Wer heute auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg blickt, der sieht eine vollkommen andere Welt. Von Fernsehern, Kühlschränken oder gar Mobiltelefonen waren die Menschen noch weit entfernt. Irmgard Friede hat die Entwicklungsgeschichte seit dieser Zeit selbst erlebt. Die jetzt 101 Jahre alt gewordene Bewohnerin des Stiftes „Zum Heiligen Geist“ in der Radolfzeller Innenstadt feierte in der vergangenen Woche ihren Geburtstag, zum dem auch Oberbürgermeister Simon Gröger erschien.

Mit 19 Jahren im Krieg verschüttet

Er könnte einer rüstigen älteren Dame gratulieren, die die längste Zeit ihres Lebens in Köln verbracht hat. Wie sie selbst berichtet, lebte Irmgard Friede 50 Jahre in der Domstadt. Dorthin war sie nach einer Flucht über Herford in Ostwestfalen gelangt. Ursprünglich stammte sie aus einer Bäckerfamilie in Chemnitz. Aus dieser Zeit stammte auch eines der prägendsten Erlebnisse ihres langen Lebens. „Wir sind im Krieg verschüttet worden“, berichtete die 101-jährige im Rückblick. Damals war sie 19 Jahre alt.

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Zuvor war die junge Frau vor allem durch die Arbeit im elterlichen Betrieb geprägt. „Wir mussten immer viel arbeiten“, erinnerte sie sich an die Zeit ihrer Jugend. Nach dem Umzug in den Westen des Landes arbeitete Irmgard Friede als Verkäuferin. Die Tätigkeit hat ihr „immer viel Freude bereitet“, wie sie sagt. Kinder hat die Jubilarin keine, aber eine große Familie, die ihr im fortgeschrittenen Alter noch zu einem Umzug an den Bodensee verholfen hat. Ein Neffe hat die Rentnerin vor einigen Jahren nach Radolfzell geholt, damit die Familie nicht so weit entfernt wohnt.

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Zufriedenheit bis ins hohe Alter

Mit ihren freundlichen Wesen hat sich Irmgard Friede in Radolfzell gut eingelebt. In der Einrichtung schätzt man ihre zuvorkommende Art. Die Zufriedenheit ist ein Teil ihrer Person. „Ich bin zufrieden, wie mein Name schon sagt“, erklärte die 101-Jährige. Eine guten Tipp, wie auch andere so ein stolzes Alter erlangen können, konnte sie aber nicht geben. Im Grunde kann sie es selbst nicht glauben, „dass ich so alt geworden bin“, resümierte sie. Simon Gröger jedenfalls hat sich bereits für das kommende Jahr angekündigt, um erneut persönlich zu gratulieren – dann zum 102. Geburtstag.