Im 50. Jahr ihres Bestehens kommt die Radolfzeller Segelschule in neue Hände. Die neue Inhaberin ist Sara Wild, die vor zehn Jahren in Wallhausen die dortige Wassersportschule übernommen hatte und diese seither als Wilde Flotte firmiert. Und so schließt sich der Kreis. Denn schon damals war es deren Vorgängerunternehmen, das die ersten Boote an den Bodenseereiter verlegt hatte.

„In den Jahren 1969/70 hat es hier nur den Reitstall gegeben. Die Stadt wollte, dass dort noch andere Sportmöglichkeiten angeboten werden“, erzählt die bisherige Eigentümerin Carola Habenicht. Auch der Reitstallbesitzer sei an Angebotserweiterung interessiert gewesen. „Im April 1971 hat das Landratsamt die Genehmigung für 17 Bojen erteilt“, erzählt Habenicht. Ein Mitarbeiter sei von Willi Müller, dem Inhaber der Wallhauser Wassersportschule, eingesetzt worden, der sich um die Boote gekümmert habe. „Willi Müller starb bei einem Segelurlaub an einem Herzinfarkt. Seine Frau Ulla führte den Wallhauser Betrieb dann weiter.“

Es gab verschiedene Wechsel

Den Radolfzeller Ableger übernahm ein Schlosser aus Bielefeld. Aber auch er verstarb früh. „Die Ehefrau wollte nicht weitermachen, und so wurde die Segelschule an einen Gipsermeister in Leonberg verkauft. Weil seine Ehefrau erkrankte, verpachtet er die Schule“, fasst Carola Habenicht die wechselvolle Geschichte zusammen. Ihr Ehemann Jürgen hatte bereits beim Bielefelder Schlosser als Ausbilder gearbeitet. „Er hat sie dann 1983 übernommen und bis 2004 geleitet. Als er in den Ruhestand wollte, habe ich sie übernommen. Und da ich 2020 ein gutes Angebot bekommen habe, habe ich sie recht schnell verkauft.“

Carola Habenicht hat ihre erste Segelausbildung bei ihrem Ehemann gemacht. Weitere kamen bei Schulungen in Elsfleth unweit von Bremerhaven hinzu. „Ich besitze alle Segel- und Motobootscheine, die man als Privatmann haben kann, und alle Funkscheine“, sagt sie stolz. „Für alles Weitere hätte ich studieren müssen.“

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Sie war ursprünglich Erzieherin

Segelturns in der Ostsee, im Mittelmeer und in der Karibik haben sie und ihr Ehemann neben den Schulungen am Bodensee angeboten. „Er hat 50.000 Seemeilen und ich 25.000 Seemeilen auf dem Wasser zurückgelegt“, erzählt sie. Neben Ulla Müller sei sie die einzige Frau am See gewesen, die eine Wassersportschule geführt habe. „Ich habe ursprünglich Erzieherin gelernt und in der Kirchenjugend gearbeitet. Diese Erfahrung konnte ich gut als Ausbilderin einsetzen.“

Bedingt durch die Mettnaukur kamen auch Prominente zu ihr, um ein Boot für Ausfahrten zu mieten. So lernte sie Manfred Wörner kennen, der Verteidigungsminister und Nato-Generalsekretär war, und Claus Kleber, der Moderator des des ZDF-Heute-Journals ist, und Ehefrau und Tochter hierher brachte.

Carola Habenicht (rechts) hat ihre Wassersportschule an Sara Wild aus Wallhausen verkauft. Hier bereiten sie die Ausbringung der Bojen vor. Bei der Weide im Hintergrund (gelblicher Baum links von der Mitte) befand sich früher der Steg der Segelschule.
Carola Habenicht (rechts) hat ihre Wassersportschule an Sara Wild aus Wallhausen verkauft. Hier bereiten sie die Ausbringung der Bojen vor. Bei der Weide im Hintergrund (gelblicher Baum links von der Mitte) befand sich früher der Steg der Segelschule. | Bild: Nikolaj Schutzbach

Besondere Erlebnisse und ein Kindheitstraum

Ein besonderes Ereignis war das Jahrhunderthochwasser von 1999. „Das Geländer des ganz neuen Stegs stand unter Wasser. Da konnten wir mit einem Beiboot bis ans Haus fahren und dieses über Nacht ans Treppengeländer festbinden. Es kamen ganz viel Schaulustige mit Tischen und Bänken. Am Gebäudes des Technischen Hilfswerks sieht man noch, wie hoch das Wasser gestanden hat.“

Weiter erzählt sie: „2014 habe ich mir einen Kindheitstraum verwirklicht und ein gebrauchtes Plattbodenschiff gekauft, die Seewiefke. Ich habe es von Wilhelmshaven an den Bodensee gebracht. Damit hatte ich eine Alleinstellungsmerkmal.“

Neben des umfangreichen Ausbildungsprogramms für Segel- und Motorboote gab es bei Carola Habenicht auch Ausfahrten für die unterschiedlichsten Anlässe, auch Heiratsanträge. An einen kann sie sich noch besonders gut erinnern. „Der Mann wollte mit seiner Freundin eine Fahrt in den Sonnenuntergang machen: Als das Wetter und die Zeit passte sind wir los in Richtung Reichenau und darüber hinaus. Wir sind umgedreht und ganz langsam zurückgefahren. Um 20 vor 9 ist er auf die Knie gegangen und hat seinen Antrag gemacht mit der Allee im Hintergrund. Das war richtig kitschig, aber ich hatte eine Gänsehaut“, erzählt sie.

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