Die Lorbeeren waren zum Greifen nah. Als einziges Blasorchester Baden-Württembergs hätte die Stadtkapelle Radolfzell das Land beim Deutschen Orchesterwettbewerb in Bonn vertreten können. Mitten in ihren musikalischen Vorbereitungen und eine Woche vor dem Probenwochenende sind die Ambitionen der Stadtkapelle der Corona-Krise zum Opfer gefallen.

Auch wenn der Wettbewerb im nächsten Jahr nachgeholt werden könnte, steht eine Teilnahme der Stadtkapelle am prestigeträchtigen Wettbewerb offen. Denn das musikalische Aushängeschild ist bei den in Radolfzell stattfindenden Heimattagen 2021 äußerst eingespannt.

Bedauern über Wettbewerb-Absage

Die Absage des Wettbewerbs macht den Vorsitzenden der Stadtkapelle betroffen: „Mir tut es persönlich sehr leid, weil so ein Wettbewerb ein Orchester immer weiterbringt“, erläutert Thomas Späth. Man müsse schwierige Stücke meistern und gemeinsam mit dem Dirigenten das Zusammenspiel und die Klangfarbe des Orchesters entwickeln. Der Vorsitzende vermisst ebenso die Veranstaltung selbst mit dessen begleitenden Konzerten, den Instrumentenmessen sowie den Austausch mit anderen Orchestern.

Applaus ist immer Motivation

Nach den Einschränkungen der vergangenen Zeit sei die positive Anspannung für den Wettbewerb verpufft. Nun sei sehr viel Eigenmotivation gefragt, verbunden mit der Frage, wie man diese aufrecht erhalten könne. Ein Teil der Motivation sei der Applaus von Zuhörern, den die Musiker in Schuss halten. Lockerungen der Corona-Verordnung könnten so positive Auswirkungen für den bisher eingestellten Probebetrieb haben und die Motivation von Amateur-Musikern unterstützen.

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Erstmals zeigte sich die Stadtkapelle für eine eucharistische Anbetung mit kleiner Abordnung von wenigen Musikern im Radolfzeller Münster wieder öffentlich und bespielte zu Fronleichnam den Gottesdienst. Zum 85. Geburtstag ihres Ehrendirigenten Heinrich Braun zeichnete sie unter der Einhaltung aller notwendigen Abstände zwei Musikstücke für ein Klarinetten- und ein Blechbläser-Quintett auf Video auf. Doch es ist weiterhin offen, wie das Blasorchester seinen allgemeinen Probebetrieb wieder aufnehmen kann.

Muster-Konzept für Proben

Erste Anhaltspunkte lieferte die vom Land Baden-Württemberg Ende Mai herausgegebene Corona-Verordnung für Veranstaltungen, die von der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände sowie dem Bund Deutscher Blasmusikerverbände als ein wichtiger Meilenstein begriffen wird. Vor zehn Tagen legten die Vereinigungen in Anlehnung an diese neue Verordnung ein detailliert ausgearbeitetes Blasmusik-Muster-Hygienekonzept für Musikvereine in Baden-Württemberg vor.

Das Konzept umfasst den potentiellen Probenbetrieb für Ensembles und Orchester sowie den Unterrichtsbetrieb vom Einzel- und Gruppenunterricht bis zu fünf Personen. Ein Hygienekonzept für den Konzertbetrieb soll demnächst folgen.

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Damoklesschwert über der Planung

Die neue Corona-Verordnung des Landes ermögliche die Aussicht, wieder Konzerte zu planen sowie Proben und Vorbereitungsarbeiten aufzunehmen, so die Verbände. Stück für Stück könne man sich so wieder in das Geschehen einarbeiten, erläutert Thomas Späth. Gemeinsam mit dem Vorstand wolle er das Konzept durcharbeiten, dessen Bedeutung für die Stadtkapelle erschließen und die Möglichkeiten ausarbeiten, wie die Proben wieder anlaufen könnten. Doch über jegliche Planung schwebt ein Damoklesschwert: Dahingehend wie sehr sich die Bevölkerung die Vorschriften für die Eindämmung der Pandemie zu Herzen nehme und es keine zweite Welle gebe.

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