Die Entscheider in der Messmer-Stiftung sehen sich um die Chance gebracht, für die Stadt Radolfzell im Ortsteil Markelfingen im Neubaugebiet im Tal einen Kindergarten zu bauen. Statt einem Gebäude mit drei Gruppen will die Stadt jetzt nur noch ein Gebäude mit zwei Gruppen von der Stiftung übernehmen. Doch, sagt Stiftungsvorstand Arnulf Heidegger: „Eine Lösung für nur zwei Gruppen macht für uns finanziell keinen Sinn.“

Der Querschuss aus dem Rathaus

Der Querschuss aus dem Rathaus kam für die Stiftung überraschend, vor allem nach den Vorgesprächen. Mit dem Beschluss, an den bestehenden Kindergarten in Markelfingen ein „ortsgebundenes“ Gebäudemodul hinzusetzen und damit den bestehenden Kindergartens dauerhaft um eine Gruppe zu erweitern, hat die Stadt die Pläne der Stiftung durchkreuzt, im Neubaugebiet im Tal einen Kindergarten mit drei Gruppen für die Stadt zu bauen. Der Vorschlag für das feste Modul kam im Juli aus dem Dezernat drei, zuständig für alle Bausachen und unter der Leitung von Oberbürgermeister Martin Staab. Der Gemeinderat stimmte zu, damit war die bisherige Planung vom Tisch, für den kurzfristigen Bedarf einen Container zu mieten.

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Aber damit ist auch die Planungsgrundlage für die Messmer-Stiftung hinfällig. Im November 2019 war die Stadt, dieses Mal das Dezernat zwei, zuständig für Kultur, Bildung, Soziales, Sicherheit unter der Leitung von Bürgermeisterin Monika Laule, noch mit einem anderen Vorschlag in den Gemeinderat gegangen und erhielt damals einen einstimmigen Auftrag. Darin hieß es zur Planung in Markelfingen, dass für die kurzfristige Bedarfsdeckung im bestehenden Kindergarten Villa Sonnenschein vorübergehend eine vierte Gruppe eingerichtet werden solle. Wörtlich stand in der Vorlage: „Zur Abdeckung des längerfristigen Bedarfs, der sich aus dem Neubaugebiet im Tal ergibt, ist ein Neubau einer dreigruppigen Einrichtung erforderlich.“

Konzept und Wirklichkeit

Mit dem Erweiterungsbeschluss vom Juli hat der OB die Karten neu gemischt. Die Villa Sonnenschein wird mit dem ortsgebundenen Modul auf Dauer eine Kindertageseinrichtung mit vier Gruppen, für den geplanten Neubau in der Nachbarschaft im Tal bleiben zwei Gruppen übrig. Nun fühlt sich die Messmer-Stiftung vor den Kopf gestoßen. Seit der Bedarfsplanung im November 2019 hat man sich mit der Idee zum Bau eines dreigruppigen Kindergartens in Markelfingen auseinandergesetzt und ein Konzept entwickelt. Erfahrungen mit solchen Projekten gibt es. Die Stiftung plant und baut den Kindergarten und sucht zusammen mit der Stadt einen Träger oder Betreiber. Das Gebäude bleibt im Eigentum der Stiftung, es wird an die Stadt vermietet, die wiederum einen Vertrag mit einem Betreiber abschließt.

Die Frage des Nutzens

Als letztes Vorzeigeprojekt der Stiftung gilt das Montessori-Kinderhaus in der Nordstadt. „Klar wäre für uns eine Einrichtung in Markelfingen ein interessantes Projekt, wir haben in diesem Bereich gute Erfahrungen gemacht“, sagt Petra Bialoncig, die mit Heidegger den Stiftungsvorstand bildet. Bialoncig macht eine Einschränkung: „Zwei statt drei Gruppen bedeuten 100 Quadratmeter weniger in der Nutzung, das ist für einen Träger nicht interessant.“ Das für Markelfingen entwickelte Konzept sei deshalb wie ursprünglich von der Stadt empfohlen von drei Gruppen ausgegangen. Die Kosten schätzt sie auf 3,5 bis 4 Millionen Euro: „Das wird bei zwei Gruppen nicht deutlich weniger.“

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Karl Steidle als Vorsitzender des Stiftungsrats ärgert sich: „Wir machen das doch nicht aus Jux und Tollerei, die Stadt hat uns gefragt, ob wir uns das vorstellen können.“ Zusammen mit dem Vorstand sei man sich einig gewesen, „das passt gut zu uns, auf dieser Basis sind wir in die Gespräche mit Frau Laule gegangen“. Den „Querschuss“ aus dem Baudezernat können die Entscheidungsträger der Stiftung nicht verstehen. „Das wäre doch eine Win-Win-Situation für alle gewesen“, schüttelt Heidegger den Kopf. Die Messmer-Stiftung finanziert, plant und baut, die Stadt müsste ihren eigenen Haushalt nicht belasten und hätte bis in zwei Jahren einen schlüsselfertigen Kindergarten. „Und wir als Stiftung könnten unser Geld mit einem sinnvollen sozialen Bezug anlegen“, sagt Heidegger.

Stadtverwaltung: „Ausschlusskriterium war nicht bekannt“

Die Verwaltung sagt etwas anderes. Auf unsere Anfrage teilt die Pressestelle mit: Die Gespräche mit der Messmer-Stiftung seien dem Gemeinderat bekannt gewesen, konkrete Ergebnisse habe es im Juli noch nicht gegeben. Auch dass es im Rathaus bekannt gewesen sei, dass die Messmer-Stiftung nur einen dreizügigen Kindergarten bauen wolle, bestreitet die Stadtverwaltung: „Das Ausschlusskriterium war zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.“

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Die Pressestelle der Stadt Radolfzell bestätigt aber ausdrücklich, dass mit dem Einbau eines „ortsgebundenen Moduls„ an den bestehenden Kindergarten sich der Anspruch für den neuen verändert hat: „Die aktuelle Bedarfsplanung geht von einer zweizügigen Einrichtung aus.“ Dass die Verwaltung damit die Pläne der Stiftung durchkreuzt, nimmt man im Rathaus gelassen zur Kenntnis: „Hierzu sind noch Gespräche zu führen. Es gibt zahlreiche zweigruppige Einrichtungen. Auch ist die Betreiberauswahl noch nicht geklärt.“

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