Auf diesen Moment hat die Stahringer Dorfgemeinschaft lange gewartet – die Eröffnung des Heimatwochenendes. „Ich bin stolz auf das besondere Heimatgefühl, das wir hier in Stahringen haben“, sagte Ortsvorsteher Jürgen Aichelmann bei seiner Begrüßung. In vielen Gesprächen hätte er erfahren, was für die Stahringer das Gefühl von Heimat ausmacht. Allen voran Johann Sauter, mit seinen 96 Jahren ältester Bewohner Stahringens. Für ihn sei Heimat die Verbundenheit, die sich aus der Erinnerung ergibt.

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Erinnerungen an seine Jugendzeit, besondere Begebenheiten und Menschen. Für den Fotografen Adelbert Brütsch gehört die schöne Landschaft, die durch den Bodensee geprägt ist, zu seinem ganz besonderen Heimatgefühl. Alles, was zum Heimatbild Stahringens gehört, hat er in der Foto-Ausstellung „Unser Dorf im Wandel der Zeit“ festgehalten. „Es ist eine enorme Leistung, was Adalbert Brütsch innerhalb weniger Wochen auf die Beine gestellt hat“, so Aichelmann.

Auch die Feuerwehr und der DRK-Ortsverein Stahringen-Wahlwies waren Teil des Heimatwochenendes und präsentierten sich mit ihren Stationen im Dorf.
Auch die Feuerwehr und der DRK-Ortsverein Stahringen-Wahlwies waren Teil des Heimatwochenendes und präsentierten sich mit ihren Stationen im Dorf. | Bild: Petra Reichle

„Allein, dass die Dorfgemeinschaft an dem Heimatwochenende festgehalten hat und wir heute hier Stehen ist ein großer Erfolg“, sagte Martin Staab angesichts der Herausforderung, eine Veranstaltung bei wechselnden Corona-Richtlinien zu organisieren. Gemeinsam mit Nina Hanstein, Geschäftsführerin der Tourismus- und Stadtmarketing GmbH, begleitete er die Eröffnungsfeier.

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„Es kann nur funktionieren, wenn alle zusammenhalten. Die Basis dafür ist eine lebendige und engagierte Vereinslandschaft“, so Staab. Dazu gehört auch der Musikverein – nach 18 langen Monaten erklangen endlich wieder seine vertrauten Töne. Mit dem Marsch „Mein Heimatland“ begleitete er nicht nur die Eröffnungsfeier, sondern zog anschließend unter anderem mit der „Fischerin vom Bodensee“ musizierend durch das Dorf.

Mit ihrem Schild „Heimat sind die Schoofwäscher“ präsentierte sich die Zunft auf der Gelte. Für das Foto konnten die geimpften Narren kurz enger zusammenrücken (vorne von links): Die Zunftmeister Reinhard Sauter und Christiane Koch, Lena Aichelmann, Lilli Jerg und Heidi Westphal. Hinten von links: Das schwarze Schoof Alexander Oberwittler, Klepperle-Chefin Mirjam Muffler, Alexander Schäkel und Michael Hamburger.
Mit ihrem Schild „Heimat sind die Schoofwäscher“ präsentierte sich die Zunft auf der Gelte. Für das Foto konnten die geimpften Narren kurz enger zusammenrücken (vorne von links): Die Zunftmeister Reinhard Sauter und Christiane Koch, Lena Aichelmann, Lilli Jerg und Heidi Westphal. Hinten von links: Das schwarze Schoof Alexander Oberwittler, Klepperle-Chefin Mirjam Muffler, Alexander Schäkel und Michael Hamburger. | Bild: Petra Reichle

Die Vereinslandschaft, aber auch historische Gebäude und Orte sowie Einrichtungen wie die Feuerwehr und das Deutsche Roten Kreuz konnten Besucher im Rahmen einer Dorfrallye entdecken. 18 Stationen waren im Dorf verteilt, an jeder gab es nicht nur Informationen und Bilder, sondern auch eine Rätselfrage für Erwachsene und Kinder. „Für uns war die Dorfrallye eine tolle Beschäftigung, zudem konnten unsere Kinder was Lernen“, erklärte die Radolfzellerin Carla Schittek, die die Rallye gemeinsam mit ihrer Familie entdeckte.

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„Manche Rätselfragen waren für uns nicht zu beantworten, aber so sind wir mit den Vereinen ins Gespräch gekommen und konnten die Fragen gemeinsam beantworten“. So konnte hoffentlich nicht nur Familie Schittek herausfinden, dass eine Kuh vier Mägen hat, die Jugendgruppe der Schoofwäscherzunft „Schwarze Schoof“ heißt, man bereits mit 14 Jahren seinen Segelflugschein machen kann oder es beim „Hohle-Hus“ eine Stiege in der Scheune war, die zur Knechtkammer führte.

Josef Zimmermann und seine Dorfschmiede gehört für die Stahringer seit Generationen zum Dorfbild dazu. Eigens für das Heimatwochenende hat der pensionierte Schmied nochmals sein Handwerk vorgeführt.
Josef Zimmermann und seine Dorfschmiede gehört für die Stahringer seit Generationen zum Dorfbild dazu. Eigens für das Heimatwochenende hat der pensionierte Schmied nochmals sein Handwerk vorgeführt. | Bild: Petra Reichle

Besonderes Highlight vor allem für die Einheimischen war Josef Zimmermann und seine historische Dorfschmiede. Eigens für das Heimatwochenende feuerte der seit vielen Jahren pensionierte Schmied nochmals an und demonstrierte sein Handwerk. Auch wenn die Schmiede längst nicht mehr betrieben wird, für die Traktorfahrer ist sie unverzichtbar. Denn bis heute ist Josef Zimmermann erste Anlaufstelle, wenn es um die Reparatur der Traktoren geht. Die Traktoren sind aus dem Dorfbild Stahringens nicht wegzudenken. Am Heimatwochenende standen rund 40 Oldtimer Spalier.

Wenn die Traktoren knatternd durch das Dorf oder über die Homburg fahren, ist das für die Stahringer Teil ihres Heimatgefühls. Am Heimatwochenende standen über 40 Traktoren Spalier.
Wenn die Traktoren knatternd durch das Dorf oder über die Homburg fahren, ist das für die Stahringer Teil ihres Heimatgefühls. Am Heimatwochenende standen über 40 Traktoren Spalier. | Bild: Petra Reichle

Für Mirjam Muffler und ihre Familie gehört das Knattern der Traktoren zu ihrem ganz besonderen Heimatgefühl. Das ist nicht nur für die Einheimischen so. Vor rund fünf Jahren ist Maria Bühring mit ihrem Mann aus Ostdeutschland nach Stahringen gezogen, ihre Tochter Emma wurde hier geboren. „Wir sind in Stahringen angekommen und fühlen uns hier heimisch“, sagt sie. Nach „Mama“ und „Papa“ sei das Wort „Traktor“ Emmas drittes Wort gewesen. Sei es bei den Vereinen und Einrichtungen, aber auch der Kirche und der alten Dorfschmiede, an diesem Wochenende zeigte Stahringen alles, was das Dorfleben ausmacht – eine lebendige Vereinslandschaft, eine enge Dorfgemeinschaft und großen Zusammenhalt.