer Ortschaftsrat spricht sich für die sogenannte Hofvariante aus. Erreichbar ist das Gebiet über die Straßen Im Freiwiesle und die Römerstraße. Im linken Bereich des Entwurfs ist ein fünf Meter breiter Schutzwall gegen Regenwasser vorgesehen, das von der Homburg herunterfließt. Entwurf: Planungsbüro Fuchs

Neben der Straßenführung sorgte auch die Tatsache, dass aufgrund des Erhalts von Streuobstbäumen dringend benötigter Wohnraum verloren ginge, erneut für Diskussionen. Der Erhalt der Bäume basiert auf dem Artenschutzgesetz, der den Erhalt der Fledermäuse – deren Flugbahn direkt über das Baugebiet verläuft und einige davon Bäume zur Orientierung nutzen – vorsieht. „Die Gesetzgebung sieht vor, dass wir den Artenschutz berücksichtigen müssen“, erklärte Rita Nassen. Dies konnte nicht jeden überzeugen. Schließlich seien auch im bereits 2005 fertiggestellten Baugebiet zunächst Bäume erhalten worden, die mittlerweile mangels Pflege gefällt werden mussten und deren Ersatzpflanzung nach wie vor ausstehe.

„Mit den Fledermäusen ist es wie mit den Corona-Viren – keiner sieht sie, aber sie bestimmen unser Handeln“, sagte Ortsvorsteher Jürgen Aichelmann. Nachdem die Entwässerungsplanung zuletzt für Verzögerungen gesorgt hatte – der Offenlage-Beschluss musste aufgrund der Entwässerungsplanung im Vormonat kurzfristig von der Tagesordnung gestrichen werden – konnte die von Gerold Honsel nun vorgestellte Planung überzeugen. So soll ein Wall entlang der Verlängerung der Schloßhaldenstraße das von den Hängen der Homburg herabfließende Wasser auffangen und durch eine vorgelagerte Mulde in ein 145 Kubikmeter fassendes Regenrückhaltebecken leiten.

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Das letztlich knappe Abstimmungsergebnis zeugt davon, dass es sich bei der Hofvariante um einen Kompromiss handelt, aber auch vom Willen der Ortschaftsräte, die Planung nun einen entscheidenden Schritt voran zu bringen. Ortsvorsteher Jürgen Aichelmann brachte es auf den Punkt: „Der Mehrheitsbeschuss ist gefasst und ich werde diesen so in den Gremien vertreten. Ich hoffe, dass der vorgestellte Plan den Bedarf der Bauwilligen decken kann und freue mich auf den nächsten Schritt – die Vorlage im Rahmen der PUT-Sitzung im September“. PUT ist der Ausschuss Planung, Umwelt und Technik.

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